Bundesrat Blocher preist Neutralität und Armee
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Bundesrat Blocher preist Neutralität und Armee

Ein hemdsärmeliger Bundesrat Christoph Blocher hat in seiner Rede zum 1. August in Mont-sur-Rolle VD einmal mehr die Unabhängigkeit und die Neutralität der Schweiz beschworen. Diese Werte hätten das Land stark und wohlhabend gemacht. Für Heiterkeit sorgten Weinetiketten mit Blocher-Karikaturen.

Vor etwa 1000 Leuten sagte Blocher mit hochgekrempelten Hemdsärmeln, dass es der Schweiz, die paar Male, als sie in ihrer 715-jährigen Geschichte ihre Neutralität vergessen habe, fast an den Kragen gegangen sei. «Zum Glück blieben die fremden Mächte meist erfolglos», fügte er hinzu.

Dem Internationalismus und der Teilnahme an überstaatlichen Organisationen erteilte Blocher eine Absage. Es seien die politischen Eliten, die diesen Irrweg verfolgten.

Warnung vor fremden Mächten

Zur echten Unabhängigkeit gehöre auch die Armee. «Libanon hat keine richtige Armee. Dafür sind nun mehrere Fremde auf seinem Territorium», mahnte Blocher mit Blick auf den Nahost-Konflikt.

Vom Neutralitätsbericht des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) erwarte der Bundesrat vor allem die Klärung der internationalen Rechtslage, sagte der Justizminster gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Schliesslich befänden sich nicht zwei Staaten im Krieg, sondern nur einer gegen eine «Terroristengruppe».

Die Waadtländer erinnerte Blocher an die Fremdherrschaft unter den Bernern. «Freiheit und Vaterland», die Devise im Waadtländer Wappen hätte auch heute noch ihre wichtige Bedeutung, sagte er.

Blocher als Weinetiketten-Karikatur

Die Anwesenheit Blochers zog ein buntes Publikum an. Darunter tummelten sich neben den Einheimischen sowohl Exponenten der rechten Szene als auch Linksaktivisten. Eine Truppe des Komitees «2 x Nein» zum Asyl- und Ausländergesetz las am Rande des Festgeländes Auszüge aus Reden Blochers vor und kontrastierte diese mit Erlebnisberichten von Asylsuchenden.

Derweil sammelten Mitglieder der Bewegung für die Würde der dunkelhäutigen Menschen Stimmen im Publikum, um die originellste Weinetikette «Blocher-sur-Rolle» zu küren. Die für den Wettbewerb gestalteten Etiketten zeigten meist Karikaturen Blochers - etwa als dunkelhäutigen Winzer bei der Säuberung seiner Reben.

Appell an christliche Werte

Es sei die christliche Pflicht, Asylsuchende, die anklopfen einzulassen, sagte die Pastorin der Region, Sarah Golay. Auch sie hätten ein Recht, am Wohlstand teilzuhaben, sagte sie in ihrer Rede mit Blick auf die Abstimmungen am 24. September.

Im letzen Jahr habe kein Bundesrat in der Romandie gesprochen, sagte der Syndic Hubert Monnard. Auch wenn Blocher als Politiker umstritten sei, freue er sich, ihn in seiner Gemeinde begrüssen zu dürfen und ihm einige Flaschen Weisswein mitgeben zu können.

Neben der Waatländer Winzergemeinde Mont-sur-Rolle wird Bundesrat Blocher zum 1. August auch noch in Kerns OW, Uster ZH und in Oberwald VS sprechen.

Manager-Schelte von Moritz Leuenberger

Leuenberger machte sich am Montagabend an der Bundesfeier der elf Gemeinden des neuenburgischen Val-de-Travers für das Engagement des Einzelnen stark: Sich für das öffentliche Wohl einzusetzen, für die Gemeinschaft und für den Staat, sei eine verdienstvolle und notwendige Aufgabe.

Leider sei heute eine andere Tendenz zu beobachten. Der Individualismus sei auf dem Vormarsch, die Selbstverwirklichung und eine steile Berufskarriere erschienen als die höchsten Ziele. «Es gibt sogar Manager, die behaupten, dass ihre grosse Verantwortung Gehälter rechtfertige, die nicht zu rechtfertigen sind.»

Für die Randregionen

Leuenberger hat auch eine Lanze für die Randregionen gebrochen. Diese sollten nicht zu riesigen Abenteuerparks für Städter werden. Gewisse Kreise hätten in letzter Zeit eine Schweiz der Zukunft entworfen, deren gesamte Aktivitäten sich auf das Mittelland konzentrierten, sagte Leuenberger laut Redetext in La Côte-aux- Fées NE.

Im Gegenzug wollten diese Organisationen, die sich als visionär bezeichneten, die Randregionen der Natur überlassen. Für ihn sei dies keine Vision, sondern eine Verblendung, «nichts anderes als das Gesetz des Stärkeren».

Merz: Fünf Schweizer Qualitäten

Finanzminister Hans-Rudolf Merz rief in seiner im Internet veröffentlichten Rede dazu auf, die Schweizer Qualitäten Wohlstand, Sicherheit, Vielfalt, Fortschritt und Solidarität zu pflegen. «Wir haben es in der Hand, alle zusammen, damit eine gute Zukunft zu gestalten.»

Demgegenüber wünschte sich SVP-Parteipräsident Ueli Maurer in seiner auf der Partei-Website veröffentlichten Rede eine Stärkung der Schweiz als neutralem, humanitären und leistungsfähigen Kleinstaat.

«Für die Schweiz ist es eine vornehme Aufgabe, sich wieder auf die Rolle des tatsächlich Neutralen zu besinnen, der in schwierigen Zeiten seine Guten Dienste anbieten kann», heisst es in Maurers Ansprache. Dauernde bewaffnete Neutralität diene nicht nur der Schweiz, sondern könne und solle der ganzen Welt dienen. (sda)

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