Aktualisiert 15.05.2019 16:16

Integration in den Arbeitsmarkt

Bund zahlt Flüchtlingen 12'000 Fr an den Lohn

Der Bundesrat will mehr Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren. Stellt ein Arbeitgeber einen Flüchtling an, zahlt der Staat einen Teil seines Lohnes.

von
daw
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Der Bundesrat hat am Mittwoch beschlossen, 300 Flüchtlingen einen Teil des Lohns zu zahlen.

Der Bundesrat hat am Mittwoch beschlossen, 300 Flüchtlingen einen Teil des Lohns zu zahlen.

Keystone/Walter Bieri
Dank dem Zustupf sollen Arbeitgeber einen grösseren Anreiz haben, Flüchtlinge einzustellen.

Dank dem Zustupf sollen Arbeitgeber einen grösseren Anreiz haben, Flüchtlinge einzustellen.

Keystone/Gian Ehrenzeller
Nur 25 Prozent der knapp 100'000 Flüchtlinge und vorläufig aufgenommenen Personen hatten laut einem neuen Bericht des Staatssekretariats für Migration (SEM) 2017 einen Job.

Nur 25 Prozent der knapp 100'000 Flüchtlinge und vorläufig aufgenommenen Personen hatten laut einem neuen Bericht des Staatssekretariats für Migration (SEM) 2017 einen Job.

Keystone/AP/Juanmonino

In der Schweiz waren 2017 86,3 Prozent der Flüchtlinge auf Sozialhilfe angewiesen, wie aus der Sozialhilfestatistik im Flüchtlingsbereich hervorgeht. Der Bund übernimmt am Anfang die Kosten in Milliardenhöhe, später sind die Kantone und Gemeinden zuständig.

Der Bundesrat will nun dafür sorgen, dass mehr Flüchtlinge arbeiten. Er hat am Mittwoch ein Pilotprojekt beschlossen. Dieses soll 300 Flüchtlingen und vorläufig Aufgenommenen die Eingliederung in den Arbeitsmarkt mit finanziellen Zuschüssen erleichtern.

12'000 Franken an den Lohn

Konkret: Der Bund wird bei 300 Flüchtlingen 12'000 Franken pro Jahr an den Lohn zahlen. So sollen Arbeitgeber einen Anreiz haben, Flüchtlinge einzustellen, selbst wenn diese zum Beispiel noch sprachliche Defizite haben. Das Programm soll vorerst drei Jahre lang dauern und 11,4 Millionen Franken kosten.

«Leute, die hier bleiben, müssen in den Arbeitsmarkt integriert werden. Alles was dazu beiträgt, ist gut. Bleiben Flüchtlinge in der Sozialhilfe, wird es viel teurer», sagt SP-Nationalrätin Silvia Schenker. Als Starthilfe zur Unterstützung der Integration mache der Zuschuss Sinn. Auch bei der IV gebe es einen Einarbeitungszuschuss, weil es für Arbeitgeber mehr Aufwand bedeuten könne, eine Person mit Beeinträchtigung einzustellen.

SVP-Nationalrat übt Kritik

Kritisch reagiert SVP-Nationalrat Franz Grüter: «Grundsätzlich begrüsse ich natürlich, wenn Flüchtlinge eine Tätigkeit finden und einen Job ausüben. Aber in meinen Augen stehen diese hohen Beträge in einem geradezu absurden Missverhältnis zu dem, was der Staat für die eigenen Bürger auszugeben bereit ist.»

Derzeit würden 3500 bis 4000 Schweizer Arbeitnehmer im Alter von über 50 Jahren monatlich ausgesteuert. «Das sind Rekordzahlen. Angesichts dessen finde ich es störend, dass Geld investiert wird, um Flüchtlingen eine Anstellung zu besorgen.»

Massnahmen auch für ältere Arbeitslose

Der Bundesrat hat neben den Lohnbeiträgen im Asylbereich weitere Massnahmen beschlossen, um das Arbeitskräftepotenzial im Inland besser zu nutzen. Ein Teil der Massnahmen zielt auf ältere Arbeitnehmende ab, die oft Mühe haben, eine Stelle zu finden. Unter anderem soll das Beratungsangebot der Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) für ältere Personen ausgebaut und verbessert werden.

Gleichzeitig sollen ausgesteuerte Personen über 60 Jahre eine existenzsichernde Überbrückungsrente erhalten bis zur ordentlichen Pensionierung.

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