Aktualisiert 09.06.2014 09:46

Schweizer Start-Up

Bunte Espadrillas bringen Afrikanern faire Löhne

Vom Facebook-Shop zum Start-up: Ein Schweizer produziert in Afrika zu fairen Preisen Sommerschuhe. Das Produkt wird schon in der ganzen Welt vertrieben.

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dill/dos

Während seines Afrika-Aufenthalts verliebte sich der 27-jährige Paul Burggraf aus Lugano in den schwarzen Kontinent. Auf seiner Reise entdeckte er in Kapstadt das Potenzial der einheimischen Schuhmacher, schreibt «20 minuti». «Viele haben so viel Talent, dass es einfach schade wäre, ihnen keine Plattform zu bieten», so Burggraf. Deshalb gründete er vor einem Jahr eine Facebook-Site, auf der er handgemachte Schuhe zu einem fairen Preis für die lokalen Schuhmacher verkaufte. «Die Schuhe waren auf Facebook ein voller Erfolg.»

Zum ersten Handwerker kamen immer mehr dazu und so gründete Burggraf mit seiner Schweizer Freundin und einem afrikanischen Freund eine Werkstatt und einen richtigen Online-Shop. Wegen der afrikanischen Bürokratie sei es nicht einfach gewesen, das Start-up auf die Beine zu stellen. Der Gründungsprozess, der in der Schweiz etwa zwei Wochen dauert, zog sich in Afrika über sechs Monate hin, sagt Burggraf. «Es gibt dort keine Ansprechpartner. Es läuft alles über eine Hotline, bei der man zwei bis drei Stunden in der Warteschlaufe hängt.» Dieselben Bewilligungen musste er dann auch noch mehrere Male bestellen: «Die ersten zwei Male seien die Dokumente intern verloren gegangen, hiess es.»

Bestellungen aus der ganzen Welt

Immerhin haben sich die Geduld und die starken Nerven ausbezahlt: «Heute arbeiten in der Werkstatt drei Schuhmacher und 27 Assistenten zu einem fairen Lohn, der viel höher als der übliche ungerechte Standardlohn von den monatlichen 200 Euro ist.» Die Schuhmacher erhalten laut Burggraf umgerechnet zwischen 800 und 900 Euro, während die Assistenten 650 Euro im Monat verdienen.

Von Hand werden in der Werkstatt sogenannte Espadrillas produziert. Die farbigen Sommerschuhe im African Style kommen laut Burggraf sehr gut an – weltweit. «Wir hatten schon Bestellungen aus Korea, Kanada, USA und Libanon.» Nun haben auch Schweizer Interesse bekundet: «Wir sind im Gespräch mit einigen Schuhhäusern.»

Leitung aus der Schweiz

Auch die Arbeitsplätze im Start-up-Unternehmen sind laut Burggraf sehr gefragt: «Viele möchten in unserer Werkstatt arbeiten.» Und am liebsten würde er auch alle beschäftigen. «Das ist auch der Zweck unserer Aktivität: Wir wollen Arbeitsplätze schaffen und Qualitätsprodukte zu einem gerechten Preis anbieten.» Durch den Import in die Schweiz könne er auch seinen Traum verwirklichen: «Zwei Dinge zu verbinden, die ich liebe: Afrika und die Schweiz.»

Von der Schweiz aus leitet Burggraf den Betrieb in Afrika, vor Ort behält zusätzlich sein afrikanischer Partner den Überblick. Für vieles müsse Burggraf aber selber nach Kapstadt gehen, zum Beispiel für die Materialauswahl. Für den Vertrieb und die Logistik, die er von der Schweiz aus managt, verrechnet er sich 2000 Franken im Monat. «Im Moment decken die Einnahmen nur die Kosten. Einen Verdienst gibt es trotz des Verkaufspreises von 58 Franken pro Espadrillas keinen, das wird sich in den nächsten Jahren vermutlich auch nicht gross ändern.» Trotzdem hofft er, in Zukunft ein Gewinn zu erzielen. «Dann könnte ich weitere Arbeitsplätze schaffen.»

Noch nicht winterfest

Jetzt muss er aber dafür sorgen, dass seine Mitarbeiter überhaupt ganzjährig beschäftigt sind. Espadrillas können vielleicht in den Sommermonaten der Kassenschlager sein, aber die wenigsten werden sich solche für die Skiferien kaufen. «Wir versuchen genau aus diesem Grund unser Produkt auch in der südlichen Hemisphäre zu vermarkten.» Winterschuhe zu produzieren komme im Moment noch nicht in Frage: «Uns fehlt das Geld für die nötigen Investitionen.»

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