Nach Freispruch : Bundesgericht soll sich mit Fall Godzilla befassen
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Nach Freispruch Bundesgericht soll sich mit Fall Godzilla befassen

Eine Schweizerin, die ihren brasilianischen Freund erschossen hatte, wurde freigesprochen. Damit hat der aussergewöhnliche Fall aber noch kein Ende gefunden.

von
jen
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Türsteher und Kickboxer Luis C. wurde am 17. November in seiner Wohnung von seiner Freundin mit fünf Pistolenschüssen getötet.

Türsteher und Kickboxer Luis C. wurde am 17. November in seiner Wohnung von seiner Freundin mit fünf Pistolenschüssen getötet.

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Am Abend des 17. Novembers 2012 kam es in diesem Mehrfamilienhaus in Zürich-Affoltern zum Drama.

Am Abend des 17. Novembers 2012 kam es in diesem Mehrfamilienhaus in Zürich-Affoltern zum Drama.

Leser-Reporter
Petra F. erschoss ihren Freund und Kickboxer Luis C. mit fünf Pistolenschüssen.

Petra F. erschoss ihren Freund und Kickboxer Luis C. mit fünf Pistolenschüssen.

Leser-Reporter

Das Urteil sorgte für Schlagzeilen: Im April dieses Jahres sprach das Zürcher Obergericht eine 35-jährige Schweizerin vom Vorwurf der vorsätzlichen Tötung frei. Sie habe ihren Freund in Notwehr erschossen, es habe sich um einen entschuldbaren Notwehrexzess gehandelt. Zudem erhielt die Frau eine finanzielle Entschädigung.

Dagegen hat die Staatsanwaltschaft Beschwerde beim Bundesgericht eingereicht, wie der zuständige Staatsanwalt auf Anfrage zum «Tages-Anzeiger» sagt. Er verlangt, dass das höchste Gericht das Urteil aufhebt und den Fall ans Obergericht zur Neubeurteilung zurückweist. Stimmt das Bundesgericht der Beschwerde zu, wird das Obergericht wohl eine Freiheitsstrafe aussprechen müssen.

Eifersucht, Hass und Missverständnisse

Zwischen dem Paar war im November 2013 in der Wohnung des 34-jährigen Brasilianers in Zürich-Affoltern ein heftiger Streit ausgebrochen. Die beiden hatten eine On-off-Beziehung, in der es viel Eifersucht, Hass und Missverständnisse gab. Der Mann habe die Frau auch geschlagen.

Der Brasilianer hatte als Türsteher in Clubs gearbeitet. In der Freizeit betrieb er Kampfsport auf höchstem Niveau und trat unter dem Kampfnamen «Godzilla» auf.

Pistole in einem Täschlein mitgenommen

Als der verbale Streit in Tätlichkeiten ausartete, wollte die Frau die Wohnung verlassen. Der Mann versperrte ihr den Weg und warf das Sofa um. Dann soll er ihr gedroht haben, sie zum Krüppel zu machen oder sie umzubringen. Als er auf sie zukam, schoss sie – fünfmal.

Die Frau hatte eine Pistole mitgenommen, als sie zu ihm ging. Sie hatte die Waffe mit eingesetztem Magazin in einem Täschlein am Gurt bei sich getragen. Bei den ersten beiden Schüssen stand der Mann noch und bewegte sich auf sie zu. Der dritte Schuss traf ihn im Rückwärtsfallen, während er bei den letzten beiden Schüssen bereits wehrlos am Boden lag.

Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung

Das Bezirksgericht Zürich hatte die Frau im März 2015 wegen vorsätzlicher Tötung zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte 13 Jahre gefordert. Für das Gericht war klar, dass die Frau angesichts des 197 Zentimeter grossen und 115 Kilogramm schweren Muskelpakets «Todesangst» empfunden habe.

Die ersten beiden Schüsse, die die Frau mit ihrer mitgebrachten Pistole auf den Mann abfeuerte, erachtete das Gericht als Notwehr. Den dritten Schuss könne man nicht einordnen. Aber die letzten beiden der insgesamt fünf Schüsse bewertete das Gericht als nicht entschuldbaren Notwehrexzess, deshalb kam es zur Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung.

Übernommen vom «Tages-Anzeiger», bearbeitet von 20 Minuten

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