Alain Berset informiert - Corona-Massnahmen Schweiz

Alain Berset informiert«Die Zahlen steigen, wir lockern trotzdem»

Der Bundesrat tagte heute zu möglichen Lockerungsschritten. Die Öffnung der Aussenbereiche von Gastronomiebetrieben steht bevor. Weitere Lockerungsmassnahmen betreffen sportliche oder kulturelle Veranstaltungen.

von
Newsdesk
Corona-Massnahmen in der Schweiz

Die Öffnung der Aussenbereiche von Gastronomiebetrieben steht bevor. Weitere Lockerungsmassnahmen betreffen sportliche oder kulturelle Veranstaltungen.

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Mittwoch, 14.04.2021

Zusammenfassung

Obwohl die epidemiologische Situation derzeit schlechter ist als noch vor vier Wochen, hat der Bundesrat am Mittwoch umfassende Lockerungen beschlossen. Bundesrat Alain Berset verkündigte diese am Mittwoch an einer Pressekonferenz.

Immer wieder betonte Berset, dass man mit den Lockerungen ein Risiko eingehe und dass es nun auf die Bevölkerung ankomme. Die Lockerungsschritte sollten nicht als Freipass angesehen werden, er appelliere an die Öffentlichkeit, sich weiterhin vorsichtig zu verhalten.

Neue Termine für Öffnungsschritte kündigte Berset nicht an. Man könne die Richtwerte des BAG nicht als Ampelsystem ansehen, sondern müsse jederzeit die Dynamik der aktuellen Corona-Situation im Auge behalten.

Mit den beschlossenen Lockerungen fährt die Schweiz im Vergleich zum grenznahen Ausland weiterhin einen ausserordentlich liberalen Corona-Kurs. Berset sagt aber: «Der Bundesrat denkt, dieses Risiko ist vertretbar.»

Damit ist die Pressekonferenz geschlossen

André Simonazzi schliesst die Konferenz mit den Worten: «Auch das Beste geht mal zu Ende.»

Müssen wir nun alle sechs Monate impfen?

Ein Journalist fragt, ob die Menschen sich nun an regelmässige Impfungen gewöhnen müssen. Berset antwortet, es werde derzeit dazu geforscht, wie lange die Impfung helfe. Ob es mit mRNA-Impfungen zu einem dritten Impftermin kommen werde, könne man derzeit noch nicht sagen. Es sei aber durchaus möglich.

Wann enden die Massnahmen?

Ein Journalist fragt, ob die Regel noch gelte, dass die Massnahmen aufgehoben würden, wenn alle geimpft sind, die geimpft sein wollen. Berset antwortet, bis dieser Zeitpunkt erreicht sei, werde es schwierig. Ab dann werde es aber eine Frage der Eigenverantwortung. Danach könne man harte Restriktionen nur noch schwer rechtfertigen.

Man könne zwar darüber diskutieren, ob die Massnahmen zu stark oder zu schwach seien, aber: «Das Ziel des Bundesrates war es immer, verhältnismässig zu handeln.»

Veranstaltungen in Innenräumen

Eine Journalistin fragt, wieso Veranstaltungen in Innenräumen zugelassen werden, obwohl man wisse, dass dort die Ansteckungszahlen besonders hoch seien. Berset antwortet, dass die Massnahmen in Innenräumen sehr streng seien. «Der Bundesrat denkt, dieses Risiko ist vertretbar.»

Richtwerte

Ein Journalist fragt, ob es nicht besser sei, sich nur auf Hospitalisationen und Todeszahlen als Richtwerte zu konzentrieren. Berset sagt, man brauche viel Information, um sich mit einer Situation auszukennen. Der Bundesrat wolle möglichst viele Fakten haben, um auf dieser Grundlage zu entscheiden.

Wann werden die Innenbereiche der Restaurants wieder geöffnet?

Berset: «Die nächste Etappe ist davon abhängig, was nach der Öffnung vom Montag passiert.» Er appelliere deshalb an die Menschen, sich vorerst möglichst viel in Aussenbereichen aufzuhalten.

Planbarkeit

Eine Journalistin fragt, ob der Bundesrat neue Kriterien festlegen werde, um die Planbarkeit zu gewährleisten. Berset antwortet, man müsse immer die Dynamik der Situation im Auge behalten. «Das Ziel ist es, einen guten Weg mit der Gesamtbevölkerung zu finden. Nicht wieder in die nächste Krise zu rutschen.» Die Beendigung der Pandemie sei eine Frage des Vertrauens in der Schweiz.

«Wir sind an der Grenze. Wir können nicht mehr.»

Eine Journalistin fragt, ob der Bundesrat das Gefühl habe, dass die Gesellschaft die Massnahmen nicht mehr mittragen würde. Berset antwortet, man sei sich bewusst, dass die Krise schon länger als ein Jahr daure. Die Situation mache vielen Schwierigkeiten. «Wir sind an der Grenze. Wir können nicht mehr.»

