Umrüstung jetzt!: Bundesrat soll WLAN in Zug und Bus vorantreiben
Aktualisiert

Umrüstung jetzt!Bundesrat soll WLAN in Zug und Bus vorantreiben

Während in Postautos das WLAN zunehmend Einzug hält, ist das drahtlose Internet weder bei den SBB noch in Verkehrsbetrieben grosser Städte ein Thema. Die BDP will das ändern.

von
J.Pfister
So sollte es in den ÖV künftig überall aussehen.

So sollte es in den ÖV künftig überall aussehen.

Während in Restaurants, Schulen und öffentlichen Plätzen das drahtlose Internet (WLAN) immer mehr zum Standard wird, halten sich viele Verkehrsbetriebe zurück. Zwar hat die Postauto AG inzwischen 70 Prozent ihrer Fahrzeuge mit WLAN ausgerüstet, doch sowohl auf dem SBB-Streckennetz als auch in grossen Städten wie Zürich oder Bern müssen ÖV-Kunden noch auf eigene Kosten surfen.

Die BDP fodert nun in einem Vorstoss, dass der Bundesrat Druck auf die Verkehrsbetriebe ausübt. SBB, Postauto und die kantonalen Verkehrsverbunde sollen ihr Netz vollständig mit WLAN ausrüsten. «Das würde den ÖV noch attraktiver machen und das Arbeiten auch unterwegs ermöglichen», sagt BDP-Nationalrat Bernhard Guhl. Es gehe nicht an, dass beispielsweise in den Zügen der SBB nur Kunden der ersten Klasse das WLAN nützen können.

«Reisedistanzen in Stadt zu klein»

Die Verkehrsbetriebe lassen sich von diesem Vorstoss nicht beeindrucken. Bei den SBB will man zwar bis Ende 2015 an 100 Bahnhöfen kostenloses WLAN anbieten. In den Zügen prüft man laut Sprecher Christian Ginsing aber lediglich den Einbau sogenannter Repeater, die das Signal der Handyantennen verbessern sollen.

Auch beim Zürcher Verkehrsverbund ZVV ist eine flächendeckende Einführung von Wifi laut Sprecher Thomas Kellenberger zurzeit nicht geplant. «In der Stadt Zürich sind die Reisedistanzen und die Aufenthaltsdauer in einem Verkehrsmittel eher kurz und die Netzabdeckung ist grundsätzlich gut, so dass sich ein WLAN nur bedingt lohnt.» Gleich klingt es bei Bernmobil: «Wir haben keine Pläne, Gratis-Wifi in nächster Zeit einzuführen», so Sprecher Rolf Meyer. Man halte es für sinnvoller, wenn beispielsweise die Stadt Bern ein flächendeckendes WLAN anbieten würde.

Norbert Schmassman, Direktor der Luzerner Verkehrsbetriebe (VBL), winkt ebenfalls ab: «Die Umrüstung der Verkehrsmittel wäre teuer, das würde sich auch auf die Billettpreise auswirken.» Klar werde die Technologie in den nächsten Jahren günstiger, doch der VBL-Direktor geht davon aus, dass in Zukunft sowieso die Mehrheit der ÖV-Kunden über Flatrate-Abos verfügen. «Deshalb lohnt sich die Investition in WLAN wohl gar nicht mehr.»

Baselstadt bis 2016 voll ausgerüstet

Für BDP-Nationalrat Guhl sind diese Argumente wenig stichhaltig. «Sicher entstehen durch die Aufrüstung Kosten, doch das Angebot würde auch zusätzliche ÖV-Kunden generieren.» Die Finanzierungsfrage habe man beim Vorstoss bewusst ausgeklammert. «Wir wollen, dass der Bund selber Vorschläge bringt», sagt Guhl. Denkbar sei eine Mitfinanzierung der öffentlichen Hand oder ein kostenpflichtiges WLAN-Angebot.

Einen Schritt weiter ist man bei beiden Basler Verkehrsbetrieben. Im Baselland surfen bereits gegen 5000 Personen in den Trams und Baselstadt will als erster städtischer ÖV-Anbieter der Schweiz drahtloses Internet in allen Fahrzeugen anbieten. Laut Sprecher Thomas Brunner soll die Umsetzung schrittweise stattfinden und ungefähr im Jahr 2016 vollständig abgeschlossen sein.

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