Medienkonferenz Coronavirus - «Haben je sieben Millionen Impfdosen für 2022 und 2023 bestellt»

Medienkonferenz Coronavirus«Haben je sieben Millionen Impfdosen für 2022 und 2023 bestellt»

Der Bundesrat hält nach seiner Sitzung eine Medienkonferenz ab. Wie zufrieden ist er aktuell mit der Lage in der Pandemie? 20 Minuten berichtet live von der Medienkonferenz.

von
Newsdesk

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Mittwoch, 25.08.2021

Zusammenfassung

Gesundheitsminister Alain Berset hat am Mittwoch an einer Medienkonferenz die neusten Entscheide des Bundesrats bekannt gegeben. Sie beinhalten unter anderem:

  • Der Bundesrat kann sich vorstellen, dass die Zertifikatspflicht (im Moment gilt sie für Nachtclubs und Grossveranstaltungen) auf Restaurants, Fitnesscenter, kulturelle Veranstaltungen wie Kino oder Theater ausgeweitet werden. Sie könnte generell für alle Innenräume, ausgenommen religiöser und politischer Veranstaltungen gelten. Einen entsprechenden Vorschlag schickt der Bundesrat in eine einwöchige Vernehmlassung.

  • In die gleiche Konsultation schickt der Bundesrat den Vorschlag, dass präventive Tests zukünftig selbst berappt werden müssen. Wer keine Symptome hat und einen Corona-Test nur macht, um an ein Covid-Zertifikat zu gelangen, muss künftig tief in die Tasche greifen. Ein solcher kostet nämlich je nach Ort und Art des Tests bis zu 180 Franken.

  • Der Bundesrat hat bekannt gegeben, dass er neue Verträge mit dem Impfstoffhersteller Pfizer/Biontech geschlossen hat. Sowohl 2022 als auch 2023 soll die Schweiz je sieben Millionen Impfdosen erhalten. Diese sollen vor allem zwecks Impfauffrischung zum Einsatz kommen – und so entwickelt sein, dass sie auch gegen die heimtückischen Coronavirus-Mutationen wirksam sind.

Sagt den Kantonen, wo es langgeht: Gesundheitsminister Berset hat mehrere Vorschläge ausgearbeitet, wie die steigenden Corona-Zahlen in den Griff zu bekommen sind.

Sagt den Kantonen, wo es langgeht: Gesundheitsminister Berset hat mehrere Vorschläge ausgearbeitet, wie die steigenden Corona-Zahlen in den Griff zu bekommen sind.

20min/Stefan Lanz

Medienkonferenz beendet

Damit ist die Medienkonferenz beendet. Wir danken für das Interesse. An dieser Stelle folgt bald eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte, die an der Medienkonferenz diskutiert wurden.

Sport im Innern?

Berset: «Beim Chor zum Beispiel hoffe ich schon, dass die geimpft sind. Dort kennt man sich, das Tracing funktioniert. Auch für Gruppen unter 30 macht eine Zertifikatspflicht Sinn. Das wollten wir damit sagen.»

Frage aus der 20 Minuten Community

Stefan Lanz von 20 Minuten stellt eine Frage. Spielt man den Massnahmenkritiker mit der Zertifikatspflicht nicht in die Hände?

Berset: «Das ist nicht eine Frage, die eine Regierung interessieren darf. Wir müssen Entscheide treffen ohne grosses politisches Geplänkel. Unser Ziel bleibt, das Optimum für den Weg der Schweiz aus der Pandemie zu finden. Das ist der einzige Auftrag der Regierung. Dabei geschehen Fehler, weil wir selbst nicht immer wissen, ob das, was wir tun, richtig ist.»

Was ist ein Privatanlass?

Gerber, BAG: «Private Anlässe sind solche, die in privaten Räumen stattfinden, zum Beispiel im privaten Garten. Ein privater Anlass im Restaurant aber zum Beispiel gilt nicht als privat.

Maskenpflicht im Restaurant?

Berset: «Ich habe die Details nicht im Kopf. Dort, wo das Zertifikat gilt, braucht es auch keine Maske mehr.»

Gerber: «Ich bin kein Spezialist für diese Dienstleistungen. Wir haben beobachtet, dass Frankreich solche Dienstleistungen, aber auch Fernverkehrsverbindungen mit Zertifikatspflicht belegt hat. Wir wollen solche Schritte aus Freiheitsüberlegungen möglichst verhindern.»

Wird ein Strategiewechsel nötig?

Berset: «Wir sind auf diesem Weg. Wir kontaktieren die Ungeimpften direkt. Wir entwickeln uns in die Richtung, dass sich jeden Monat eine halbe Million Menschen zusätzlich impfen lassen.» Es stelle sich auch die Frage mit dem Datenschutz, da seien noch Fragen offen, sagt Berset. «Die Hausärzte sollen mit ihren Patienten über die Impfung reden. Aber wir haben ein dezentrales System», sagt Berset und kündigt ein Treffen mit den Kantonen für morgen Donnerstag an.

Warum keine Testpflicht bei der Einreise?

