Berg nach Rassist benannt: Bundesrat soll nun das Agassizhorn umbenennen
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Berg nach Rassist benanntBundesrat soll nun das Agassizhorn umbenennen

Das Agassizhorn soll seinen Namen behalten, obwohl Naturforscher Louis Agassiz ein Rassist war. Historiker Hans Fässler reagiert enttäuscht auf den Entscheid und fordert vom Bundesrat nun ein Eingreifen.

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Das Agassizhorn befindet sich im Jungfrau-Aletsch-Gebiet.

Das Agassizhorn befindet sich im Jungfrau-Aletsch-Gebiet.

KEYSTONE
Der Berg ist nach dem Glaziologen Louis Agassiz benannt. Der Schweizer gilt als Vordenker der Apartheid.,

Der Berg ist nach dem Glaziologen Louis Agassiz benannt. Der Schweizer gilt als Vordenker der Apartheid.,

Wikipedia/Jerem43
Erneut wurde gefordert, dass der Berg nach dem Sklaven Renty in Rentyhorn umbenennt wird. Bild: Die schweizerische-haitianische Künstlerin Sasha Huber wirbt 2008 für die Umbenennung.

Erneut wurde gefordert, dass der Berg nach dem Sklaven Renty in Rentyhorn umbenennt wird. Bild: Die schweizerische-haitianische Künstlerin Sasha Huber wirbt 2008 für die Umbenennung.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Das Agassizhorn ist nach dem Naturforscher und Rassisten Louis Agassiz benannt.
  • Im Zuge der Rassismus-Debatte wurde erneut die Umbenennung gefordert.
  • Das Begehren wurde jedoch abgelehnt.
  • Ein Historiker will nun einen Schritt weiter gehen.

Die drei Standortgemeinden Grindelwald BE, Guttannen BE und Fieschertal VS wollen das Agassizhorn nicht umbenennen. Der Naturforscher Louis Agassiz sei zwar ein Rassist gewesen, eine Umbenennung des Berges könne das in der Geschichte Geschehene jedoch nicht ungeschehen machen, so der Tenor.

Die drei Gemeinden teilten ihren Entscheid am Donnerstag gemeinsam mit. In der Mitteilung distanzierten sich die Gemeinden jedoch «klar vom Verbrechen der Sklaverei und des Rassismus und somit von den dunklen Machenschaften des Louis Agassiz». Trotz ihres Entscheids, hielten die Gemeinden fest, dass sie alles daran setzten wollten, Rassismus zu bekämpfen und zu unterbinden.

Historiker kritisiert Ehrung von Rassist

Historiker Fässler reagierte enttäuscht auf den Entscheid. Er kämpft seit 2007 für die Umbenennung des Berges. Im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung unternahm sein Komitee nun einen neuen Anlauf. Während in den USA und in ganz Europa Erinnerungsorte im Kontext von Sklaverei, Rassismus und Kolonialismus hinterfragt und Denkmäler von Tätern entfernt würden, sei das hier anders. Die Schweiz ehre weiter einen Mann mit einem grossen rassistischen und einem bescheidenen naturwissenschaftlichen Leistungsausweis, teilte Fässler der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mit.

Es gehe nicht darum, die Geschichte ungeschehen machen zu wollen, sondern sichtbar und lebendig. Dabei stehe vor allem im Vordergrund, einen «höchst einflussreichen Rassisten nicht länger zu ehren». Dass dies möglich sei, habe beispielsweise die Stadt Neuenburg gezeigt, indem sie die Adresse ihrer Universität von «Espace Louis-Agassiz» in «Espace Thilo-Frey» geändert habe.

Bundesrat soll eingreifen – Vorstoss wurde eingereicht

Fässler fordert nun, dass der Bundesrat «korrigierend» eingreift – zumal die Standortkantone Bern und Wallis mit Simonetta Sommaruga und Viola Amherd in der Landesregierung vertreten seien.

Das Komitee um Fässler will mit «brennender Geduld» am Projekt der Umbenennung des Agassizhorns in Rentyhorn dranbleiben. Es genüge heute nicht mehr, sich gegen Rassismus auszusprechen, wie die drei Gemeinden es täten, sondern es müsse gehandelt werden, so Fässler.

Ein erneuter Vorstoss von SP-Ständerat Carlo Sommaruga ist bereits eingereicht. Der Bundesrat wollte sich bislang nicht einmischen. 2007 hielt er fest, der Bund sei nicht zuständig für die Benennung oder Umbenennung von Berggipfeln. Das Bundesamt für Landestopographie übernehme lediglich die gewählten Namen. Eine Ausnahme gab es 1863, als der Bundesrat der Dufourspitze ihren Namen gab.

Wer war Louis Agassiz?

Der Freiburger Louis Agassiz war einer der bedeutendsten Naturforscher des 19. Jahrhunderts, galt als «Entdecker der Eiszeiten» und «erster Zoologielehrer Amerikas». 1846 wanderte er in die USA aus und widmete sich dort kruden Rassentheorien. So sollten Agassiz zufolge sexuelle Beziehungen zwischen den Rassen unbedingt untersagt werden. Zudem versuchte er die «Minderwertigkeit der schwarzen Rasse» zu beweisen, dies durch Fotografieren und Messen des Hirnvolumens. Der Naturforscher und Glaziologe gilt heute unter Historikern als international einflussreicher Rassist und Vordenker der Apartheid.

(SDA)

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