Aktualisiert 04.06.2015 14:13

Sitzen mit Folgen

Bund will Sesselklebern Beine machen

Vom Frühstück bis zum Abendkrimi: Die Schweizer Bevölkerung sitzt durchschnittlich vier bis fünf Stunden am Tag. Zu viel, findet das BAG und motiviert zu mehr Bewegung.

von
kko
Mehr Bewegung während der Arbeit: Bürostuhlrennen auf dem Bundesplatz.

Mehr Bewegung während der Arbeit: Bürostuhlrennen auf dem Bundesplatz.

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) rüttelt mit einer neuen Studie auf. Jede sechste Person sitzt bis zu 8,5 Stunden pro Tag. Für die Autoren eine gefährliche Tendenz: «Sitzen stellt einen eigenen Risikofaktor für Diabetes, Herzerkrankungen, Krebs, Entzündungen, psychische Erkrankungen und Sterblichkeit im Erwachsenenalter dar», heisst es im Hinweis zur Studie.

Bereits bei Kindern erhöhe langes Sitzen das Risiko für Übergewicht, Stoffwechselerkrankungen und sogar für eine verringerte Knochendichte und verminderte intellektuelle Fähigkeiten. Gegensteuer ist leicht gegeben: «Auf-Stehen», fordert das BAG.

Ein aktiver Lebensstil schütze. Neue Studien zeigten, dass schon regelmässiges Unterbrechen von langem Sitzen nütze und Freizeitaktivitäten ideal ergänze: «Wer sich viel und regelmässig bewegt, legt nicht nur Muskeln zu. Auch Knochen, Gelenke und Organe werden stärker. Das Immunsystem, das Gedächtnis und das Lernvermögen nehmen zu.»

Beruflich bedingtes Sitzen

Das BAG ist sich im Klaren darüber, dass die Sitzstunden von der beruflichen Tätigkeit abhängen. Ein Handwerker oder eine Hausfrau bewegen sich mehr als die Managerin oder der Informatiker. Zudem spielt auch das Alter eine wichtige Rolle: Je älter eine Person ist, desto weniger sitzt sie.

Gemäss der Studie «Sitzender Lebensstil» scheint weniger das Sitzen an sich ein Problem zu sein: So könnten Rücken- oder Nackenschmerzen mit besonderen Massnahmen reduziert werden. Problematisch sei vielmehr «der Mangel an körperlicher Aktivität».

Diese kann offenbar nicht in der Freizeit nachgeholt werden: «Vielmehr scheinen regelmässige Unterbrechungen des Sitzens oder Liegens durch Bewegung einen deutlichen und unabhängigen Gesundheitseffekt zu haben», kommen die Studienautoren zum Schluss.

Ein paar Minuten pro Stunde bewegen

Anleitungen oder Empfehlungen können sie jedoch keine liefern. Grund dafür ist der lückenhafte Forschungsstand. Immerhin: «Beim aktuellen Kenntnisstand scheint eine Unterbrechung von einigen Minuten pro Stunde jedoch vielversprechend.»

Die Studie ist eine Sonderanalyse einer Erhebung aus dem Jahr 2011 sowie der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2012. Sie vermittelt erstmals einen vertieften Einblick in das Ausmass des Sitzens und seinen Kontext in der Schweiz.

Dabei stellte sich auch heraus, dass die meisten Personen, die mehr als 8,5 Stunden pro Tag sitzen, sich dennoch wie empfohlen 2,5 Stunden pro Woche bewegen. Aber nochmals: «Diese Bewegung allein reicht jedoch nicht aus, um die negativen Auswirkungen eines sitzenden Lebensstils zu kompensieren.» (kko/sda)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.