Bundesanwaltschaft schweigt nach Hells-Angels-Razzia
Aktualisiert

Bundesanwaltschaft schweigt nach Hells-Angels-Razzia

Die Bundesanwaltschaft schweigt sich bisher über die Hintergründe der Grossrazzia gegen führende Mitglieder der Schweizer Hells Angels aus.

Hells-Angels-Anwalt Valentin Landmann geht davon aus, dass sich die Aktion der Bundeskriminalpolizei als Flop erweisen wird, wie er in einem Interview des «Tages-Anzeigers» sagte.

«Die Ermittlung läuft», sagte Andrea Sadecky, Sprecherin der Bundesanwaltschaft, am Freitag. Und da es sich um ein laufendes Verfahren handle, könne sie nichts dazu sagen. Sie wies lediglich darauf hin, dass es ein langes Verfahren werde, das nicht in einer Woche erledigt sei. Wie viele der bei der Grossrazzia vom Mittwochabend in den Kantonen Zürich, Aargau, Solothurn und Waadt festgenommenen Personen wieder auf freiem Fuss sind, war bei der Bundesanwaltschaft nicht zu erfahren. Keine Auskunft gab es auch auf die Frage, viele Personen in Untersuchungshaft genommen werden.

Die Grossrazzia der Bundeskriminalpolizei im Auftrag der Bundesanwaltschaft richtete sich gegen führende Mitglieder der Hells Angels MC Switzerland wegen Verdachts auf Beteiligung an einer kriminellen Organisation. «Das mit der kriminellen Organisation taucht alle paar Jahre wieder auf - und hat sich immer als Flop erwiesen in ganz Europa», sagte Hells-Angels-Anwalt Valentin Landmann dem «Tages-Anzeiger». Die Hells Angels seien ein Biker-Club und ausgesprochen friedlich. Sie pflegten freundschaftliche Beziehungen zu anderen Motorradgruppen auf der ganzen Welt.

Die Bundeskriminalpolizei habe mit ihrer Aktion ein Theater veranstaltet. «Man hätte auch mit einem Durchsuchungsbefehl anklopfen können», so Landmann. Hells Angels hätten sich nie mit Gewalt gegen Polizeiaktionen gewehrt.

Einzelne Mitglieder seien zwar auch schon wegen meist geringer Straftaten verurteilt worden. Dies habe jedoch nichts mit einer kriminellen Organisation zu tun. Auf eine entsprechende Frage räumte Landmann ein, dass ganz wenige Personen der Hells Angels im Zürcher Sexmilieu mitmischten. «Leider hat hier der Einfluss der Hells Angels stark abgenommen - was auch die Zürcher Polizei bedauert», sagte er. Dass die Hells Angels mit der Polizei einen Deal abgeschlossen habe, bezeichnete Landmann aber als Mär. Tatsache sei, dass es im Umfeld der Hells Angels kaum Kriminalität gebe. Und dies werde eben von verschiedenster Seite geschätzt, fügte er hinzu. (dapd)

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