Teststrategie : Bundesrat beschliesst Gratistests für alle
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Teststrategie Bundesrat beschliesst Gratistests für alle

Der Bundesrat will mehr als eine Milliarde Franken in die Hand nehmen, um die Teststrategie massiv auszubauen. Alle Bürgerinnen und Bürger sollen bald fünf gratis Selbsttests pro Monat bekommen.

von
Daniel Graf
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Der Bund will die Kosten für sämtliche Corona-Tests übernehmen.

Der Bund will die Kosten für sämtliche Corona-Tests übernehmen.

20min/Francois Melillo
Auch Symptomlose sollen sich kostenlos testen lassen können.

Auch Symptomlose sollen sich kostenlos testen lassen können.

20min/Francois Melillo
Corona-Tests sollen einerseits weiterhin in Testzentren durchgeführt werden.

Corona-Tests sollen einerseits weiterhin in Testzentren durchgeführt werden.

20min/Thomas Hagnauer

Darum gehts

  • Der Bundesrat hat erneut über die Corona-Massnahmen diskutiert.

  • Er beschliesst keine Änderungen in der Lockerungsstrategie: Weitere Lockerungen sind frühestens am 22. März zu erwarten.

  • Schon ab dem 15. März will der Bund aber allen gratis Corona-Tests ermöglichen.

  • Sobald verlässliche Tests verfügbar sind, soll jeder Bürger fünf Gratistests pro Monat beziehen können.


An der Bundesratssitzung über die Corona-Massnahmen stand die Teststrategie ganz zuoberst auf der Traktandenliste. An der Lockerungsstrategie wird vorderhand nichts geändert: Nach wie vor sollen im Falle einer günstigen epidemiologischen Entwicklung am 22. März die nächsten Lockerungsschritte erfolgen. Definitive Entscheide fällt der Bundesrat am 19. März.

Diese will der Bundesrat mit einer stark ausgeweiteten Teststrategie begleiten. Konkret schlägt er vor, dass der Bund ab dem 15. März sämtliche Kosten für Tests übernimmt – auch bei Personen, die sich ohne Symptome testen lassen wollen.

Wiederholte Tests in Unternehmen und an Schulen

In Unternehmen und Schulen soll wiederholt mittels Speichel-Proben getestet werden. Das sei aber kein Ersatz für Schutzkonzepte, sondern diene als zusätzlicher Schutz, so die Regierung. Die Teilnahme ist freiwillig. Die Kantone sollen Unternehmen, die häufig testen, von der Quarantänepflicht für Kontaktpersonen befreien können.

Selbsttests für alle

Der Bundesrat will auch den Zugang zu Selbsttests erleichtern. Alle Personen sollen sich regelmässig testen können, auch wenn sie keine Symptome haben. Jede Person soll monatlich fünf Selbsttests beziehen können. Weil für die Anwendung von Selbsttests bei Personen ohne Symptome noch nicht genügend Informationen vorliegen, hat das Bundesamt für Gesundheit noch keine derartigen Tests genehmigt. Der Bundesrat schlägt deshalb vor, dass der Bund auch die Kosten für alle Schnelltests in Apotheken und Testzentren übernimmt. Diese Regel gilt auch für Grenzgängerinnen und Grenzgänger.

Die Ausweitung der Teststrategie ist gemäss Bundesrat mit gewissen Risiken verbunden, denn jedes Testresultat sei nur eine Momentaufnahme. Ausserdem seien Selbsttests deutlich weniger verlässlich als PCR-Tests. «Ein negativer Test darf nicht zu falscher Sicherheit und unvernünftigem Verhalten führen», heisst es in der Pressemitteilung.

Regelung für Veranstaltungen weiter unklar

Das Tragen einer Maske und das Abstandhalten würden weiterhin nötig sein. Wichtig sei zudem, dass Personen mit einem positiven Schnelltest oder Selbsttest einen PCR-Test machen und sich sofort in Isolation begeben. Noch offen ist, ob ein negatives Testresultat als Voraussetzung für die Teilnahme an gewissen Veranstaltungen oder den Zugang zu gewissen Bereichen definiert werden darf.

Die Kosten für die Ausweitung der Teststrategie belaufen sich für das Jahr 2021 auf schätzungsweise über eine Milliarde Franken. Der Bundesrat wird am 12. März nach Konsultation der Kantone definitiv entscheiden.

Diese Corona-Tests gibt es

Der Bundesrat unterscheidet derzeit fünf verschiedene Testtypen.
PCR-Test Nasen-Rachenraum: Die Verlässlichkeit bei diesem Test ist sehr hoch, die Probenentnahme darf nur von einer Fachperson durchgeführt werden. Die Auswertung findet im Labor statt. Er wird eingesetzt bei Personen mit Symptomen, Risikopersonen, Gesundheitsfachpersonen und bei Personen mit positivem Schnell- oder Selbsttest.

• PCR-Speicheltest: Hier kann jedermann die Probe entnehmen, die Auswertung findet im Labor statt. Der Bundesrat stuft die Zuverlässigkeit als hoch ein. Er eignet sich für Unternehmen, Schulen, die Belegschaft von Altersheimen oder Sportvereine.

• Antigen-Schnelltest Nasen-Rachen-Raum: Auch hier ist die Zuverlässigkeit hoch. Eine Fachperson übernimmt die Probenentnahme, das Labor wertet sie aus. Anwendungsgebiete: Personen mit Symptomen, repetitive Tests, im Umfeld besonders gefährdeter Personen (z.B. Altersheimbesucher), Bedarfstestung in Apotheken.

• Antigen-Schnelltest Nase: Hier gibt es bisher einen validierten Test. Bei Symptomen ist die Zuverlässigkeit hoch, bei Symptomlosen niedriger. Die Probe wird von einer Fachperson entnommen, die Auswertung kann vor Ort gemacht werden, etwa in einer Apotheke. Anwendungsgebiete: Bedarfstestung in Apotheken, repetitive Tests möglich, falls ausreichend gute Tests auf dem Markt.

• Selbsttest Nase: Von diesem Test-Typen sind noch keine validierten Tests vorhanden. Jedermann kann sie irgendwo durchführen und auswerten. Bei Symptomen sind sie zuverlässig, ohne Symptome voraussichtlich niedriger. Sie eigenen sich für die Bedarfstestung zu Hause, repetitive Tests sind möglich, sofern ausreichend gute Tests auf dem Markt sind.

Bei einem positiven Befund mit einem PCR-Tests im Nasen-Rachen-Raum muss man in Isolation. Wird man mit einem anderen Test positiv getestet, wird zur Bestätigung ein PCR-Test gemacht, danach muss man ebenfalls in Isolation.

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