Die Richtwerte seien zudem kein Ampelsystem, sondern der Bundesrat beobachte die Dynamik. «Wir gehen ein Risiko ein. Es ist aber vertretbar für unsere Gesellschaft.» Er glaube daran, dass es gut gehen könne. Das bedeute aber auch, dass die Veranstalter die Schutzkonzepte strengt umsetzen müssen. Das betont Berset immer wieder.

Moutier

In Moutier haben hunderte Menschen im Freien gefeiert, als die Stadt beschloss, vom Kanton Bern zum Kanton Jura zu wechseln. Trotzdem seien die Infektionszahlen nicht gestiegen, sagt ein Journalist. Berset antwortet, das könne damit zu tun haben, dass Veranstaltungen im Freien weniger gefährlich seien.

Kriterien für weitere Öffnungen

Eine Journalistin fragt, ob es Kriterien für weitere Lockerungen gebe. Berset sagt: «Wir sind noch ganz am Anfang.» Es sei möglich, dass die Strategie von den Fallzahlen entkoppelt werde. Man müsse sich aber auch Gedanken um Probleme wie Long-Covid machen.

Weiter sei es nun möglich, mit Impfungen ein Stück Kontrolle zurückzuerhalten. Bisher habe man lediglich versucht, einen Kontrollverlust zu verhindern. Jetzt sei man endlich wieder in der Lage, proaktiv zu handeln.

Maskenpflicht in Alters- und Pflegeheimen

Wieso können Altersheime bei Geimpften die Maskenpflicht aufheben, bei anderen Institutionen aber nicht. Berset antwortet, dass die Bewohnerinnen und Bewohner von Altersheimen dort leben. «Ich trage zuhause keine Maske», sagt er. Für die Altersheime sei eine Aufhebung der Maskenpflicht deshalb besonders wichtig.

Was hat sich seit dem 19. März verändert

Am 19. März waren die Corona-Zahlen noch besser. Trotzdem hat der Bundesrat heute Öffnungen beschlossen. Ein Journalist fragt, woher dieses Umdenken komme. Berset antwortet, dass die Schweiz heute im Impfplan deutlich weiter sei. Die Impfsituation ermögliche es, die neuen Öffnungsschritte umzusetzen.

Homeoffice

Ein Journalist fragt, wieso die Homeoffice-Pflicht nicht aufgehoben würde. Berset antwortet, dass das dazu führen würde, dass wieder mehr Menschen pendeln würden, was gefährlich sei. Zudem habe sich die Wirtschaft gut auf die Pflicht eingestellt. «Über Homeoffice wird aber sehr bald entschieden werden», sagt Berset.

Falsches Signal?

Ein Journalist fragt, ob der Bundesrat mit seinen Beschlüssen nicht ein falsches Signal aussende. Berset sagt, die Beschlüsse seien nicht als Signal zu interpretieren, dass Corona jetzt fertig sei. Es sei wichtig, dass die Massnahmen weiterhin umgesetzt würden.

Ambulante Therapien

Weiter habe der Bundesrat 100 Millionen Franken für ambulante Corona-Therapien zur Verfügung gestellt. Davon sollen Menschen profitieren, die sich nicht impfen lassen können.

Solche Corona-Behandlungen seien sehr teuer, aber immer noch billiger als lange Therapien im Spital. Darum solle es aber ohnehin nicht gehen.

Konkrete Beschlüsse

Berset empfiehlt den Menschen, ihre Aktivitäten möglichst draussen vorzunehmen. «Wir haben beschlossen, ab Montag die Restaurant-Terassen zu öffnen.» In den Restaurants müssten aber die Schutzkonzepte eingehalten werden, die schon im Herbst 2020 galten. Die finanzielle Unterstützung der Gastrobranche werde aber weitergeführt. Es solle kein Druck auf die Gastrobranche ausgeübt werden.

Weiters seien sportliche und kulturelle Veranstaltungen zugelassen. «Da muss man aber wirklich ein strenges Schutzkonzept einhalten.» Bisher seien Veranstaltungen bereits für unter 20-Jährige möglich. Das gelte nun auch für Ältere. Zudem seien auch Wettkämpfe möglich, wenn die Schutzkonzepte eingehalten werden.

Als Datum für die Lockerungen habe man den kommenden Montag ausgewählt. «Es kann funktionieren, wenn alle vorsichtig sind.» Er appelliere deshalb an alle, weiterhin vorsichtig zu sein und die Präventionsmassnahmen einzuhalten.

Alle weiteren Beschlüsse, die Berset an der Pressekonferenz vorstellt, finden Sie hier als Zusammenfassung.