Bundeswehr verabschiedet Gerhard Schröder
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Bundeswehr verabschiedet Gerhard Schröder

Mit einem grossen Zapfenstreich verabschiedet sich die deutsche Armee von Gerhard Schröder. In einer Umfrage bekommt Schröder für seine Amtsführung gute Noten.

In Hannover begann am Samstagabend der Grosse Zapfenstreich für den scheidenden Bundeskanzler. Schröder hatte zuvor noch einmal eine Bilanz seiner siebenjährigen Amtszeit gezogen. In einer Rede in der niedersächsischen Landeshauptstadt hob er die Sicherheitspolitik und die Reformpolitik der rot-grünen Bundesregierung hervor. Bundespräsident Horst Köhler dankte dem früheren SPD-Chef ausdrücklich für seine politische Arbeit.

Das feierliche Zeremoniell der Bundeswehr begann am Abend unter starken Sicherheitsvorkehrungen vor dem Rathaus in Schröders Heimatstadt Hannover. Anwesend waren neben Verteidigungsminister Peter Struck und Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan die SPD-Politiker Franz Müntefering, Hans Eichel, und Frank-Walter Steinmeier. Auch Schröders Mutter Erika Vosseler war unter den Gästen.

Das Musikkorps der Bundeswehr sollte auf Schröders Wunsch die «Moritat von Mäckie Messer» von Kurt Weill, «Summertime» von George Gershwin und das von Claude François und Jacques Revaux komponierte «Comme d'habitude» spielen, das später als Frank Sinatras «My Way» weltbekannt wurde.

Mit einem Grossen Zapfenstreich zeichnet die Bundeswehr traditionell Persönlichkeiten aus, die sich um die Armee besonders verdient gemacht haben. Friedensgruppen hatten einen Protestmarsch am Rande des Zapfenstreichs angekündigt. Das Gelände wurde weiträumig abgesperrt. Die Polizei sicherte die Veranstaltung mit etwa 500 Beamten.

Schröder sagte vor der Bundeskonferenz der Arbeiterwohlfahrt, insbesondere in der Aussen- und in der Reformpolitik sehe er die künftige Koalition in einer grossen Kontinuität zur Politik seiner scheidenden Bundesregierung. «Trotz des einen oder anderen Fehlers» sei das Land in die richtige Richtung verändert worden, sagte der Kanzler nach Angaben des Bundespresseamts.

Köhler schrieb in einem Grusswort für die in Hannover erscheinende «Neue Presse», Schröder habe sich bleibende Verdienste um Deutschland erworben. Es gebe gute Gründe, Schröder und seiner Regierung dankbar zu sein. Das Staatsoberhaupt verwies unter anderem auf den Bundeswehreinsatz im Kosovo an der Seite von NATO-Partnern, den Beitrag Deutschlands zur Einführung des Euro und die EU-Erweiterung. Gleichzeitig lobte der Bundespräsident Schröders Reformpolitik: Der Kanzler habe die Agenda 2010 mit «hohem politischen Mut» entworfen und gegen grosse Widerstände durchgesetzt. «Für mich gibt es keinen Zweifel daran, dass diese Politik der inneren Erneuerung dem Wohle Deutschlands dient», erklärte Köhler.

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth erklärte, Schröder habe mutig längst überfällige Reformen angepackt. Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt würdigte Schröders Bemühen im die Agenda 2010. Dagegen bezeichnete Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) Schröder als «Zwischenkanzler, der letztlich für das gescheiterte Experiment einer rot-grünen Bundesregierung steht».

Bundesbürger überwiegend zufrieden

Die Bundesbürger bewerten Schröders Arbeit überwiegend positiv. In einer Forda-Umfrage für den Senders RTL gaben 54 Prozent der 1.002 Befragten an, dass der SPD-Politiker alles in allem gut gearbeitet habe. 38 Prozent äusserten sich demnach negativ. Ebenfalls 54 Prozent wünschten sich demnach, dass der scheidende Kanzler auch in Zukunft politisch aktiv bleibt. (dapd)

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