Aktualisiert 08.12.2008 12:39

Adoptionsfall:Bundesgericht folgt albanischer Sitte

Das Zürcher Obergericht muss neu über die Adoption eines Kindes entscheiden, dass von seinen in Serbien lebenden Eltern dem kinderlosen Onkel und seiner Frau überlassen wurde. Das Bundesgericht hat ihre Beschwerde gutgeheissen.

Die Ehe des im Kanton Zürich lebenden albanischen Paares war kinderlos geblieben. Der Bruder des Mannes lebt mit seiner Frau in Serbien. Als diese 2003 zum fünften Mal in Erwartung war, kamen die beiden Ehepaare überein, das Kind nach seiner Geburt gemäss albanischer Sitte dem kinderlosen Paar zu überlassen.

Pflegebewilligung erteilt

Die Zürcher Behörden erteilte den künftigen Eltern 2005 die Bewilligung, ihren Neffen im Hinblick auf eine spätere Adoption zur Pflege aufzunehmen. Im Juli kam der Junge in die Schweiz und lebt seither bei den Pflegeeltern. Die Adoption wurde ihnen dann aber 2007 vom Zürcher Obergericht verwehrt.

Es war zum Schluss gekommen, dass der Junge aus einer intakten Familie stamme. Die leiblichen Eltern hätten das Kind allein deshalb abgegeben, um dem kinderlosen Paar die Elternschaft zu ermöglichen. Damit liege keine soziale Elternlosigkeit vor. Für das Kind bestehe zudem das Risiko einer späteren Identitätskrise.

Zwar dauere das Pflegeverhältnis bereits eindreiviertel Jahre. Bei einer Rückkehr zu den leiblichen Eltern sei aber keine längerfristige ernsthafte Beeinträchtigung seines Wohls zu befürchten. Der Familienwechsel sei damit nicht gerechtfertigt.

Wünsche der Beteiligten nicht entscheidend

Das Bundesgericht hat die Beschwerde der Pflegeeltern nun gutgeheissen und die Sache zu weiteren Abklärungen ans Obergericht zurückgeschickt. Laut den Lausanner Richter sind ihre Zürcher Kollegen zwar zu Recht davon ausgegangen, dass die mit der Adoption verfolgten Wünsche der Beteiligten nicht entscheidend sein dürfen.

Das Bundesgericht habe denn auch vor drei Jahren in einem ähnlichen Fall die Erteilung der Pflegebewilligung verweigert. Hier gehe es aber um die Bewilligung der Adoption nach bereits erfolgreich verlaufenem Pflegeverhältnis. In solchen Fällen komme die Verweigerung der Adoption nur noch in krassen Fällen in Frage.

Es sei anerkannt, dass ein Pflegekind nach der Trennung von den faktischen Eltern gleich reagiere wie ein Kind bei der Trennung oder beim Tod der leiblichen Eltern. Das Obergericht habe insofern nicht ausreichend begründet, weshalb der Junge bei einer Rückkehr keinen Schaden nehmen sollte. Diese und weitere Fragen seien abzuklären.

(5A_215/2008 vom 8.12.2008; BGE-Publikation)

(sda)

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