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Die GoPro-GefahrBund warnt vor Helmkameras auf Pisten

Helmkameras sind das heisse Gadget für die breite Masse in dieser Skisaison. Doch die kleinen technischen Wunderwerke erhöhen die Unfallgefahr, warnen Experten.

von
G. Brönnimann
GoPro-Helmkamera im Einsatz: Schweizer Experten warnen, das Fahren mit Helmkamera sei nicht in jedem Fall ungefährlich.

GoPro-Helmkamera im Einsatz: Schweizer Experten warnen, das Fahren mit Helmkamera sei nicht in jedem Fall ungefährlich.

Sie werden immer günstiger, immer kleiner und immer besser: Die wind- und wetterfesten Outdoor-Videokameras, ideal geeignet für die Skipiste. Führende Marke: GoPro. In den USA ist man je nach Skigebiet schon in der Minderheit, wenn man ohne Helmkamera die Hänge hinuntergleitet – auch in der Schweiz gibt es von Jahr zu Jahr mehr Leute, die mit Helmkamera fahren. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) sei deshalb beunruhigt, schreibt «Le Matin».

Denn: Die Kameras können gefährlich sein. BfU-Sprecher Rolf Moning zu 20 Minuten: «Eine Kamera auf dem Helm kann die Verletzungsgefahr insofern erhöhen, als sie bei einem Sturz auf den Kopf als Hebelarm wirkt und damit die auf den Kopf einwirkenden Kräfte erhöht.» Doch nicht nur das bereitet den Unfallverhütern Kopfschmerzen: «Helmkameras können dazu führen, dass der Fahrer mehr Risiken eingeht, um spektakuläre Bilder zu machen», so Moning, «er kann aber auch abgelenkt sein und seine Kopfhaltung der Kameraführung anpassen, statt in Fahrtrichtung zu schauen.»

Auch Suva und Skilehrer mahnen zur Vorsicht

Das bestätigt auch Samuli Aegerter, Kampagnenleiter Schneesport bei der Suva gegenüber 20 Minuten. Zwar liegen keine Statistiken vor – und Helmkameras seien nicht gefährlich, wenn sie bloss dazu dienten, Fahrten mit der Familie aufzunehmen. «Problematisch wird es jedoch, wenn die Helmkamera genutzt wird, um risikoreiche Sprünge oder schnelle Abfahrten aufzunehmen», so Aegerter. «Die Verführung ist gross, für das Video noch etwas schneller zu fahren oder etwas höher zu springen. Ausserdem kann die Helmkamera ablenken. Man nimmt die Gefahren nicht mehr in angemessener Zeit wahr und dies kann zu Unfällen führen.» Die Suva beobachtet die Trends. Falls tatsächlich ein höheres Unfallrisiko wegen Helmkameras festgestellt werden kann, werde sie mit Präventionsmassnahmen reagieren, so Aegerter.

Franco Moro, seit 26 Jahren Leiter der Skischule St. Moritz, kann sich ebenfalls gut vorstellen, dass die Helmkameras nicht in jedem Fall harmlos sind: «Wenn sich jemand nur darauf konzentriert, gute Aufnahmen zu machen, kann es gefährlich werden: Dann schaut man mit dem Kopf nur noch sein Ziel an – und das könnte die Wahrnehmung beeinträchtigen.» Derzeit sieht Moro allerdings keinen Handlungsbedarf, dafür sei es noch zu früh. «Man muss zuerst abwarten, wie sich das entwickelt. Aber die Kameras sind stark im Kommen, vor allem bei den Jungen. Das könnte zu Problemen führen.»

Bfu rät zu Kamera-Verzicht

Stefan Zurbuchen, Leiter Ausbildung Ski Grindelwald Sports, kennt zwar noch keine Vorfälle und hat grundsätzlich kein Problem mit den Kameras. Doch auch er mahnt zur Vorsicht: «Gerade Anfänger haben grosse Freude an den Geräten. Auch mit Kamera gelten selbstverständlich dieselben Regeln – man sollte nicht versuchen, einen möglichst tollen Film zu drehen, sondern einfach ganz normal fahren.» Jean-Marie Bornet, Sprecher der Walliser Kantonspolizei, hat ebenfalls Bedenken: «Die Kameras sind Fremdkörper an den Helmen. Sie können bei Zusammenstössen und Unfällen auf der Piste die Verletzungsgefahr erhöhen.»

Konkrete Zahlen zu kamerabedingten Unfällen sind in der Schweiz noch keine vorhanden. Trotzdem rät die Bfu «zugunsten von mehr Sicherheit vom Gebrauch von Helmkameras ab», sagt Moning.

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