Aktualisiert 30.05.2009 06:48

Prämienexplosion

Bund will gesunde Medikamentenpreise

Die Schweizerinnen und Schweizer bezahlen meistens einiges mehr für Medikamente als ihre Nachbarn im übrigen Europa. Gesundheitsminister Pascal Couchepin will die Kosten für Medikamente nun um mehrere hundert Millionen Franken senken.

Dies erklärte Peter Indra, Vizedirektor des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), am Samstag gegenüber Schweizer Radio DRS. Couchepin selber hatte sich am Freitag nach der Sitzung des Bundesrats nicht darüber geäussert, wieviel Geld er bei den Medikamenten einsparen wolle. Gegenüber Radio DRS präzisierte Indra dies nun.

Bei den Medikamenten bestehe ein grosses Sparpotenzial, sagte er. Der Bund wolle hier eine ähnliche Summe einsparen wie mit der Praxisgebühr und den übrigen vom Bundesrat am Freitag beschlossenen Massnahmen.

In eigener Regie beschliessen

Diesen Betrag hatten Couchepin und das BAG bisher immer auf etwa 350 bis 450 Millionen Franken beziffert. Am Freitag hatte sich der Gesundheitsminister indes standhaft geweigert, den Spareffekt dieser Massnahmen zu beziffern.

Während die am Freitag vom Bundesrat beschlossenen Massnahmen noch ins Parlament kommen, kann die Landesregierung über die Senkung der Medikamentenpreise in eigener Regie entscheiden. Bis zur Sommerpause will der Bundesrat auch weitere Schritte bei der Förderung von Generika und bei der Ausweitung des Preisvergleichs für Medikamente unternehmen.

30 Franken pro Konsultation

Umstrittenster Punkt des bundesrätlichen Kostensenkungspakets ist die so genannte Praxisgebühr von 30 Franken, die jeder Patient bei den ersten sechs Besuchen bar in die Arztpraxis oder ins Spitalambulatorium mitbringen muss. Damit sollen die Versicherten von unnötigen Arztbesuchen abgehalten werden.

Im Gegenzug zur dieser neuen Abgabe schlägt der Bundesrat vor, den maximalen Selbstbehalt pro Jahr von 700 auf 600 Franken zu senken. Zudem sollen alle Krankenkassen als erste Anlaufstelle einen kostenlosen telefonischen Beratungsdienst einrichten müssen.

Nicht länger soll es sodann möglich sein, je nach Behandlungsbedarf jedes Jahr zwischen Grund- und Wahlfranchise zu wechseln. Auch ersucht der Bundesrat um die Kompetenz, die ambulanten Tarife in einem Kanton um höchstens 10 Prozent zu senken, wenn der Kostenanstieg mindestens zwei Prozent über dem schweizerischen Durchschnitt liegt. (sda)

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