Corona-Massnahmen – Bundespräsident Parmelin liest den Kantonen die Leviten
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Corona-MassnahmenBundespräsident Parmelin liest den Kantonen die Leviten

Aufgrund der zunehmend kritischen Corona-Situation in der Schweiz richtet sich die Landesregierung an die Kantone: Mit einem vierseitigen Brief appelliert der Bundesrat an die Regierungen.

von
Angela Rosser
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Guy Parmelin nimmt die Kantonsregierungen in die Pflicht.

Guy Parmelin nimmt die Kantonsregierungen in die Pflicht.

20min/Matthias Spicher
In der Schweiz könnte es im Hinblick auf die Situation unserer Nachbarländer bald wieder zu einer Überlastung im Gesundheitsbereich kommen.

In der Schweiz könnte es im Hinblick auf die Situation unserer Nachbarländer bald wieder zu einer Überlastung im Gesundheitsbereich kommen.

20min/Simon Glauser
Die Kantone seien angehalten, auch Privatspitäler und freischaffendes Personal in die Betreuung von Corona-Patienten einzubinden.

Die Kantone seien angehalten, auch Privatspitäler und freischaffendes Personal in die Betreuung von Corona-Patienten einzubinden.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Bundespräsident Guy Parmelin wendet sich in einem vierseitigen Brief an die Kantonsregierungen.

  • Bevor es landesweite Massnahmen gäbe, müssten die Kantone handeln und zwar jetzt, ruft er sie auf.

  • In einigen Kantonen seien die Fallzahlen besonders besorgniserregend.

Die Kantonsregierungen erhielten Post vom Bundesrat. Nicht jedoch von Gesundheitsminister Berset, sondern diesmal von Bundespräsident Guy Parmelin. Der Brief umfasst vier Seiten. Zunächst schildert Guy Parmelin den aktuellen Zustand und sagt, die Lage sei «kritisch» und die derzeit noch stabile Situation in den Spitälern könne sich rasch ändern, schreibt der «Tages-Anzeiger», dem dieses Schreiben vorliegt.

Dass sich die Situation schnell ändern und besonders die Spitäler wieder unter Druck setzen kann, sehe man in unseren Nachbarländern, schreibt Parmelin. Die Kantone müssten sich auf eine erneute sehr hohe Belastung einstellen. Er appelliert daran, auch freischaffende Anästhesistinnen und Anästhesisten sowie Privatspitäler und andere Organe des Gesundheitsapparates in die Behandlung von Corona-Patienten zu involvieren.

Erst die Kantone, dann der Bund

Parmelin macht im Brief auch deutlich, warum der Bund zumindest vorerst keine schweizweiten Massnahmen ergreifen werde und warum die Kantone jetzt in der Pflicht seien, selber alles Mögliche zu unternehmen, um die Ansteckungswelle zu brechen. Die Situation von geimpften und ungeimpften Menschen sowie die Ansteckungsrate sei nicht in allen Kantonen gleich. Es bestünden frappante Unterschiede, weshalb die Kantone jetzt individuell handeln müssten, bevor der Bund wieder Massnahmen auf nationaler Ebene ausrufe. «Der Bundesrat erwartet, dass die Bereitschaft, sich erneut an einschneidende schweizweite Massnahmen zu halten, in Regionen mit tiefer Inzidenz gering sein dürfte», schreibt Parmelin weiter.

Ärger zwischen Kantonen

In dem Schreiben prophezeit Guy Parmelin auch Ärger unter den Kantonen: So könnte es zum Beispiel für Unmut und Ärger sorgen, wenn Menschen aus den Innerschweizer Kantonen – die eine tiefere Impfquote aufweisen – Spitäler in Kantonen füllten, die eine höhere Impfquote aufweisen oder sich besser an Massnahmen halten. Zudem seien in manchen Kantonen die Fallzahlen so hoch, dass sofort reagiert werden sollte. Besonders schnell sollten vor allem wieder die Kontakte reduziert werden, also auch grosse Veranstaltungen gemieden werden.

Sinnvolle Massnahmen könnten eine Maskentragepflicht in allen Innenräumen oder der Verzicht auf Einkäufe sein, die nicht das tägliche Leben betreffen. Wie der «Tages-Anzeiger» schreibt, könnte das auch das Weihnachtsgeschäft beeinträchtigen.

Antwort der Kantone

Die Kantone ihrerseits haben bereits darauf reagiert. Man könne zwar die Massnahmen verschärfen, man habe aber auch sonst einiges zu tun. «Zu den Aufgaben der Kantone gehören ausserdem die Durchführung der Impfungen, die Kontrolle der Schutzkonzepte sowie die Sicherstellung der Kapazitäten auf den Intensivstationen», heisst es in einem Brief der Gesundheitsdirektorenkonferenz am Donnerstagnachmittag. Die Kantone seien bereit, ihre Verantwortung wahrzunehmen. Sie stellen aber auch die Erwartung an den Bundesrat, seinen Teil dazu beizutragen: «In Frage kommen etwa eine nationale Ausweitung der Maskenpflicht primär in Innenräumen, vermehrtes Homeoffice, Kapazitätsbeschränkungen oder strengere Anforderungen an Schutzkonzepte.»

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Hier findest du Hilfe:

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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