Aktualisiert 14.05.2006 12:54

Bundesrat Schmid: «Verlierer ist der Sport»

Bundesrat Schmid hat die massiven Ausschreitungen nach dem Fussballspiel Basel - Zürich verurteilt. Die skandalösen Ereignisse, die 15 Verletzte forderten, werden im Parlament ein Nachspiel haben. Die Gegner eines Hooligan-Gesetzes zeigen sich unbeirrt und sammeln weiter Unterschriften für ein Referendum.

«Verlierer ist ganz sicher der Sport», liess das für den Sport zuständige Mitglied der Landesregierung am Sonntag über seinen Sprecher ausrichten.

Jeder Sportinteressierte unterstütze deshalb das Hooligan-Gesetz und sei gegen das Referendum, das von Fanclubs lanciert wurde.

Das schliesse auch ein, dass die Fans diverser Fussball- und Eishockeyclubs die Unterschriftensammlung für das Referendum allenfalls abbrechen müssen, sagte Defago weiter. Nur durch den Ausschluss von Randalierern kehre in den Stadien wieder Ruhe ein, liess sich der Sportminister weiter zitieren.

Auch SVP-Politiker Jürg Stahl, der Präsident der parlamentarischen Gruppe Sport, forderte nach seinem Besuch des Matches im Joggeli Konsequenzen: «Nationalratspräsident Claude Janiak, der ebenfalls im Stadion war, und ich werden die Ausschreitungen im Parlament zum Thema machen. Im Hinblick auf die Euro 08 müssen wir daraus die nötigen Lehren ziehen», erklärte er gegenüber der «NZZ am Sonntag».

Unannehmbar und skandalös

«Das ist bitter, unannehmbar und skandalös»: Mit diesen Worten verurteilte auch der Präsident des Schweizerischen Fussballverbands (SFV), Ralph Zloczower, die Krawalle nach dem Fussballspiel. Solche Vorfälle dürften sich nie mehr wiederholen, sagte Zloczower am Sonntag der «Tagesschau» von Schweizer Fernsehen.

Er hoffe sehr, dass die Fans, die das Referendum gegen das Hooligan-Gesetz ergreifen wollten, sich noch einmal gut überlegten, ob dies wirklich das Gelbe vom Ei sei. Die Vorfälle hätten gezeigt, dass ein solches Gesetz notwendig sei, sagte Zloczower.

Unterschriftensammlung geht weiter

Das Referendumskomitee gegen das Hooligan-Gesetz will aber an der Unterschriftensammlung festhalten. Laut dem Komitee zeigen die Vorfälle, dass das Gesetz nichts bringt. Die Ereignisse gingen auf Leute zurück, die kein Stadion-Verbot gehabt hätten, sagte Ruben Schönenberger, Sprecher des Referendumskomitees, auf Anfrage.

Auch blieben nach den Ausschreitungen die Argumente des Komitees bestehen, weshalb die Unterschriftensammlung sicher nicht eingestellt werde, sagte Schönenberger. Es werde wegen der Ausschreitungen einfach schwieriger werden, die nötigen Unterschriften für das Referendum zu sammeln.

Datenbank als zentrale Massnahme

Die Fans von Fussball- und Eishockeyvereinen hatten die Unterschriftensammlung Mitte April lanciert. Kurz zuvor hatten Stände- und Nationalrat die Änderungen des Bundesgesetzes über Massnahmen zur Wahrung der inneren Sicherheit (BWIS) an der Frühlingssession behandelt und verabschiedet.

Zentrales Element der Vorlage ist eine Datenbank, in der notorische Randalierer erfasst werden. Weiter sieht das BWIS eine Meldepflicht, Rayonverbote und Ausreisesperren vor, um Hooligans von den Stadien fernzuhalten.

Die Massnahmen können gegen Jugendliche ab 12 Jahren verhängt werden. Als schärfste Massnahme können Personen ab 15 Jahren für längstens 24 Stunden in Polizeihaft genommen werden. Polizeihaft, Rayonverbot und Meldepflicht sind vorerst bis Ende 2009 befristet.

Mit den Gesetzesänderungen wird sicher gestellt, dass an der Fussball-Europameisterschaft EURO 08 sowie an der Eishockey- Weltmeisterschaft Hooligans härter angepackt werden können. (sda)

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