Boomendes Geschäft: Burkini-Verkäufe schnellen in die Höhe
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Boomendes GeschäftBurkini-Verkäufe schnellen in die Höhe

Trotz oder gerade wegen der Diskussion um den Burkini boomt das Geschäft damit. Auch Nicht-Muslimas kaufen den körperverdeckenden Badeanzug.

von
kko
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Burkini-Boom: Muslimische Models präsentieren die Ganzkörperbadeanzüge in einem Geschäft in Sydney (19. August 2016).

Burkini-Boom: Muslimische Models präsentieren die Ganzkörperbadeanzüge in einem Geschäft in Sydney (19. August 2016).

AFP
Inhaberin ist die australisch-libanesische Designerin Aheda Zanetta. Sie gilt als Erfinderin des Burkinis.

Inhaberin ist die australisch-libanesische Designerin Aheda Zanetta. Sie gilt als Erfinderin des Burkinis.

AFP
Burkini ist eine Wortschöpfung aus Burka und Bikini.

Burkini ist eine Wortschöpfung aus Burka und Bikini.

AFP

Spätestens seit dem Polizisten am Strand von Nizza eine Frau mit Kopftuch, Bluse und langer Hose dazu zwangen, sich ihrer Kleidung teilweise zu entledigen, weil sie damit gegen das dort geltende Burkini-Verbot verstiess, diskutiert ganz Europa wieder über den Ganzkörperbadeanzug. Schlecht fürs Geschäft ist das offenbar nicht. Im Gegenteil, sagt Burkini-Erfinderin Aheda Zanetti gegenüber der BBC. Die Online-Verkäufe seien seither sogar um 200 Prozent gestiegen.

Die 48-Jährige hat das Kleidungsstück 2004 erfunden und betreibt ein Geschäft in Sydney. Schon vor der Debatte habe der Anteil ihrer Kundinnen anderer Glaubensrichtungen rund 40 Prozent ausgemacht. Die jüngsten Diskussionen verstärkten die Anfragen von Nicht-Muslimas nun noch zusätzlich.

«Verkäufe seit Jahren stabil am Wachsen»

Einen so markanten Anstieg könne sie zwar nicht ausmachen, sagt Selim Aksoy zu «faz.net». Die Besitzerin des Onlineshops «Aquasel» mit Sitz bei Stuttgart verkauft Bademode nach ganz Europa. Auch Burkinis hat sie im Sortiment. Auch sie stellt fest: «Die Verkäufe sind seit Jahren stabil am Wachsen». Das sei eine Bedarfssache, sagt sie.

Und dieser Bedarf kennt offenbar keine Grenzen der religiösen Zugehörigkeit. «Bei uns kaufen immer wieder Leute die sogenannten Burkinis, die keine Muslime sind.» Gründe seien dann etwa Hautprobleme, Narben oder Übergewicht. Als wichtige Abnehmer nennt Aksoy der «Frankfurter Allgemeinen» Kurhäuser und Kliniken, die ihren muslimischen Patienten mit dem Ganzkörperbadeanzug Therapien im Wasser ermöglichen wollten.

«Mormonen und Buddhisten»

Auch Burkini-Designerin Zanetti hat Abnehmer, die ihr Textil aus gesundheitlichen Gründen schätzen. So hätten etwa Hautkrebs-Patienten den Burkini als effizienten Sonnenschutz entdeckt. Seit acht Jahren habe ihre Firma mehr als 700'000 Burkinis verkauft, führt sie im «Politico» aus. Davon exportierte sie demnach über 40 Prozent nach Europa. Nicht-Muslimas machten insgesamt 40 Prozent ihrer Kundinnen aus, so schätze etwa die jüdische Gemeinde ihre Kreationen.

«Ich habe Mormonen und Buddhisten gesehen, die meine Burkinis tragen. Oder Mütter, die sich nicht wohl fühlen, wenn sie viel Haut zeigen.» Wichtig ist ihr vor allem eines: «Ich habe den Burkini erfunden, um den Frauen Freiheit zu schenken, nicht um sie ihnen zu nehmen», wird Zanetti dieser Tage oft zitiert.

Frankreich kippt Burkini-Verbot

Das höchste französische Verwaltungsgericht hat am Freitag das Burkini-Verbot einer Kommune an der Cote d'Azur gekippt. Das Urteil wurde zu einem Erlass der Gemeinde Villeneuve-Loubet gefällt, gilt aber als Präzedenzfall für an die 30 weitere Küstenorte, die muslimischen Frauen ebenfalls untersagten, das verhüllende Kleidungsstück an Badestränden zu tragen.

Das Verbot hatte weltweit Aufsehen erregt und Debatten ausgelöst. Zwei Menschenrechtsorganisationen zweifelten die Rechtmässigkeit der Kleidungsvorschrift an und reichten Klage ein. (SDA)

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