Aktualisiert 19.08.2018 20:37

Zu wenig Platz

Bund will Strassen für SUV breiter machen

Autos sind in den letzten Jahren zunehmend in die Breite gegangen. Der Bund will dem Rechnung tragen und auch die Strassen verbreitern. Umweltverbände sind empört.

von
sul
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Seit den 90er-Jahren sind Autos im Durchschnitt um 12 Zentimeter breiter geworden.

Seit den 90er-Jahren sind Autos im Durchschnitt um 12 Zentimeter breiter geworden.

Keystone/Gaetan Bally
Verantwortlich dafür sind vor allem die robusten Geländewagen, die den Strassenverkehr zunehmend bevölkern.

Verantwortlich dafür sind vor allem die robusten Geländewagen, die den Strassenverkehr zunehmend bevölkern.

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2016 war bereits jedes dritte Auto ein sogenannter SUV. IM Bild: Audi Q8.

2016 war bereits jedes dritte Auto ein sogenannter SUV. IM Bild: Audi Q8.

Audi

Laut einer Studie, die die Universität Duisburg-Essen kürzlich veröffentlichte, ist das Durchschnittsauto heute um ganze 12 Zentimeter breiter als 1990. Verantwortlich dafür sind vor allem die robusten Geländewagen, die immer beliebter sind. 2016 war bereits jedes dritte Auto ein SUV. Die Folge: Für viele Neuwagen ist es auf Schweizer Strassen zu eng.

Der Verband für Verkehrsfachleute Schweiz (VSS) schlägt nun Alarm. «Wenn die Fahrzeuge breiter werden, muss auch die Strasse breiter sein, sonst erhöht sich die Gefahr von Unfällen», warnt VSS-Präsident Jean-Marc Jeanneret in der «SonntagsZeitung». Der Verband arbeite daher an einer Revision der Norm für Strassenbreiten, die schon in einem Jahr in Kraft treten soll. «Dabei sollen die Fahrbahnen den breiter gewordenen Fahrzeugen angepasst werden.»

«Auch Verkehrshindernisse müssen weg»

Unterstützung erhält der VSS vom Bund. «Viele Strassen sind heute zu schmal, um den Bedürfnissen aller Verkehrsteilnehmer gerecht zu werden», sagt Jürg Röthlisberger, Direktor des Bundesamtes für Strassen (Astra). Eine Verbreiterung würde dafür sorgen, dass auch in Zukunft ein «sicheres Miteinander auf verkehrsorientierten Strassen» möglich sei. Um wie viel breiter die Strassen werden sollen, ist noch unklar. Wahrscheinlich sind 10 bis 50 Zentimeter pro Fahrbahn.

Auch für Andreas Burgener, Direktor von Auto Schweiz, ist klar: «Damit der Verkehr flüssig bleibt, braucht es zusätzliche Fläche.» Vor allem innerorts bestehe Handlungsbedarf. «Dort müssen nicht nur die Strassen verbreitert, sondern auch die Verkehrshindernisse und Spurverengungen endlich abgeschafft werden.» Nur so kämen Autolenker und Velofahrer ohne Konflikte aneinander vorbei. Eine Verbreiterung um einen halben Meter erachtet Burgener als «vernünftig».

«Kapitulation vor Klimazielen»

Bei Nationalrätin Aline Trede (Grüne) löst das Vorhaben von VSS und Bund Entrüstung aus. In Zeiten des Klimawandels und des verkehrspolitischen Umbruchs seien breitere Strassen ein völlig falsches Zeichen. «Das Energiegesetz verpflichtet den Bundesrat, den CO2-Ausstoss im Verkehr zu senken», sagt Trede zu 20 Minuten. Dazu brauche es eine nachhaltige Mobilität mit kleineren, emissionsarmen Elektroautos. «Wenn man jetzt die Strassen breiter macht und damit den SUV entgegenkommt, kommt das einer Kapitulation vor den Klimazielen gleich.»

Ruedi Blumer, Präsident des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS), stimmt zu. Die Lösung sei nicht eine Verbreiterung der Strassen, sondern eine Verlangsamung des Tempos. «Wenn man langsamer fährt, kommt man auch mit breiten Autos aneinander vorbei», sagt er. Daher brauche es in den Städten und Dörfern mehr Zonen mit Tempo 30. Diese erhöhten die Sicherheit im Strassenverkehr und würden zugleich die Attraktivität des Velofahrens steigern. Blumer fordert: «Wir brauchen mehr Platz für Velos – und nicht für Autos.»

Erster Revisionsvorschlag scheiterte

Wie die «SonntagsZeitung» weiter schreibt, lancierte der VSS bereits vor einem Jahr einen ersten – gescheiterten – Vorschlag zur Revision. Demnach sollten innerorts die Strassen bis zu einem Meter verbreitert werden. Kantone und die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) kritisierten den Vorschlag scharf. Die BfU befürchtete eine Verschlechterung der Verkehrssicherheit, wenn die Strassen um einen Meter breiter wären. BfU-Sprecher Marc Kipfer: «Das Unfallrisiko wäre erheblich gestiegen, weil breitere Fahrbahnen zu schnellerem Fahren führen.»

Engpässe im Parking

im kommenden September. Die VSS-Norm ist kein Gesetz, sie dient aber als Richtlinie für Bauherren.

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