Berset: «Etwa vierzig Prozent der Ansteckungen kommen von Reiserückkehrern zurzeit, glaube ich. Das beobachten wir nur im August, im Juni war das noch nicht der Fall. Das ist entscheiden für die nächsten Monate, die Herbstferien zum Beispiel. Die kälteren Tage habe zu einer veränderten Situation geführt.» Die Kontrolle sei nicht so einfach, auch die Koordination mit der Quarantäne sei eine Herausforderung. «Das wird uns in den nächsten Wochen und Monaten noch beschäftigen.»

Verschobene Wahleingriffe?

Berset: «Das geschieht schon heute. Das ist Sache der Spitäler, das zu koordinieren. Es ist schon klar, dass die Spitäler auf Grippe vorbereitet waren, aber nicht auf das Coronavirus. die verschobenen Operationen dürfen nicht zum Problem werden für die Leute. Es geht wieder einmal um einen Balanceakt.»

Mathys, BAG: «Wir wollen keine Situationen erleben, wie während der zweiten Welle, wo die Hälfte der Intensivbetten mit Coronapatienten belegt waren. Es stimmt aber auch: Die Spitäler passen ihre Planung mit geplanten Eingriffen an. Schon jetzt werden Eingriffe verschoben, die Topversorgung ist schon jetzt nicht mehr gewährleistet.»

«Es gibt keine Abkürzung»

Berset wird fatalistisch: «Wenn wir in dieser Pandemie etwas gelernt haben, dann, dass es keine Abkürzungen gibt. Wir müssen den ganzen Weg gehen.»

Verlieren Sie nicht einen grossen Teil der Bevölkerung ab?

Berset: «Es ist keine einfache Entscheidung. Aber immer wenn Kritik kommt, dann fehlt es an Alternativen. Wenn Sie die haben, ich bin offen dafür», sagt Berset. Der Eingriff mit dem Zertifikat sei viel weniger gross, als wenn man wieder ganz Branchen schliessen müsste.

Erweiterung der Zertifikatspflicht auf Unis vorgesehen?

Gerber. BAG: «Die Verwendung des Zertifikats bei den Uni, da gibt es Überlegungen. Ein konkreter Vorschlag besteht nicht, weil der gesetzliche Rahmen in puncto Datenschutz noch nicht geklärt ist.»

Warum hat man die Zertifikatspflicht nicht früher ausgedehnt?

Berset: «Realität ist, das es regionale Unterschiede gibt. Die Länder, die stärker unter Covid litten, haben nun eine höhere Durchimpfungsrate. Es muss schlussendlich jeder für sich selbst wissen. Leute, die sich nicht impfen lassen wollen, die hat es immer gegeben. Ihre Anzahl an der Bevölkerung lag aber früher höher.»

Notrecht?

Berset: «Wenn das Covid-Zertifikat an der Urne scheitert, dann ist es tot. Es wäre ein Skandal, wenn es dan via Notrecht trotzdem erhalten blieben. Dann müssten wir eine andere Lösung finden?» Berset fürchtet eine chaotische Situation, die den Bundesrat dazu zwingen würde, alles wieder zu schliessen. «Auch für die internationalen Geschäftsbeziehungen wäre das verheerend».

Wann könnte schnellstmöglich entschieden werden? Gibt es keine Gnadenfrist für Ungeimpfte?

Berset: «Die Ungewissheit herrscht. Theoretisch könnten wir nächste Woche für eine Inkraftsetzung Anfang September entscheiden. Wir wissen es nicht und sind dementsprechend vorsichtig. Wenn die Fallzahlen und die Intensivbettenauslastung tiefer wären, könnten wir entspannter agieren. Die Tests bleiben bis September kostenfrei.»

Kann man ein Zertifikat erwerben?

«Wer sich für einen asymptomatischen Test entscheidet, muss unter Umständen bis zu 180 Franken zahlen.»

Was ist die Logik hinter der Zertifikats-Ausdehnung? Was sind die Kriterien?

Berset: «Gehen wir davon aus, dass wir heute merken, dass wir dringendst handeln müssen (was nicht der Fall ist). Dann müsste man eine Konsultation dann völllig überstürzt starten und hätte Effekte erst in einem Monat. Dem wollen wir mit der jetzigen Konsultation zuvorkommen.» Berset gibt zu, dass die Konsultation durchlaufen könnte, ohne dass darauf dann etwas entschieden würde. «Es ist Realität in unserem Land, dass Entscheide auf Konsultationen erst Monate oder Jahre später gefällt werden. Ich weiss nicht, wann Schritte notwendig werden.»

Wie soll die Impfung beliebter werden?

Berset: «Was wir bis jetzt machen, ist gut, genügt aber nicht. Wir müssen zu den Leuten, sie im Gespräch überzeugen. Von solchen Versuchen bin ich überzeugt», sagt Berset.

Inzidenzwerte

Mathys: «Je grösser die Inzidenzwerte, desto kleiner müssen die Pools sein. Hohe Inzidenzen sind eine Herausforderung, sind aber machbar.»

«Keine Zauberwaffe»

Berset gibt zu: «Die Zertifikatspflicht ist keine Zauberwaffe. Aber es ist die beste Waffe, die wir zurzeit haben.» Das sei keine Vollkaskoversicherung, vergleicht Berset, aber das Beste, das zurzeit zur Verfügung steht.

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