Produktion in der Schweiz - Bundesrat informierte Parlament nicht über Lonza-Impfdeal
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Produktion in der SchweizBundesrat informierte Parlament nicht über Lonza-Impfdeal

In den ersten Pandemie-Monaten verhandelte die Schweiz mit der Spitze von Lonza über eine einheimische Impfstoffproduktion. Die Regierung liess das Parlament im Dunkeln.

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Verzichtete, die Finanzdelegation des Parlaments über die Gespräche mit Lonza zu informieren: Bundesrat Alain Berset. (Archivbild)

Verzichtete, die Finanzdelegation des Parlaments über die Gespräche mit Lonza zu informieren: Bundesrat Alain Berset. (Archivbild)

20min/Simon Glauser
Es ging darum, ob sich der Bund an einer Impfstrasse im Wallis beteiligt sollte: Lonza Gebäude in Visp.

Es ging darum, ob sich der Bund an einer Impfstrasse im Wallis beteiligt sollte: Lonza Gebäude in Visp.

20min/Matthias Spicher
Berset argumentierte, dass eine Investition in eine Lonza-Produktionslinie nicht zielführend gewesen wäre, um sich Impfstoff zu sichern.

Berset argumentierte, dass eine Investition in eine Lonza-Produktionslinie nicht zielführend gewesen wäre, um sich Impfstoff zu sichern.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Zu Beginn der Corona-Pandemie führte der Bundesrat Gespräche mit der Spitze der Chemiefirma Lonza über eine einheimische Impfstoffproduktion.

  • Die Landesregierung informierte das Parlament nicht darüber.

  • Der damalige BAG-Direktor wollte hingegen die Finanzdelegation des Parlaments einweihen.

Gegen den Willen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) unterrichtete Bundesrat Alain Berset das Parlament nicht über Gespräche, welche er zu Beginn der Corona-Pandemie mit der Spitze der Chemiefirma Lonza über eine einheimische Impfstoffproduktion führte. Das berichtet die «SonntagsZeitung».

Aus einem vom damaligen BAG-Direktor Pascal Strupler unterzeichneten zweiseitigen Dokument – die Zeitung erhielt erst nach mehreren Monaten gestützt auf das Öffentlichkeitsgesetz Zugang dazu – geht hervor, dass dieser die Finanzdelegation des Parlaments vertraulich über den Sachverhalt hätte informieren wollen, «und Möglichkeiten einer finanziellen Unterstützung zur Steigerung der Produktionskapazitäten von Lonza im Umfang von bis zu 100 Millionen Franken» erörtern wollte. Dass Berset darauf verzichtete, bestätigt ein Sprecher des Bundesrats auf Anfrage. Bereits im Frühling dieses Jahres ist bekannt geworden, dass Lonza mit der Schweizer Regierungsspitze das Gespräch gesucht hatte.

Schlüsselrolle für die Schweiz

Durch die in der Schweiz vorgesehene Produktion des damals noch nicht zugelassenen Moderna-Impfstoffs für den europäischen Markt dürfte der Schweiz eine Schlüsselrolle in der Versorgung Europas zufallen, heisst es im Dokument weiter. Um die Produktionskapazität zu erweitern «und möglichst schnell die gesamte Schweizer Bevölkerung wie auch grosse Teile Europas zu schützen», seien zusätzliche Investitionen am Lonza-Standort in Visp nötig.

Weil der Kontakt zum Parlament über Bersets Generalsekretariat hätte eingefädelt werden müssen, strich BAG-Chef Strupler den Passus im Dokument durch. In der Folge unterliess es Berset dann aber, das Parlament über die Gespräche zu unterrichten. Das bestätigt ein Sprecher des Bundesrats auf Anfrage der «SonntagsZeitung». Berset argumentiert, dass eine Investition in eine Lonza-Produktionslinie nicht zielführend gewesen wäre, um sich Impfstoff zu sichern.

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BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

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Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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(chk)

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