Obligatorische Schiessübung: Bund zahlt über 10 Millionen an die Schützen

Aktualisiert

Obligatorische SchiessübungBund zahlt über 10 Millionen an die Schützen

Allen Sicherheitsbedenken zum Trotz: Die Schützenvereine organsieren weiterhin die obligatorischen Schiessübungen für die Schweizer Armee. Dafür erhalten sie eine Stange Geld vom Bund. Dieses Jahr sind es 10,2 Millionen Franken, die an die Schützenvereine gehen.

von
Katharina Bracher

Fast eine Woche ist vergangen seit der 28-jährige Fabian Hämmerle alias «Shame» bei einem tragischen Schiessunfall im Kanton St. Gallen ums Leben kann. Eine Kontroverse um Sicherheitskontrollen bei obligatorischen Schiessübungen ist entbrannt. Der Auftrag dazu kommt von der Armee. Kritiker des «Obligatorischen» fragen sich deshalb: Weshalb können obligatorische Übungen nicht im Militärdienst geschossen werden?

Im WK: Mehr Routine mit Sicherheitsstandards?

Evi Allemann, Berner Nationalrätin, findet: «Schiessübungen im zivilen Leben sind anfälliger für Unfälle, das hat sich jetzt oft genug gezeigt.» Sie verstehe nicht, warum man sämtliche Schiessübungen während dem Militärdienst absolvieren könne. «In der Armee hat man Routine mit Sicherheitsstandards», sagt Allemann. Nationalrat Jo Lang, der seinerseits Routine mit Armeekritik hat, weist auf den finanziellen Aspekt der ausserdienstlichen Schiesspflicht hin: «Die Schützenvereine kassieren vom Bund viel Geld für die Organisation der obligatorischen Schiessübungen.»

VBS: Keine Zeit für mehr Schiessübungen im WK

Martin Bühler vom VBS-Generalsekretariat dagegen nennt Gründe, die nach Ansicht des Bundes für die Organisation der Schiessübungen ausserhalb des Militärdienstes sprechen: «Der WK wird heute von so vielen Leuten verschoben, da kann es gut sein, dass jemand zwei oder drei Jahre kein Gewehr in den Händen hält.» Darum sei es sinnvoll, nicht nur das Schiessen, sondern die generelle Handhabung der Waffe auch im Zivilen zu üben. Die offizielle Begründung sei aber die, dass das vollgestopfte WK-Programm weitere Schiessübungen gar nicht zulassen würden.

18 Franken pro Pflichtschütze zahlt der Bund

Tatsache ist: Die staatliche Unterstützung der Schützenvereine, die -im Sinne des Milizgedanken- Schiessübungen für die Armee organisieren, ist beträchtlich. Ein Blick in die Bundesfinanzen zeigt: Im Jahr 2009 sind 10.2 Millionen Franken für das Schiesswesen ausser Dienst budgetiert. Der Budgetposten wird mit der Abgabe von Gratismunition an Schützen- und Pistolenvereine und Leistungen für die Durchführung der obligatorischen Bundesübung begründet. 18 Franken pro Pflichtschütze erhalten die Vereine vom Bund.

«Vereinen ginge es ohne das Geld des Bundes schlecht»

«So lange die Schweiz eine Milizarmee hat, werden die obligatorischen Schiessübungen durch die Schützenvereine organisiert», sagt Dora Andres, Präsidentin vom Schweizer Schützenverband (SSV), gegenüber 20 Minuten Online. Doch was würde mit den Vereinen passieren, wenn der Bund eines Tages beschliessen würde, alle obligatorischen Schiessübungen zentral im Militärdienst zu integrieren? Andres äussert sich zuerst vage: Der Leistungsauftrag des Bundes sei wichtig für die finanzielle Gesundheit der Vereine. Dann wagt sie einen Vergleich: «Die Situation der Schützenvereine wäre dann so schlecht wie diejenige einer Zeitung, die plötzlich alle Werbeeinnahmen verliert.»

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