Kopfweh wegen WLAN?: Bund will Elektrosmog in Wohnung messen
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Kopfweh wegen WLAN?Bund will Elektrosmog in Wohnung messen

Während über die Strahlung von Handyantennen gestritten wird, weiss keiner, wie stark wir im Büro und zu Hause bestrahlt werden. Jetzt prüft der Bund ein neues Messsystem.

von
sth
Strahlensensible Menschen glauben, sie werden durch Elektrosmog krank.

Strahlensensible Menschen glauben, sie werden durch Elektrosmog krank.

Handys, Rasierapparate, der PC, die Lampe oder das WLAN fürs Internet: Wir werden im Schlafzimmer, der Stube und im Büro ständig bestrahlt. Elektrosensible Menschen sind sich sicher, dass sie davon Kopfschmerzen, Gleichgewichts- und Schlafstörungen bekommen.

Die Forschung ist sich zwar uneins, ob diese Symptome tatsächlich vom Elektrosmog herrühren. Wissenschaftlich belegt ist aber, dass bestimmte Strahlung den Körper erwärmen und das Nervensystem beeinflussen kann. Doch nicht einmal der Bund weiss, wie stark die Strahlenbelastung in Schweizer Haushalten und Büros tatsächlich ist.

Dies soll sich jetzt ändern: Der Bund studiert gegenwärtig Möglichkeiten für systematische Messungen. «Es gibt Absichten, ein Monitoring aufzubauen. In Zukunft soll die Gesamtbelastung durch alle Quellen erfasst werden», bestätigt Jürg Baumann, Sektionschef Nichtionisierende Strahlung beim Bafu.

Strahlen interagieren mit dem Nervensystem

Auch ETH-Experte Gregor Dürrenberger von der Forschungsstiftung Strom und Mobilkommunikation (FSM) spricht sich für umfassendere Messungen aus. «Ein sinnvolles Monitoring sollte eine Privatperson während 24 Stunden mit Sensoren ausstatten und die Immissionen aufnehmen.» Zwar kennt die Schweiz heute einen gesetzlichen Elektrosmog-Grenzwert von 4 oder 6 Volt pro Meter für Mobilfunk und Regelungen für die Stromversorgung, elektrische Eisenbahnen, Mobilfunkantennen, Radio- und Fernsehsendern oder Radars. Die privaten Strahlenquellen werden aber nicht erfasst.

Dabei kommt diesen eine grosse Rolle zu: «Der hausgemachte Elektrosmog ist beim durchschnittlichen Bürger grösser als der öffentlich erzeugte», ist Markus Lauener, Präsident des Dachverbandes Elektrosmog Schweiz und Liechtenstein, überzeugt. «Man wird vom Fernseher, WLAN und Kabellostelefon des Nachbarn bestrahlt. Dazu kommen die eigenen Geräte.»

Sollten die Messungen vom Bund kritische Werte erzielen, ist für ihn klar, was passieren muss: «Auf jedem Haushaltsgerät muss stehen, wie viel Strahlung es abgibt.» Die heutigen Grenzwerte seien nach wirtschaftlichen, statt nach wissenschaftlichen Kenntnissen festgelegt worden. Peter Schlegel, ETH-Ingenieur und Vertreter von Elektrosensiblen, will in Privatwohnungen wegen WLANs allein 1,5 Volt pro Meter gemessen haben.

Dringender Regelungsbedarf

Für Hans-Ulrich Jakob von Gigaherz, einer Fachstelle für nichtionisierende Strahlung, sind solche Messungen alarmierend: «Ich befürchte, dass viele Menschen in Büros unter Elektrosmog leiden, ohne es zu wissen.» Da die Strahlen eine generelle Schwächung des Immunsystems verursachten, sei eine Anfälligkeit für verschiedenste Krankheiten die Folge.

Die Grüne Nationalrätin Yvonne Gilli will darum das Thema bald wieder auf das politische Parkett bringen: «Es gibt einen dringenden Regelungsbedarf bei körpernahen Geräten. Noch immer existieren keine Grenzwerte für Induktionsherde und Co.» Sie plant die zuständigen Ämter zu kontaktieren, um gemeinsam einen Vorstoss zu formulieren. Zudem müssten die Bürger aufgeklärt werden: «Die Bevölkerung weiss zu wenig darüber, wie sie durch sinnvolles Stellen und Nutzen im Raum das Ausgesetztsein gegenüber Elektrosmog reduzieren kann.»

Bis wir wissen, wie viel Strahlung wir täglich ausgesetzt sind, dürfte aber noch Zeit vergehen. Allein der Aufbau eines Messgeräteparks für das Monitoring des Bundes wird gemäss Jürg Baumann vom Bafu einige Jahre dauern.

Kein strahlenloses Dorf»

Der Versuch, aus der jurassischen Gemeinde Soubey ein «Dorf für Strahlensensible» einzurichten, blieb in den Anfängen stecken. Sie liegt zwar in einem der wenigen verblieben Funklöcher der Schweiz, einer sogenannten «Zone Blanche», doch die grosse Mehrheit der Bürger wollte nichts von der Idee wissen. Seither müssen Elektrosensible selber schauen, wie sie sich vor zu viel an Strahlung schützen. ETH-Experte Dürrenberger gibt insofern Entwarnung, als dass der Trend bei den neuesten Endgeräten der Mobilkommunikation hin zu strahlungsärmeren Smartphones gehe.

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