Bundesgericht: Todesraser zu hart bestraft
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Bundesgericht: Todesraser zu hart bestraft

Der Überlebende eines Raser-Rennens im Kanton Aargau mit zwei Toten und sieben Verletzten kann nicht wegen mehrfacher eventualvorsätzlicher Tötung belangt werden. Er habe sich lediglich dagegen entschieden, überholt zu werden.

Das Bundesgericht hat eine entsprechende Verurteilung zu fünfeinhalb Jahren Zuchthaus zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückgewiesen.

Zwei Autolenker aus Serbien-Montenegro hatten sich im November 2003 zwischen Muri und Wohlen ein Rennen geliefert und waren mit weit mehr als 100 Kilometer pro Stunde (km/h) durch die Gegend gerast. Der überlebende, heute 33-jährige Lenker, der keinen Führerschein besass, wollte sich von einem Landsmann partout nicht überholen lassen und beschleunigte sein Fahrzeug. Der überholende Fahrer raste in der Folge in ein entgegenkommendes Fahrzeug. Der Unfall forderte den Tod der beiden Fahrzeuglenker sowie sieben Verletzte. Die Aargauer Justiz verurteilte in der Folge den überlebenden Autolenker zu fünfeinhalb Jahren Zuchthaus. Sie warf ihm mehrfache eventualvorsätzliche Tötung, Körperverletzung und verschiedene Verstösse gegen das Strassenverkehrsgesetz vor.

Das Bundesgericht hat dieses Urteil nun aufgehoben. Laut dem Urteil aus Lausanne unterscheidet sich dieser Fall von den Todesrasern von Gelfingen, die sich über eine längere Strecke unter massiver Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit ein Rennen geliefert hatten, das mit dem Tod zweier Jugendlicher endete. Beim Gelfinger Fall hatten sich die beiden Raser gegen das geschützte Rechtsgut entschieden, was den Vorwurf des Eventualvorsatzes in Bezug auf die letztlich eingetretenen Todesfolgen begründete. Demgegenüber bestehe das Geschehen im Fall von Muri darin, dass sich der überlebende Fahrer auf einem geraden Streckenabschnitt nicht überholen lassen wollte und daher seine Geschwindigkeit beschleunigte, während der überholende Fahrer trotz des nahenden Gegenverkehrs das Überholmanöver habe durchziehen wollen.

Aus dem Verhalten des Beschwerdeführers kann unter den gegebenen Umständen nicht der Schluss gezogen werden, dass er sich gegen das geschützte Rechtsgut entschieden habe, begründet das Bundesgericht seinen Entscheid. Die Aargauer Justiz muss nun den Fall neu beurteilen, wobei für den Autolenker nur noch eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung in Frage kommt. (dapd)

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