32’500 Staustunden: Bund will Tempo 60 auf Autobahnen prüfen

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32’500 StaustundenBund will Tempo 60 auf Autobahnen prüfen

Staus sind teuer und Pendler und Pendlerinnen verlieren wertvolle Zeit, wenn sie stundenlang auf der Autobahn stehen. Das Bundesamt für Strassen will das vermeiden – mit einer drastischen Reduktion der Tempolimite. 

von
Karin Leuthold
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Das Bundesamt für Strassen rüstet derzeit 1600 Kilometer Autobahnen mit elektronisch gesteuerten Tempoanzeigen aus. Damit sollen die Tempolimite auf Schweizer Autobahnen kontrolliert werden.

Das Bundesamt für Strassen rüstet derzeit 1600 Kilometer Autobahnen mit elektronisch gesteuerten Tempoanzeigen aus. Damit sollen die Tempolimite auf Schweizer Autobahnen kontrolliert werden.

ASTRA
Wenn es staut, sollen Pendler und Pendlerinnen nur noch 60 Kilometer pro Stunde fahren dürfen.

Wenn es staut, sollen Pendler und Pendlerinnen nur noch 60 Kilometer pro Stunde fahren dürfen.

ASTRA
Staus kosten sehr viel Geld:  Laut einer Schätzung des Bundesamtes für Raumentwicklung (ARE) beliefen sich die Stauzeitkosten 2019 auf insgesamt rund zwei Milliarden Franken.

Staus kosten sehr viel Geld:  Laut einer Schätzung des Bundesamtes für Raumentwicklung (ARE) beliefen sich die Stauzeitkosten 2019 auf insgesamt rund zwei Milliarden Franken.

20min/News-Scout

Darum gehts

  • Staus auf Schweizer Autobahnen kosten viel Geld – und vor allem viel Nerven.

  • Das Bundesamt für Strassen will darum prüfen, die Tempolimite auf bis auf 60 Kilometer pro Stunde zu reduzieren.

  • Beim Automobil-Club ACS und dem Schweizerischen Nutzfahrzeugverband Astag ist man gar nicht erfreut darüber.

Das Bundesamt für Strassen (Astra) prüft derzeit die Möglichkeit, die Tempolimite auf Schweizer Autobahnen bis auf 60 Kilometer pro Stunde zu reduzieren. Damit will der Bund künftig Staus zu Stosszeiten vermeiden, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.  

Die Zeit, die Pendler und Pendlerinnen in den Blechlawinen auf den Nationalstrassen vergeuden, betrug im vergangenen Jahr rund 32’500 Stunden. Nicht nur das: Staus sind teuer. Laut einer Schätzung des Bundesamtes für Raumentwicklung (ARE) beliefen sich die Stauzeitkosten 2019 auf rund 1,67 Milliarden Franken. Wenn man Umwelt-, Klima-, Energie- und Unfallkosten dazurechne, komme man mit den Stauzeitkosten weit über zwei Milliarden Franken. 2015 waren es noch 380 Millionen weniger gewesen. 

Tempolimit 80 hat sich bewährt

Um den Plan implementieren zu können, sollen elektronisch gesteuerte Tempoanzeigen zum Einsatz kommen. Diese würden die erlaubte Höchstgeschwindigkeit je nach erfassten Verkehrsmengen automatisch anpassen können, schreibt der «Tagi» weiter. Sind die Ergebnisse positiv, werde man allenfalls einen Pilotversuch lancieren. Der entsprechende Entscheid soll 2023 fallen.  

Astra-Sprecher Benno Schmid ist ein Verfechter der Idee. Eine bereits öfter angewendete Temporeduktion auf 80 Stundenkilometer habe sich bewährt, sagt er: «Der Verkehr fliesst besser, und es ereignen sich auf den so ausgerüsteten Abschnitten weniger Unfälle als vor der Inbetriebnahme der Anlagen.»  

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Astra installiert bereits die Anlagen für Tempoanzeigen

Nicht überzeugt sind hingegen der Automobil-Club ACS und der Schweizerische Nutzfahrzeugverband Astag. Eine Verkehrssteuerung via variable Höchstgeschwindigkeiten sei in Ordnung, findet etwa ACS-Präsident Thomas Hurter, aber Tempo 60 gehe zu weit. Ähnlicher Meinung ist man beim Astag. Die Senkung auf 60 Stundenkilometer würde zu Ausweichverkehr auf Hauptstrassen, in Städten, Agglomerationen und Dörfern führen, sagt Astag-Präsident Thierry Burkart. Der Verband lehnt die Idee daher kategorisch ab. 

Das Bundesamt für Strassen prüft zudem ein Linksfahrverbot für Lastwagen während Spitzenzeiten sowie eine Verkürzung und zeitliche Verschiebung des Nachtfahrverbots für diese Fahrzeuge. Auch diese Massnahmen kommen beim Schweizerischen Nutzfahrzeugverband nicht gut an. 

In der Zwischenzeit rüstet das Astra 1600 Kilometer Autobahnen mit den elektronisch gesteuerten Tempoanzeigen aus. Auf 400 Kilometern stehen die Anlagen bereits zur Verfügung, der Rest soll ab 2026 in Betrieb sein. 

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