Die habens gut: Bundesbeamte verdienen mehr als Bankangestellte

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Die habens gutBundesbeamte verdienen mehr als Bankangestellte

In den letzten Jahren kamen Bundesangestellte in den Genuss happiger Lohnerhöhungen. Die Folge: Sie verdienen mehr als in der Privatwirtschaft.

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cls
Verdienen Bundesbeamte zu viel? Der Durchschnittslohn stieg innert fünf Jahren von 113'738 auf 120'075 Franken. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Verdienen Bundesbeamte zu viel? Der Durchschnittslohn stieg innert fünf Jahren von 113'738 auf 120'075 Franken. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Glücklich kann sich schätzen, wer beim Bund arbeitet. In den letzten Jahren hatten Bundesangestellte deutlich bessere Chancen auf eine Lohnerhöhung als Angestellte in der Privatwirtschaft. 2009 hatte ein Bundesbeamter im Schnitt einen Bruttolohn von 113'738 Franken. 2013 waren es rund 120'075 Franken, wie die «Aargauer Zeitung» schreibt. Dies entspricht einer Lohnerhöhung von 5,6 Prozent. In diesem Durchschnittslohn sind die Löhne alle Mitarbeitenden inklusive Saläre des Topkaders miteinberechnet.

Die Gründe für diese Lohnsteigerungen sind vielschichtig. Anand Jagtap, Kommunikationschef des Eidgenössischen Personalamtes (EPA), sagt: «Die Verwaltung erlebt seit der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre einen ungebrochenen Trend zu höher qualifizierten Jobs.» Weniger hoch qualifizierte Jobs seien abgebaut und neue, höher eingestufte Positionen seien geschaffen worden.

Marktanpassung

Ausserdem seien die Löhne des Bundespersonals in vielen Bereichen tiefer gewesen, argumentiert Stefan Giger, Generalsekretär des Schweizerischen Verbands des Personals öffentlicher Dienste (VPOD). «Es gibt Druck, die Löhne anzuheben.»

Dieser Einschätzung widersprich Rudolf Minsch, der Chefökonom des Wirtschaftdachverbandes Economiesuisse. Es haben zwar Zeiten gegeben, in denen die Löhne beim Bund nicht kompetitiv gewesen seien. «Teilweise sind die Löhne beim Bund aber mittlerweile höher als in vergleichbaren Funktionen in der Privatwirtschaft.»

Mehr als ein Banker

Nebst dem regulären Einkommen bezog jeder dritte Bundesangestellte zusätzlich noch eine Leistungsprämie für ausserordentliches Engagement. Diese betrug im Durchschnitt 2650 Franken, weiss die «Handelszeitung». Hinzu kamen weitere Funktions-, Sonder- und Arbeitsmarktzulagen.

Im Gegensatz dazu betrug der durchschnittliche Fixlohn der Bankangestellten im vergangenen Jahr bloss 105'600 Franken, wie eine Befragung des Bankpersonalverbands (SBPV) ergab. Zusätzlich erhielten die Bankmitarbeiter im Schnitt einen Bonus von 14'000 Franken – ein Salär, das niedriger ist als jenes der Bundesbeamten.

Der Vergleich sei falsch, meint Anand Jagberg. Es handle sich hierbei um einen Vergleich «von Äpfeln mit Birnen». Die Befragung des Bankenpersonals schliesse die Löhne der Topkader nicht mit ein, sagt der Leiter Stab und Kommuniaktion des EPA. Auch seien darin Lehrlingslöhne enthalten.

Bund in der Kritik

Bereits vor geraumer Zeit hatte Economiesuisse kritisiert, dass der Bund zu viele Stellen schaffe. So stiegen die Personalausgaben des Bundes innert fünf Jahren um 13,1 Prozent auf 5,5 Milliarden Franken. Diese Aufblähung sei bedenklich. Der Staat müsse mit einer Effizienzsteigerung zur Kostenreduktion beitragen, sagte Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer. «In der öffentlichen Verwaltung sollte per sofort ein globaler Personalstopp gelten», schrieb der Verband. Ähnlich wie der Wirtschaft sei auch der Staatsverwaltung eine Kostensenkung in der Höhe von zehn Prozent zumutbar.

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