Wegen der Energiebranche – Bundesrat will bedrohte Fisch- und Krebsarten nicht schützen

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Wegen der EnergiebrancheBundesrat will bedrohte Fisch- und Krebsarten nicht schützen

Die Biodiversitäts-Initiative soll die biologische Vielfalt besser schützen – dem Bundesrat geht das zu weit. Obwohl es vielen Fischarten schlecht geht, wurden nun im indirekten Gegenvorschlag etwa Fischschutzgebiete ersatzlos gestrichen. Das sorgt für Unverständnis. 

von
Daniela Gigor
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Die Europäische Äsche gilt in Schweizer Seen mittlerweile als gefährdet. 

Die Europäische Äsche gilt in Schweizer Seen mittlerweile als gefährdet. 

Anglerverband Niedersachsen e.V./Florian Möllers
Es sind bereits über dreiviertel aller einheimischen Fischarten gefährdet, vom Aussterben bedroht oder sogar bereits ausgestorben.

Es sind bereits über dreiviertel aller einheimischen Fischarten gefährdet, vom Aussterben bedroht oder sogar bereits ausgestorben.

Anglerverband Niedersachsen/Florian Möllers
Das schöne Bild täuscht: Auf dem Land gebe es seit Jahrzehnten Schutzgebiete, aber unter Wasser fehle das Pendant.

Das schöne Bild täuscht: Auf dem Land gebe es seit Jahrzehnten Schutzgebiete, aber unter Wasser fehle das Pendant.

20 min/ Daniela Gigor 

Der Gegenvorschlag des Bundesrats bringt viel zu wenig neue Schutzgebiete für die Biodiversität, teilte der Schweizerischer Fischerei-Verband SFV mit. Nach Auswertung der Vernehmlassung hat der Bundesrat sogar die Schutzgebiete für gefährdete Fisch- und Krebsarten gänzlich aus dem Gegenvorschlag gekippt. «Wir sind enttäuscht und können das so nicht akzeptieren», hält Ständerat Roberto Zanetti, Zentralpräsident des Schweizerischen Fischerei-Verbandes fest. Verabschiedet wurde die Botschaft zum indirekten Gegenvorschlag zur Biodiversitäts-Initiative durch den Bundesrat am letzten Freitag.  

Im Vorabdruck des Botschaftstextes wird ersichtlich, warum der Bundesrat auf die Förderung der aquatischen Biodiversität verzichtet. Dort steht geschrieben: «Aufgrund grundsätzlicher energiepolitischer Erwägungen und unter Berücksichtigung der kritischen Rückmeldungen der Energiebranche in der Vernehmlassung wird auf die Einführung der Schutzgebiete von nationaler Bedeutung für Fische und Krebse verzichtet. Damit verbleiben nachgewiesene Defizite beim Erhalt und der Förderung der aquatischen Biodiversität, die sich in den Gewässern durch den grössten Artenverlust ausdrücken. In Ergänzung zu den bereits eingeleiteten Renaturierungsmassnahmen nach Gewässerschutzgesetz wären zusätzliche gezielte Fördermassnahmen nach Bundesgesetz über die Fischerei und finanzielle Mittel dafür notwendig.» 

Es geht darum, einzelne kleine Gebiete gezielt zu schützen

Das bedeutet im Klartext: Die energiepolitischen Erwägungen und die kritischen Rückmeldungen der Energiebranche werden höher gewertet als der Schutz der Fische und Krebse. «Aus ökologischer Sicht wären Schutzgebiete sehr wichtig», sagt David Bittner, Geschäftsführer des SFV. Auf dem Land gebe es seit Jahrzehnten Schutzgebiete, aber unter Wasser fehle das Pendant. «Diese Lücke muss endlich geschlossen werden, weil es den Fischen wirklich sehr schlecht geht.» Laut Bittner ist die Krise gar grösser als auf dem Land. Es sind bereits über dreiviertel aller einheimischen Fischarten gefährdet, vom Aussterben bedroht oder sogar bereits ausgestorben. «Schliesslich geht es darum, einzelne kleine Gebiete gezielt zu schützen, die eine grosse Bedeutung für die Fischarten haben, wie etwa Laichgebiete und Jungfischlebensräume», so Bittner.  

Es sei klar, dass die Wasserkraft für die Energieversorgung wichtig ist. «Wir haben am runden Tisch Kompromissbereitschaft für den Ausbau der Wasserkraft gezeigt.» Der Fischerei-Verband will sich nun nach wie vor für die Fischschutzgebiete stark machen. Wichtig sei jetzt, dem Volk zu erklären, wie dramatisch die Biodiversitätskrise unter Wasser steht. Bittner: «Der Gegenvorschlag des Bundes reicht nicht aus, um die Probleme zu lösen.» Lebensräume im Süsswasser gehören zu den bedrohtesten der Welt. «Sie sind unsere Korallenriffe oder Regenwälder der Schweiz», so Bittner weiter. Und nicht zuletzt sind saubere und sichere Gewässer auch für das Überleben der Menschheit das wichtigste Element. Der Grund ist, dass wir heute nicht wissen, was ein Verlust der Biodiversität längerfristig für das Überleben der Menschheit bedeutet. 

 

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