Fiese Software: Bund warnt vor Kinderporno-Trojaner
Aktualisiert

Fiese SoftwareBund warnt vor Kinderporno-Trojaner

150 Franken Busse sollen Schweizer Computernutzer bezahlen, weil sich auf ihrem urplötzlich gesperrten PC illegales Material befinde. Doch die Nachricht stammt nicht von der Polizei.

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dsc
Dieser von der Tessiner Kantonspolizei zur Verfügung gestellte Screenshot zeigt die böswillige Fehlermeldung.

Dieser von der Tessiner Kantonspolizei zur Verfügung gestellte Screenshot zeigt die böswillige Fehlermeldung.

Plötzlich taucht zuhause auf dem Monitor die Warnung auf, dass der Computer soeben gesperrt wurde. Dann geht nichts mehr, der Rechner ist blockiert. Im gleichen Mitteilungs-Fenster fordert das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement auf, eine Busse von 150 Franken zu bezahlen. Begründung: Auf dem PC befinde sich kinderpornografisches und anderes illegales Material.

Die auf den ersten Blick schockierende Nachricht stammt allerdings nicht von einer Schweizer Behörde. Vielmehr sind unbekannte Kriminelle am Werk, die sich mithilfe einer Schadsoftware unbemerkt auf fremden PCs einnisten. Wie sie das schaffen, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall versuchen die Angreifer, beim verängstigten Besitzer abzukassieren. Die Schweizer Melde- und Analysestelle Informationssicherung MELANI hat am Montag auf ihrer Website eine entsprechende Warnung veröffentlicht. In den letzten Tagen sei man auf mehrere solche Fälle aufmerksam gemacht worden.

Offenbar verwenden die Täter missbräuchlich das offizielle Logo von PostFinance, um den Anschein zu erwecken, dass alles rechtens sei. So sollen die Betroffenen zum sofortigen Bezahlen der «Busse» animiert werden. Besonders perfid: Selbst wenn man die 150 Franken online überwiesen hat, dürfte der infizierte Computer gesperrt bleiben. Dies erklärt der stellvertretende Leiter der Melde- und Analysestelle gegenüber 20 Minuten Online und verweist auf die Herkunft der Schadsoftware.

Aus Deutschland

Laut den Computer-Experten des Bundes handelt es sich beim Schweizer «Kinderporno-Trojaner» um eine Variante einer ursprünglich in Deutschland entdeckten Schadsoftware. Im Frühjahr hatte das deutsche Bundeskriminalamt vor dem besonders aggressiven Computer-Schädling gewarnt (20 Minuten Online berichtete).

Der deutsche Trojaner verlangte die Zahlung einer Busse von 100 Euro. Zahlungsunwilligen wurde damit gedroht, dass der Computer gesperrt und die Harddisk formatiert werde. Tatsächlich nützte den Betroffenen das Bezahlen der angeblichen Busse nichts - ihr Gerät blieb blockiert. Infizierte Festplatten mussten komplett gelöscht und neu formatiert werden.

Passwörter ändern!

Der Bund empfiehlt, besonnen auf eine solche Aufforderung zu reagieren. Man solle den Computer mithilfe einer (aktuellen) Antivirus-Live-CD analysieren, den Schädling entfernen oder sich an ein Computer-Fachgeschäft wenden. Als Vorsichtsmassnahme sollten zudem alle auf dem PC verwendeten Passwörter geändert werden. Die Täter könnten alles ausspioniert haben.

Schliesslich ist einmal mehr an die allgemeinen Vorsichtsmassnahmen im Umgang mit Computer und Internet zu erinnern. Unbekannte Dateien und fragwürdige Mail-Attachments sollten nicht geöffnet werden, weil sie Schadsoftware enthalten könnten.

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