Mit Nordkorea: Bundesrat stoppt Schweizer Seilbahn-Deal

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Mit NordkoreaBundesrat stoppt Schweizer Seilbahn-Deal

Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Un will ein Skigebiet bauen – mit einer Seilbahn aus der Schweiz. Der Bundesrat verhinderte dies in letzter Sekunde. Selbst Uno-Kritiker stützen den Entscheid.

von
egg

Auch Nordkorea will seinen Tourismus ankurbeln. Im Osten des Landes soll deshalb ein luxuriöses Skiresort entstehen mit 110 Pistenkilometern, Seilbahnen, Hotels und einem Helikopterlandeplatz.

Die Seilbahn hätte nach den Plänen des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-Un aus der Schweiz kommen sollen.

Laut einem Bericht der «SonntagsZeitung» hatte die nordkoreanische Regierung für die Seilbahn einen Deal mit der Bartholet Maschinenbau AG Flums (BMF) über rund 7 Millionen Franken abgeschlossen. Die Firma hätte die Anlage in Einzelteilen an einen chinesischen Partner geliefert, dieser hätte die Montage vor Ort übernommen.

Bundesrat greift ein

Doch dazu kommt es nicht. Die BMF AG darf die Bauteile für die kombinierte Anlage aus Sessel- und Kabinenbahn nicht ins diktatorisch regierte Land liefern. Der Bundesrat stoppte den Seilbahn-Deal – wohl in letzter Sekunde.

Bereits am 5. Juni hatte der Seilbahnbauer das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) über sein Vorhaben informiert. Seit 2006 gelten UNO-Sanktionen gegen Nordkorea. Diese verbieten unter anderem den Export von Luxusgütern wie Juwelen und Rennautos.

Arbeitsplätze geschaffen

Gemäss dem Bericht riet das Seco dem Flumser Unternehmen vom Deal ab. Doch die BMF und ihr Verwaltungsratspräsident Roland Bartholet ignorierten die Warnung. «Der Export wäre unproblematisch gewesen», sagte Bartholet der Zeitung. Die Zivilbevölkerung hätte die Anlage genauso wie das Regime nutzen können. Ausserdem wären durch den Bau der Seilbahn Arbeitsplätze entstanden.

Doch am 3. Juli erweiterte der Bundesrat seine Embargo-Liste gegenüber Nordkorea unter anderem mit dem Begriff «Infrastruktur-Installationen und Ausrüstungsgüter für Sportanlagen mit Luxuscharakter». Das Seco verneinte, diese Liste vor dem geplanten Deal entsprechend angepasst zu haben, bekräftigte aber, dass es sich beim geplanten Bau des Resorts offensichtlich um ein Prestige- und Propagandaprojekt des nordkoreanischen Regimes handle. Es sei unvorstellbar, dass die Anlage dereinst auch von der breiten Bevölkerung genutzt werden könne.

«Auch wirtschaftlich nicht unterstützen»

Der Embargo-Entscheid des Bundesrats stösst selbst bei Schweizer Uno-Kritikern auf Verständnis. «Nordkorea hat ein unmenschliches Katastrophen-Regime, das die Schweiz auch wirtschaftlich nicht unterstützen darf», sagt Walter Wobmann, Solothurner SVP-Nationalrat und ehemaliges Mitglied der Aussenpolitischen Kommission gegenüber 20 Minuten. Auch wenn es sich dabei nicht um Waffen handle, dürfe die Seilbahn nicht geliefert werden.

Roland Bartholet selber ist zwar enttäuscht vom Entscheid des Bundesrats, sagt aber zu 20 Minuten: «Wir haben den Entscheid zu respektieren.» Er kritisiert einzig, dass die Firma nicht schon in der Akquisitionsphase in dieser Dimension informiert wurde und ergänzt: «So hätten ein grosser materieller Aufwand und viel wertvolle Ressourcen eingespart werden können.»

Er ist überzeugt: Nordkorea werde sich die Tourismusdestination trotzdem bauen – mit oder ohne Schweizer Know-how. Die bereits fertig montierten Einzelteile versucht die Firma nun anderswo zu verkaufen.

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