Burka-Betrug in Amsterdam
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Burka-Betrug in Amsterdam

Die Crew eines holländischen Jugendsenders wollte in einem Filmbeitrag den Rassismus der Amsterdamer anprangern — und fiel dabei bös auf die Nase.

Die jungen Filmemacher von 101tv, einem Jugendsender des niederländischen Fernsehsenders BNN, hatten eine gute Idee. Sie wollten dem holländischen Publikum einmal deutlich vor Augen führen, wie unterschiedlich die ganz normalen Menschen in einer Amsterdamer Fussgängerzone auf eine Frau reagieren — je nachdem, ob die in Jeans und Lederjacke oder in einer Burka unterwegs ist.

Einfaches Experiment

Die Versuchsanordnung war simpel: Die hübsche Frau liess auf dem Nieuwe Dijk, einer Einkaufsstrasse im Herzen Amsterdams, eine Tasche mit Orangen fallen, so dass die Früchte im weiten Umfeld über den Boden kullerten. Und siehe da: Ganz wie erwartet eilten der westlich gestylten jungen Frau eine ganze Menge Leute zur Hilfe. Und ebenso erwartungsgemäss musste dieselbe Frau die Orangen allein aufsammeln, als sie ihre Aufführung in eine Burka gehüllt wiederholte.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Dumm nur: Zufällig hatte auch eine Filmcrew des Lokalsenders AT5 auf dem Nieuwe Dijk zu tun. Und die Videoaufnahmen von AT5 zeigen Szenen, die für 101tv einigermassen peinlich sind: Da eilen nämlich nicht wenige Passanten der Burka-Trägerin zu Hilfe. Aber der Aufnahmeleiter ruft die unwillkommenen Helfer zur Ordnung: «Doorlopen alstublieft! Opname, sorry.» Und weiter: «Mensen, laat maar!» (Weitergehen bitte! Aufnahme, sorry!» / «Leute, lasst das!»)

«Grosse Schande»

AT5 konfrontierte den stellvertretenden Bürgermeister von Amsterdam, Lodewijk Asscher, mit den enthüllenden Bildern. Asscher war keineswegs begeistert: «Amsterdam wird als Stadt dargestellt, die jemanden hilflos sitzen lässt. [...] Es wird ein Bild gezeichnet, als ob wir in dieser Stadt einer Person nicht helfen, weil sie eine Burka trägt. Das finde ich wirklich falsch und eine grosse Schande.»

«90 Prozent Wahrheit»

Paul van Keulen, Chefredaktor von 101tv, fand in einer ersten Stellungnahme die Aufregung über den Beitrag seines Senders «übertrieben». «Wir arbeiten mit sehr jungen Reportern, und junge Reporter machen manchmal ein wenig ihre eigene Wahrheit. Man hofft, dass es nie passiert, aber in diesem Fall, finde ich, wurde die Wahrheit zu diesem Thema zu 90 Prozent berichtet.»

Später krebste 101tv jedoch zurück. Auf der Website des Senders ist nun eine klare Distanzierung von der «Burka-Sendung» zu finden (siehe Linkbox rechts), und es wird versichert, 101tv arbeite nicht mehr mit dem betreffenden Regisseur zusammen.

Video: Burka-Betrug in Amsterdam (Quelle: AT5.nl)

dhr

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