Bundesratskandidatin Leuthard: «Schont meine Familie»
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Bundesratskandidatin Leuthard: «Schont meine Familie»

CVP-Präsidentin und Bundesratskandidatin Doris Leuthard hat die Medien aufgefordert, in der Berichterstattung sachlich zu bleiben. Sie will nicht, dass bis zur Bundesratswahl immer wieder Helikopter über ihrem Haus kreisen.

«Es ist gut, wenn sie über mich schreiben», sagte sie vor der versammelten Bundeshauspresse. Sie müsse auch Kritik einstecken können. Die Privatsphäre der Menschen in ihrer persönlichen Umgebung sei aber zu respektieren. Sie habe am Samstag einen weinenden Vater erlebt, sagte Leuthard. Der Druck, der seit der Rücktrittsankündigung von Bundesrat Joseph Deiss auf sie und ihre Familie ausgeübt werde, habe sie denn auch bei ihrer Entscheidung über eine Kandidatur am meisten belastet. Sie wolle nicht, dass nun bis zur Bundesratswahl immer wieder Helikopter über ihrem Haus kreisten.

Leuthard ist motiviert

«Ich bin überzeugt, dass ich das kann», sagte die 43-jährige Aargauerin am Dienstag bei der Bekanntgabe ihrer Kandidatur. Nach einer turbulenten Woche habe sie sich am vergangenen Wochenende nach Rücksprache mit ihrem Mann entschieden, für den freien Sitz in der Landesregierung zu kandidieren. «Ich bin motiviert, mich in den Dienst des Landes zu stellen», sagte Leuthard. Sie sei überzeugt, dass es die CVP und ihre Werte im Bundesrat brauche und dass sie diese in der Regierung gut vertreten könne. Fraktionschef Urs Schwaller sagte vor den Medien, es sei wichtig, dass die CVP mit einer starken Persönlichkeit im Bundesrat vertreten sei.

Keine Sorgen machte sich Leuthard um ihre Partei, die im Falle ihrer Wahl bereits zum sechsten Mal in den letzten 14 Jahren einen neuen Präsidenten suchen müsste. Die CVP stehe heute exzellent da und es gebe genügend gute Köpfe, welche das Amt übernehmen könnten. Sie sei überzeugt, dass sie mit einer Wahl in den Bundesrat nicht nur dem Volk, sondern auch ihrer Partei am besten dienen könne. Auf Spekulationen über ihre allfällige Nachfolge an der Parteispitze wollte Leuthard nicht eintreten. Noch sei sie die Präsidentin, sagte sie lediglich.

Keinen Einfluss auf Leuthards Entscheidung hatte das in den letzten Tagen diskutierte Szenario, dass sie bei einem Wechsel eines der beiden SVP-Bundesräte ins Volkswirtschaftsdepartement allenfalls das Verteidigungsdepartement übernehmen müsste. Bundesräte würden in ein Gremium und nicht in ein Departement gewählt, sagte sie. Sie freue sich auf jede Herausforderung. «Auch die EURO 2008 ist doch ein knackiges Thema», meinte sie.

Der Vorstand der CVP-Fraktion, welcher die Ersatzwahl für den zurücktretenden Joseph Deiss vorbereitet, nahm die Entscheidung Leuthards mit Freude zur Kenntnis. Er hat zwar noch keine offizielle Wahlempfehlung zu Handen der Fraktion abgegeben, legte aber bereits fest, dass der Bundesversammlung nur ein Kandidat präsentiert werden soll. Die ganze Fraktion der Christlichdemokraten solle geschlossen hinter einer Person stehen, sagte Fraktionschef Schwaller.

Die Reaktionen auf Leuthards Ankündigung stützten am Dienstag die Prognose, dass ihre Wahl quasi als sicher gilt. Die FDP sagte ihr bereits Unterstützung zu und pochte auch nicht auf weitere Kandidaten. Die SP würde zwar eine Auswahl begrüssen, wie Parteipräsident Hans-Jürg Fehr sagte. Leuthard sei aber die logische Kandidatin und repräsentiere die Partei sicher sehr gut. SVP-Präsident Ueli Maurer wollte die Kandidatur mit Verweis auf die Zuständigkeit der Fraktion nicht kommentieren.

Auch nach Leuthards Entscheid läuft nun die Meldefrist für andere Kandidaten noch bis Mitte Mai weiter. Die Fraktion der CVP wird dann am 19. und 20. Mai die Wahl ein erstes Mal diskutieren und voraussichtlich am 6. Juni eine Wahlempfehlung abgeben. Die Wahl des neuen Bundesratsmitglieds ist für den kommenden 14. Juni vorgesehen. Leuthard selber soll am kommenden Freitag von der Aargauer Kantonalpartei an einem ausserordentlichen Parteitag in ihrem Heimatort Merenschwand offiziell als Kandidatin nominiert werden.

Wahl soll am 14. Juni stattfinden

Die Wahl der Nachfolge von Bundesrat Joseph Deiss findet voraussichtlich am 14. Juni statt. Der Ablauf bis dahin ist wie folgt geplant: Am kommenden Freitag will die CVP Aargau an einem ausserordentlichen Parteitag Doris Leuthard offiziell als Kandidatin nominieren. Noch bis zum nächsten Montag läuft die Frist, innerhalb der auch andere Kantonalparteien noch Kandidaten lancieren können. Die CVP-Bundeshausfraktion wird sich am 19. und 20. Mai mit der Deiss-Nachfolge befassen. Einen Wahlvorschlag zuhanden der Bundesversammlung will sie spätestens am 6. Juni vorlegen. Der oder die Kandidaten - derzeit sieht es ganz nach einer Einerkandidatur von Doris Leuthard aus - werden anschliessend von den anderen Fraktionen zu Hearings empfangen. Wahltag ist dann voraussichtlich der Mittwoch in der zweiten Woche der Sommersession. (dapd)

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