Aktualisiert 07.11.2013 20:44

Herdenschutz

Bund will weder Wach-Esel noch Wach-Lamas

Der Einsatz von Hirtenhunden soll laut dem Bundesamt für Umwelt gefördert werden. Lama, Esel und Mensch sind als Beschützer allerdings unerwünscht.

von
vro

Der Bund will in Herdenschutzhunde investieren. Am Mittwoch hat der Bundesrat entschieden, dass die Mittel von rund 1,5 Millionen Franken in den nächsten zwei Jahren verdoppelt werden sollen. Ausserdem soll die Anzahl Schutzhunde von derzeit knapp 200 jährlich um 30 bis 40 erhöht werden. Mit den neu gewonnenen Mitteln sollen Zucht, Ausbildung, Haltung und Einsatz der Tiere gefördert werden. Die Hunde sollen Raubtiere verscheuchen, aber keine Gefahr für Menschen werden. Am 1. Januar 2014 tritt die revidierte Jagdverordnung in Kraft, die auch den Herdenschutz regelt.

Der Einsatz von alternativen Beschützer-Tieren oder Hirten wird vom Bund nicht gefördert. Die Effizienz von Lamas oder Eseln als Schafhüter sei bislang nicht nachgewiesen, wie das Bundesamt für Umwelt schreibt. Bei einem Einsatz von Menschen als Beschützer vor dem Wolf müssten aus Sicherheitsgründen immer zwei Personen rund um die Uhr anwesend sein, was kaum finanzierbar wäre.

«Alles dreht sich nur um Hunde»

Für Daniel Mettler von der Fachstelle Herdenschutz bei Agridea ist die Situation altbekannt: «Vor zehn Jahren hatten wir diese Diskussion schon einmal wegen der Esel.» Er betont, dass die systematische Förderung von Lamas und Eseln als Wachtiere zurzeit nicht die Priorität des Bundes sein kann. Denn die bisherigen Erfahrungen reichen nicht aus, um Esel oder Lamas als effiziente Alternative für die Herdenschutzhunde anzubieten. Tatsächlich sei es nicht erwiesen, dass sie bessere Beschützer sind als Hunde. «Es gibt Leute, die schwören drauf, andere finden, sie bringen gar nichts», so Mettler. Es gebe aber durchaus Esel, die seit Jahren im Einsatz seien.

Bei den alternativen Herdenschutztieren gibt es laut Mettler Potenzial. «Lamas sind viel billiger und pflegeleichter als Hunde.» Der finanzielle Aufwand sei minim. «Es besteht immer noch die Hoffnung, dass positive Erfahrungen mit Lamas oder Eseln als Herdenschutztiere eine Alternative für die Kleinviehhalter werden könnten. Zudem gibt es bei ihnen weniger Konfliktpotenzial und die Leute haben weniger Angst vor den Tieren.» Dass sich beim Bund alles nur um Hunde dreht, bedauert Mettler. Denn die Diskussion um den Herdenschutz werde durch die Hundepolemik unnötig angeheizt.

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