Steigende Fallzahlen – Bundesrat sieht von Verschärfungen ab und überlässt Kantonen das Ruder
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Steigende FallzahlenBundesrat sieht von Verschärfungen ab und überlässt Kantonen das Ruder

Als «kritisch» beurteilt der Bundesrat die aktuelle epidemische Situation. Von Massnahmen sieht er jedoch ab. Damit die Situation nicht ausser Kontrolle gerate, sollten die Kantone die Federführung übernehmen.

von
Bettina Zanni
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Der Bundesrat rechnet damit, dass sich die Situation in den nächsten Wochen weiter verschärft.

Der Bundesrat rechnet damit, dass sich die Situation in den nächsten Wochen weiter verschärft.

20min/Matthias Spicher
Von neuen Massnahmen sieht der Bundesrat jedoch ab. Die Belastung der Intensivpflegestationen mit Covid-19- Patientinnen und -Patienten sei aktuell relativ tief. 

Von neuen Massnahmen sieht der Bundesrat jedoch ab. Die Belastung der Intensivpflegestationen mit Covid-19- Patientinnen und -Patienten sei aktuell relativ tief.

20min/Marvin Ancian
Keine Massnahmen trifft der Bundesrat auch wegen der grossen regionalen Unterschiede. 

Keine Massnahmen trifft der Bundesrat auch wegen der grossen regionalen Unterschiede.

20min/Celia Nogler

Darum gehts

  • Der Bundesrat schätzt die aktuelle epidemiologische Lage als «kritisch» ein.

  • Von neuen Massnahmen sieht er jedoch ab.

  • Er begründet dies mit der zurzeit relativ tiefen Belastung der Intensivpflegestationen mit Covid-19- Patientinnen und -Patienten und den grossen regionalen Unterschieden.

Die Pandemie hat die Schweiz wieder eingeholt. Mit über 8500 neuen Fällen erreichte die Zahl der laborbestätigten Infektionen am Mittwoch einen Rekord. Der Bundesrat schätzt die Situation als «kritisch» ein, wie er in einer Medienmitteilung bekanntgab. Die täglichen Neuinfektionen hätten einen neuen Jahreshöchststand erreicht und die exponentielle Entwicklung setze sich fort. Die Zahl der Hospitalisationen steige etwas verzögert ebenfalls kontinuierlich an, hauptsächlich bei den ältesten Bevölkerungsgruppen.

Der Bundesrat rechnet damit, dass sich die Situation in den nächsten Wochen weiter verschärft. «Die erhöhte Viruszirkulation bei den jüngeren Altersgruppen dürfte zu einer erhöhten Übertragung des Virus auf die Risikogruppen und einem – möglicherweise sehr raschen – Anstieg der Hospitalisierungen führen.»

«Nicht der Moment für Verschärfungen»

Von neuen Massnahmen sieht der Bundesrat jedoch ab. «Angesichts der aktuell relativ tiefen Belastung der Intensivpflegestationen mit Covid-19- Patientinnen und -Patienten und der grossen regionalen Unterschiede ist für den Bundesrat noch nicht der Moment für schweizweite Verschärfungen der Massnahmen gekommen.»

Fallzahlen in den Regionen

Im Unterschied zu früheren Phasen der Pandemie steigen die Zahlen je nach Region unterschiedlich stark, wie der Bundesrat mitteilte. Die Zahl der 14-tägigen Infektionen pro 100'000 Einwohnerinnen und Einwohnern sei in einigen Kantonen rund sechsmal höher als in den Kantonen mit tiefer Inzidenz. Auch bei den Hospitalisierungen sind laut dem Bundesrat grosse regionale Unterschiede festzustellen. «Dabei zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Impfquote und der epidemischen Lage.»

Der Bundesrat hält es für möglich, dass sich die Entwicklung mit einer Verhaltensänderung der Bevölkerung und regionalen Verschärfungen der Massnahmen steuern lässt. So sollen bei regional ausgeprägten Anstiegen die Kantone die Federführung übernehmen und Massnahmen ergreifen, damit die Situation nicht ausser Kontrolle gerät. «Im Vordergrund stehen dabei die Ausweitung der Maskenpflicht, namentlich auch in Schulen, die Home-Office-Pflicht oder Kapazitätsbeschränkungen.» Einige Kantone hätten bereits Massnahmen getroffen.

«Spitalsstrukturen auf sehr hohe Belastung vorbereiten»

In der Mitteilung erinnert der Bundesrat die Kantone daran, die Empfehlungen zu repetitiven Tests und zum Schutz von Heimen und Spitälern umzusetzen. Auch fordert er die Kantone auf, die Spitalsstrukturen auf eine erneute sehr hohe Belastung vorzubereiten. «Weiter soll auch die Impfung weiter gefördert und die Auffrischung so rasch wie möglich durchgeführt werden.»

An die Bevölkerung appelliert er, die Basismassnahmen konsequent umzusetzen: Maske tragen, regelmässiges Lüften von Innenräumen, Handhygiene, Abstandhalten und sofortiges Testen bei Symptomen.

Strategie berge Risiken

Sein Vorgehen begründet der Bundesrat mit der im Mai 2021 festgelegten Corona-Strategie: Sobald die Bevölkerung ab zwölf Jahren Zugang zur Impfung hat, richten sich die Massnahmen darauf aus, die Funktionsfähigkeit des Gesundheitssystems zu erhalten. «Der Bundesrat ist sich bewusst, dass diese Strategie Risiken birgt: Es ist schwierig, ein hohes Infektionsgeschehen zuzulassen und gleichzeitig die Überlastung der Spitäler ganz auszuschliessen.»

Nur wenn die kantonalen Massnahmen und die Verhaltensänderungen nicht greifen sollten und wenn die Situation in den Spitälern es erfordere, werde der Bundesrat schweizweit verschärfte Massnahmen in Konsultation schicken, kündigte der Bundesrat an.

Warum steigen die Zahlen trotz Impfung?

Die Deltavariante ist verantwortlich für den Anstieg der Infektionen. Sie ist laut dem Bundesrat viel ansteckender als frühere Virusvarianten und führt zu mehr schweren Krankheitsverläufen. Weil infizierte Personen häufiger und länger intensiv behandelt werden müssen, werden die Intensivstationen stärker belastet. Weitere Gründe sind die vergleichsweise tiefe Durchimpfung und der vermehrte Aufenthalt in Innenräumen während der kalten Jahreszeit.

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