19.06.2015 08:58

Gefährlicher KörpertrendBundesrat soll Junge vor Anabolika schützen

Schweizer Jugendliche greifen vermehrt zu Anabolika, um ihren Körper zu stählen. Nun wird die Politik aktiv und fordert Präventionsprogramme.

von
sma
Der Bundesrat soll sich mit dem Anabolika-Missbrauch bei Jugendlichen beschäftigen.

Der Bundesrat soll sich mit dem Anabolika-Missbrauch bei Jugendlichen beschäftigen.

Der Anabolika-Missbrauch bei Jugendlichen hat in der Schweiz in den letzten Jahren zugenommen. «Ich behandle immer mehr Jugendliche, die aufgrund ihres übermässigen Anabolika-Konsums unter Nebenwirkungen leiden», zeigte sich Robert Klingl, Facharzt für Innere Medizin beim Arzthaus St. Gallen, erst kürzlich in einem Gespräch mit 20 Minuten über den Trend besorgt. Die Folgen reichten von Akne über Impotenz und Leberschäden bis hin zum Herzinfarkt. Wie gefährlich Anabolika für Junge sein kann, zeigt ein Fall aus dem Kanton Jura: Vor gut einem Jahr starb Mike Schallte im Alter von 23 Jahren an den Folgen eines Herzstillstands – ausgelöst durch Muskelpillen, die er illegal im Internet bestellt hatte.

Es sind Fälle wie dieser, die es laut Nationalrat Markus Lehmann (CVP) um jeden Preis zu verhindern gilt. «Viele Junge, die Anabolika schlucken, sind sich nicht bewusst, wie gefährlich diese Substanz ist und wie fest sie sich damit schaden können», sagt Lehmann, der selbst jahrelang intensiv Sport getrieben hat. In einem Postulat fordert der CVP-Mann den Bundesrat deshalb auf, einen Bericht zum Konsum und Handel von Anabolika, besonders bei Jugendlichen, auszuarbeiten.

Lehmann verweist im Vorstoss unter anderem auch auf die Zunahme der am Zoll beschlagnahmten illegalen Mittel. «Stichproben am Zoll haben ergeben, dass in der Schweiz immer mehr Hobbysportler anabole Steroide und andere leistungsfördernde Substanzen aus illegalen Quellen zu sich nehmen», schreibt er. Die Zahl der zwischen 2007 und 2008 beschlagnahmten Muskelaufbaupräparate habe sich fast verdoppelt.

Mit Sanktionen gegen Internethandel

Weil die Behandlung der Folgeschäden unter anderem auch zu hohen Gesundheitskosten führe, sei der Bundesrat doppelt gefordert, Junge vor Anabolika zu schützen. Am besten, so Lehmann, sollte dieser nun möglichst rasch entsprechende Präventionsprogramme ausarbeiten.

Unterstützung erhält Lehmann auch von anderen Gesundheitspolitikern. Nationalrätin Yvonne Gilli (Grüne) musste in ihrer Praxis selbst schon Jugendliche wegen Herz-Kreislauf-Störungen behandeln, die laut der Ärztin auf Anabolika zurückzuführen waren. «Die grosse Gefahr des Konsums liegt bei den Langzeitschäden.» Vor allem der einfachen Zugänglichkeit von illegalen Substanzen übers Internet gelte es entgegenzuwirken. «Der Bundesrat sollte sich Gedanken machen, wie er, beispielsweise mit mehr Information, aber auch Sanktionen, Anbieter und Konsument von Verkauf und Kauf abhalten kann», so Gilli.

An der Wirksamkeit solch einer Massnahme zweifelt SVP-Gesundheitspolitiker Sebastian Frehner. «Zu glauben, dass man den Internet-Handel von Medikamenten oder verbotenen Substanzen kontrollieren kann, ist eine Illusion.» Zwar könne es nicht schaden, wenn der Bundesrat abklärt, wie schädigend die fraglichen Substanzen tatsächlich sind. Vor einem übertriebenen Aktionismus aber warnt der SVP-Nationalrat. «Ich appelliere hier auch an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen.»

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