Motionen gut unterwegs: Bundesrat will gegen Stau-Chaos vorgehen
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Motionen gut unterwegsBundesrat will gegen Stau-Chaos vorgehen

Der Bundesrat sagt den Staus den Kampf an. Er hat zwei Vorstössen zugestimmt, die ein Überholverbot für LKW sowie die Nutzung von Pannenstreifen als zusätzliche Fahrbahn verlangen.

von
Jessica Pfister
Der Bund prüft zwei Massnahmen gegen den Stau: Überholverbot für LKW und die Benutzung des Pannenstreifens als zusätzliche Fahrbahn.

Der Bund prüft zwei Massnahmen gegen den Stau: Überholverbot für LKW und die Benutzung des Pannenstreifens als zusätzliche Fahrbahn.

Kilometerlange Blechkolonnen auf der Autobahn - für jeden Autofahrer ein Graus. Rund 12 000 Stunden verbringen Schweizer Lenker pro Jahr stehend beziehungsweise langsam rollend auf den Nationalstrassen. Dabei nimmt nicht nur der Frust bei den Autofahrern zu. Auch die volkswirtschaftlichen Kosten steigen. Diese werden auf rund 1,2 Milliarden Franken veranschlagt - Tendenz zunehmend.

Jetzt kommt Bewegung in das Stau-Chaos. Der Bundesrat hat am Mittwoch zwei entsprechende Vorstösse aus dem Parlament gutgeheissen. Zum einen eine Motion von SVP-Ständerat This Jenny, die ein Überholverbot für Lastwagen fordert. Diese sind für den Glarner Politiker mitschuldig an der aktuellen Situation. «Mit ihren unseligen kilometerlangen Überholbemühungen rauben sie den Autofahrern nicht nur den letzten Nerv, sondern treiben auch die Kosten in die Höhe», sagt Jenny. Für ihn ist klar: Mindestens auf der Hälfte des Nationalstrassennetzes müssen Überholverbote für Lastwagen möglich sein. «Dieses Verbot kann zeitlich beschränkt auf Tageszeiten mit hohem Verkehrsaufkommen oder unbeschränkt auf bestimmten Strecken erlassen werden.»

Bund hat Untersuchungen in Auftrag gegeben

Eine andere Lösung, um das Stau-Problem zu bekämpfen, sieht CVP-Politiker Urs Hany. Er will, dass der Bund prüft, ob bei Staus auf Nationalstrassen der Pannenstreifen als zusätzliche Fahrbahn freigegeben werden kann. Der Bund soll weiter aufzeigen, welche Abschnitte dafür in Frage kommen.

Für beide Vorschläge hat das Bundesamt für Strassen (Astra) eine Untersuchung in Auftrag gegeben. «Beim LKW-Überholverbot soll die Analyse zeigen, welche Streckenabschnitte und unter welchen Bedingungen Verbote sinnvoll sein können», sagt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach. In die Analyse sollen auch die Erfahrungen der bestehenden elf LKW-Überholverbotsstrecken miteinfliessen, so zum Beispiel auf der Gotthardrampe, wo mit 13 Kilometern das längste LKW-Überholverbot der Schweiz besteht. Ein flächendeckendes Verbot kommt für das Astra aber nicht in Frage. «Wir rechnen damit, dass es auf etwa 450 bis 500 Kilometer des Nationalstrassennetzes sinnvoll sein kann», so Rohrbach. Das entspricht etwa 25 Prozent und damit weit weniger, als sich Jenny erhofft hat.

Was die Benützung des Pannenstreifens angeht, hat das Astra bereits im Rahmen des Pilotsversuchs auf der A1 zwischen Morges und Ecublens erste Erfahrungen sammeln können. «Wir sind positiv überrascht, wie die Nutzung des Pannenstreifens als zusätzliche Fahrbahn den Verkehr auf der stark belasteten Strasse verflüssigt hat», sagt Rohrbach. Nun wolle man untersuchen, ob es in der Schweiz weitere Strecken gibt, auf denen diese Praxis Sinn mache. «Man muss aber auch beachten, dass eine temporäre Nutzung eines Pannenstreifens mit hohen Kosten verbunden ist.» So habe man für den Betrieb und die Sicherheit der vier Kilometer langen Versuchsstrecke auf der A1 30 Millionen Franken aufwenden müssen. «Es braucht Pannenbuchten für den Notfall und je nach Alter der Autobahn einen härteren Belag auf den Pannenstreifen.»

Widerstand gegen Überholverbot für LKW

Rohrbach ist zuversichtlich, dass bis Ende Jahr erste Ergebnisse zu beiden Analysen vorliegen. Widerstand kündigt sich aber schon heute an. So ist dem Verband der Schweizer Berufsfahrer (Routiers Suisses) das Überholverbot für LKW ein Dorn im Auge: «Wir hätten keine Freude, wenn wir einem Camping-Anhänger, einem Militärfahrzeug oder anderen Verkehrsteilnehmern kilometerweit mit 70 Stundenkilometern nachfahren müssten», sagt Generalsekretär David Piras. Es scheine, dass gewisse Kreise den Lastwagen auf einfache Art und Weise die Gründe für Verkehrsprobleme anhängen möchten, obwohl diese tiefer lägen. Auch der Nutzfahrzeugverband Astag reklamiert: «Es darf nicht sein, dass der Güterverkehr systematisch schikaniert wird», sagt André Kirchhofer. Die beste Massnahme, um Staus zu verhindern, sei ein Ausbau der Autobahnen auf sechs Spuren.

Staus am Wochenende

Der Touring Club Schweiz (TCS) erwartet für das Wochenende vor allem vor dem Gotthard-Südportal in Airolo in Richtung Norden lange Staus, vor allem am Samstag zwischen 10 und 20 Uhr und am Sonntag zwischen 13 und 20 Uhr. Grund ist der Rückreiseverkehr Richtung Norden, da in neun Kantonen und mehrerern deutschen Bundesländer die Schulferien zu Ende gehen. (jep)

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