Knatsch in Bundesbern: Bundesamt-Vizedirektorin zieht über Ex-Erdöllobbyist her

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Knatsch in BundesbernBundesamt-Vizedirektorin zieht über Ex-Erdöllobbyist her

In einem internen Newsletter äusserte sich Marianne Zünd vom Bundesamt für Energie abschätzig über Rolf Hartl, den Präsidenten der Pflichtlagerorganisation für Mineralöl.

von
Benedikt Hollenstein
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Die Vizechefin des Bundesamts für Energie lässt sich in einem Newsletter über den Präsidenten der Pflichtlager aus.

Die Vizechefin des Bundesamts für Energie lässt sich in einem Newsletter über den Präsidenten der Pflichtlager aus.

Bundesamt für Energie

Darum gehts

  • In einem Newsletter äussert sich Marianne Zünd abschätzig über den Pflichtlager-Präsidenten.

  • Laut der Vizedirektorin des Bundesamts für Energie habe der Ex-Erdölvereinigungschef «die Haare schön».

  • Zuvor kritisierte dieser die Energiestrategie 2050.

In einem internen Newsletter verschafft Marianne Zünd, die Vizedirektorin des Bundesamts für Energie, ihrem Unmut über den Präsidenten der Carbura Luft. Rolf Hartl war langjähriger Chef der Schweizer Erdölvereinigung und führt heute die Pflichtlagerorganisation der schweizerischen Mineralölwirtschaft. Deren Aufgabe ist die Gewährleistung von Mineralöllagern bei privaten Händlern im Falle von Lieferschwierigkeiten.

In dem mit «Hermeneutik» (der Lehre der Auslegung von Texten oder anderen Werken) betitelten Newsletter schreibt Zünd vom «Carbura Hartl und seinen apokalyptischen Reitern». Zuvor hatte Rolf Hartl am 90-jährigen Jubiläum der Pflichtlager das Bild der Reiter aus der Offenbarung des Johannes aus dem Neuen Testament verwendet, wie der «Nebelspalter» berichtet. Damit wollte er offenbar auf die verschiedenen derzeitigen Krisen und deren Auswirkungen aufmerksam machen, übte auch Kritik an der Energiestrategie 2050, für die Marianne Zünd mitverantwortlich ist.

«Hat die Haare schön»

Zünd interpretiert das von Hartl verwendete Bild so, dass auch er, der laut der Vizedirektorin des Bundesamts für Energie die «Haare seit Jahrzehnten schön hat», die Zeichen der Zeit erkannt habe. Die seit Monaten in der Energiepolitik herrschende Kriegsrhetorik werde nun auch religiös angereichert. Im letzten Absatz zitiert sie ein englisches Sprichwort, das sinngemäss übersetzt in etwa «Wenn im Zirkus was schiefläuft, schicken sie die Clowns rein, um die Leute abzulenken» bedeutet. Nach der Einschätzung von Zünd sei mit dem Zirkus etwas fatal schiefgelaufen, denn nun seien die Clowns überall, auch Rolf Hartl dürfte hier miteinbezogen sein.

Auf Rückfragen des «Nebelspalters» war die Vizedirektorin des Bundesamts für Energie nicht erreichbar. Auch die Frage, ob ihre im Newsletter getätigten Äusserungen einer internen Kommunikationskultur im Bundesamt entsprächen, lässt Zünd offen. Sie schätze Hartl sehr und kenne ihn schon lange, so Marianne Zünd.

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