Aktualisiert 27.06.2010 19:54

Unsinn?

Bund will englische Wörter verbannen

«Kennwortknacker» statt Hacker und «Prallkissen» statt Airbag: Der Bund will Anglizismen in der Verwaltung durch ein Glossar ausmerzen.

von
Daniel Waldmeier

Der Bundeskanzlei sind englische Lehnwörter ein Dorn im Auge. Sie hat im Internet eine Liste mit über 500 Einträgen veröffentlicht, die den Beamten beim Übersetzen der Anglizismen in die Landessprache helfen soll. So wird der Scanner künftig «Einlesegerät» heis­sen, der Flyer «Flugzettel» und der Chatroom «Plauderstube» (siehe Box). Schliesslich sei es «kulturell von Vorteil, wenn in einer Landessprache kommuniziert werde», so Thomas Abegglen von der Bundeskanzlei gegenüber dem «Sonntag».

Sprachwissenschaftler Peter Sieber schmunzelt über die kuriose Liste: «Man soll deutsches Sprachgut verwenden. Wenn der deutsche Begriff aber nicht verstanden wird, macht es keinen Sinn.» «Unnötig» findet Poetry-Slammer Gabriel Vetter das Glossar: «Sprache lässt sich nicht in ein Korsett zwängen. Ich sehe nichts Schlechtes daran, wenn man DJ und nicht ‹Plattenaufleger› sagt.» SVP-Politiker und Schriftsteller Oskar Freysinger sagt: «Mir sind Anglizismen auch nicht sympathisch, aber die Sprache lässt sich nicht von oben vorschreiben.»

Peter Heisch vom Schweizerischen Verein für deutsche Sprache ist der Meinung, die Anglizismen hätten «überhandgenommen»: «Man sollte sich bemühen, deutsche ­Begriffe zu verwenden. Doch gewisse Wörter lassen sich nicht mehr verdrängen.»

Versuche, die Sprache aus unterschiedlichsten Motiven staatlich zu steuern, haben eine lange Tradition. Auf die Spitze trieben es etwa die Kommunisten in der DDR: Bananen hiessen «Schlauchäpfel», Engel «Jahresendfiguren» und ein Fotograf wurde «Lichtbildner» genannt.

BISHER - NEU

Airbag = Prallkissen

Camper = Zelter

Chatroom = Plauderstube

Cockpit = Pilotenkanzel

Fitness = Sportliche Form

Flyer = Flugzettel

Leasing = Mietkauf

Newsletter = Kurzinformation

Marketing = Vertriebswissenschaft

Road Pricing = Strassenbenutzungsgebühr

Scanner = Einlesegerät

Spam = E-Mail-Massenwerbung Working-Poor = Armer mit Arbeit

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