Aktualisiert 06.02.2008 17:15

Bundeswehr wird in Afghanistan kämpfen

Die Bundeswehr stellt künftig die Schnelle Eingreiftruppe im Norden Afghanistans. Mit dieser Ankündigung begegnet der deutsche Verteidigungsminister Franz Jung US-Forderungen nach einem Einsatz im umkämpften Süden.

Die Bundeswehr folge mit der Entsendung des Kampfverbandes einer entsprechenden Bitte der NATO. Im Sommer solle die sogenannte Quick Reaction Force (QRF) von den Norwegern übernommen werden, sagte Jung am Mittwoch.

Nach Angaben aus NATO-Kreisen in Brüssel dürfte Deutschland 240 bis 250 Soldaten schicken. Bislang stellt Norwegen mit rund 350 Soldaten die Schnelle Eingreiftruppe.

Laut NATO-Diplomaten kann Deutschland aber auf die rund 100 Logistiker verzichten, die zu dem norwegischen Kontingent gehören. Mit dem Regionalkommando in Masar-i-Sharif hat die Bundeswehr bereits eine umfassende Logistik.

Forderungen an Deutschland

Vor allem die USA, aber auch andere NATO-Staaten dringen darauf, dass deutsche Soldaten auch im unruhigeren Süden Afghanistans zum Einsatz kommen.

Ohne Deutschland namentlich zu erwähnen, forderte US- Aussenministerin Condoleeza Rice am Mittwoch erneut eine Verteilung der Lasten auf die gesamte Allianz.

Es sei «kein Geheimnis, dass einige Verbündete in erheblich gefährlicheren Teilen des Landes» im Einsatz seien als andere, sagte Rice in London. Der britische Premier Gordon Brown schloss sich dieser Meinung an.

Der deutsche Verteidigungsminister Jung erteilte solchen Forderungen aber am Mittwoch wieder eine Absage. Die von der NATO vorgenommene Aufteilung der afghanischen Regionen sei «klug und richtig».

Die Bundeswehr kontrolliere als verantwortliche Nation im Norden ein Gebiet, das halb so gross wie Deutschland sei. Eine Vernachlässigung des Einsatzes dort wäre ein «ganz entscheidender Fehler».

NATO-Treffen

Mit der Reaktion der anderen NATO-Staaten auf die deutsche Position muss Jung sich ab Donnerstag auf dem Treffen der NATO- Verteidigungsminister in Vilnius auseinandersetzen.

Gegen die radikal-islamischen Aufständischen kämpfen derzeit neben den US-Amerikanern und Briten vor allem Soldaten aus Kanada und den Niederlanden. Die von der Nato geführte Isaf-Truppe hat 42 000 Soldaten. Das Bundeswehr-Mandat erlaubt die Entsendung von 3500 Soldaten

(sda)

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