Aktualisiert 17.05.2019 14:19

CNN-Interview«Bundespräsident Maurer hörte Moderatorin nicht»

Ueli Maurer machte im CNN-Interview keine gute Figur. Sein Kommunikationschef nimmt die Schuld auf sich.

von
daw

Ueli Maurer strauchelt im CNN-Interview.

Bundespräsident Ueli Maurer gewährte nach dem Besuch bei Donald Trump CNN ein Live-Interview. Obwohl sich die Moderatorin bemühte, klar und deutlich zu sprechen, übersetzte Maurers Kommunikationschef die Fragen ins Schweizerdeutsche und flüsterte ihm Antworten ein. Insgesamt machte Maurer eine unglückliche Figur: Erst stolperte über das Wort «confidential», dann gab er wenig substanzielle Antworten. Zum Schluss sagte er: «I can nothing say to this issue.»

Im Netz sorgt der Auftritt für einige hämische Kommentare. Teilweise werden auch Maurers Englischkenntnisse infrage gestellt:

Mea culpa des Kommunikationschefs

Doch wie kam es zum missratenen Live-Interview? Peter Minder, Kommunikationschef des Finanzdepartements EFD, sagt: «Ueli Maurer spricht fliessend Englisch.» Das habe er etwa am Weltwirtschaftsforum in Davos oder am Crypto Summit in Zug bewiesen.

Der Finanzminister sei aufgrund der ungünstigen Übungsanlage in die Bredouille geraten: «Nach dem Treffen mit US-Präsident Donald Trump beantwortete Bundespräsident Ueli Maurer in einem Marathon Fragen in drei Sprachen. Im CNN-Interview hörte er dann die Moderatorin auf seinem Kopfhörer nicht.» Minder sagt, er habe darum versucht, die Fragen für Maurer zu wiederholen. Selbstkritisch sagt der Kommunikationschef: «Ich hätte das Interview unter den gegebenen technischen Voraussetzungen nicht zulassen dürfen. Es ist mein Fehler.»

Zu reden gab auch der Gästebucheintrag von Ueli Maurer im Weissen Haus, da dieser nicht ganz fehlerfrei ist. Dazu sagt Minder: «Der Bundespräsident hat den Eintrag spontan verfasst.»

Hätte er Deutsch sprechen können?

Politikberater Mark Balsiger sagt: «Das Interview ist ein Stück Realsatire. Es ist absehbar, dass es von Comedians aufgegriffen wird.» Er könne sich den peinlichen Auftritt nur durch mangelnde Vorbereitung erklären. «Maurer hätte die Fragen vorab erhalten müssen, zumal sein Englisch-Niveau bescheiden ist.» So schmunzle die Schweiz wieder einmal über die Trampeligkeit eines Bundesrats.

Laut Balsiger hätte Maurer aber auch auf Deutsch sprechen können: «Anderen Spitzenpolitikern – etwa der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel – käme es gar nicht erst in den Sinn, in einer Fremdsprache zu antworten.» Die Kommunikationspanne zeige, dass gute Fremdsprachenkenntnisse für Bundesräte immer wichtiger würden. Jedoch sei die Schweizer Landesregierung sprachlich insgesamt sehr versiert. Namentlich Karin Keller-Sutter, Ignazio Cassis, Simonetta Sommaruga und Alain Berset seien in mehreren Sprachen verhandlungssicher. Letzterem werde gar nachgesagt, dass er acht Sprachen spreche.

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