Aktualisiert 17.09.2007 11:59

Bundesliga wird zur Brutaloliga

Die Bundesliga-Saison ist erst fünf Spieltage alt, und schon zeigt sich deutlich eine äusserst negative Tendenz: Nicht nur knüppelharte, sondern auch versteckte Fouls haben Hochkonjunktur.

Der deutsche Nationaltrainer Joachim Löw spart nicht mit Kritik an der neuen Klopper-Mentalität in der Bundesliga: «Ohne Rücksicht auf die Gesundheit des Gegenspielers, ohne Chance an den Ball zu kommen, wird hineingegrätscht. Da kann etwas nicht stimmen. Die Spieler müssen wieder richtiges Zweikampfverhalten lernen.»

Auch am Wochenende zeigte sich einmal mehr, dass körperbetontes Spiel in der Bundesliga zum Alltag gehört - auch wenns auf Kosten der Gesundheit geht. Den Anfang machte am Donnerstag das Schlagerspiel Dortmund - Werder Bremen, das in eine Prügel-Orgie ausartete. Bremens Star Diego wurde derart oft gefoult, dass er die Beherrschung verlor und begann, zurückzuschlagen. Werder-Trainer Thomas Schaaf nahm seinen akut rot-gefährdeten Spielmacher bereits zur Halbzeit vom Feld.

Doch es ging im selben Stil weiter. Besonders hässlich: Werders Hugo Almeida grätschte den Dortmunder Jakub Blaszczykowski gnadenlos um – sah aber lediglich Gelb. Dieser revanchiert sich später, haut Werder-Verteidiger Dusko Tosic in Kung-Fu-Manier brutal in die Leiste – und kommt ebenfalls mit Gelb davon. Zwei Minuten vor Schluss ist wieder Bremen dran, Abwehrspieler Naldo rächt sich mit einem Foul am polnischen BVB-Neuzugang und tritt Blaszczykowski darüber hinaus noch in die Rippen.

Der deutsche Nationalspieler Per Mertesacker sprach eine gewisse Absicht gegenüpber Sport1.de auch gar nicht ab: «Dortmund beging grobe Fouls, um Diego rauszunehmen. Wir wollten es den Dortmundern zurückzahlen, das ging nach hinten los.» Das Ergebnis: Zwei gelbe Karten für die Westfalen (Klimowicz, Blaszczykowski), vier für Werder (Diego, Tosic, Almeida, Sanogo), eine rote Karte gegen Werders Leon Andreasen wegen einer Tätlichkeit.

Nicht viel weniger zimperlich gings auch in den anderen Stadien zu und her: Im Spiel Frankfurt gegen Hamburg griff Eintracht-Stürmer Albert Streit seinem Gegner Thimothee Atouba in die Weichteile. Dieser revanchiert sich mit einem Ellbogen-Schlag. Amok lief auch Rostocks Victor Agali. Der Nigerianer fiel gegen Arminia Bielefeld das ganze Spiel durch übertriebene Härte auf, knallte schliesslich seinem Gegenspieler Tobias Rau den Ellenbogen ins Gesicht und sah Gelb. Vier Minuten vor Schluss schlug er zudem Verteidiger Tobias Langkamp blutig.

Für viele Fans und Experten ist das Mass an gesunder Härte in der Bundesliga damit weit überschritten. Aber nicht für alle. Werder-Manager Klaus Allofs beispielsweise meinte: «International geht es ganz anders zur Sache.» Und sein Schalke-Pendant Andreas Müller pflichtete ihm bei: «Vieles was bei uns abgepfiffen wird, ist in England gar kein Foul.»

(mat)

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