25 Jahre nach Aufstand: Burmas Volk hat wieder eine Stimme

Aktualisiert

25 Jahre nach AufstandBurmas Volk hat wieder eine Stimme

Tausende Menschen gedenken in Rangun den bis zu 3000 Toten des Studentenaufstands vor 25 Jahren.

Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die 1988 zur Ikone des Widerstands gegen die damalige Militärjunta wurde, wollte bei einer Gedenkveranstaltung am Donnerstag eine Rede halten. In einer Geste der Versöhnung hatten die Organisatoren von der damaligen Studentenbewegung auch Regierungsvertreter zur Veranstaltung eingeladen. Da in der heutigen Regierung ehemalige Militärs noch als Minister sitzen, boykottierte der Studentenverband ABFSU aber die Feierlichkeiten.

Nach monatelangen Protesten gegen Misswirtschaft und Diktatur geht das Militär brutal gegen Studenten vor.

8. August 1988, 8 Uhr: Nach monatelangen Demonstrationen gegen Militärdiktatur und Misswirtschaft beginnt der von Studenten angeführte Aufstand mit einem Massenstreik. Die Demonstranten sind wie elektrisiert, erinnern sich Zeitzeugen. «Die Strassen hallten mit dem Slogan wider: Wir wollen volle Demokratie!», erzählt der damalige britische Kulturattaché Tom White der BBC später.

Die Eskalation

Um Mitternacht dann schiessen Soldaten in die Menge. Doch schon zu dieser Zeit hat das Militär jede Menge Blut an den Händen: 200 Studenten werden im März bei einer Kundgebung erschossen, ihre Leichen im Inya-See versenkt. 41 Studenten ersticken Tage später in einem Lastwagen auf dem Weg ins Insein-Gefängnis.

Die Tochter des Unabhängigkeitshelden General Aung San, Aung San Suu Kyi, wird zum Symbol des Widerstands. «Ich appelliere an die Armee, eine Kraft zu werden, der das Volk vertraut», ruft sie Ende August vor Hunderttausenden.

Die Stimme des Volkes verstummt

Vergeblich: Am 18. September greift das Militär vollends durch. Die Stimme des Volkes ist abgewürgt. «Tausende Leben wurden ausgelöscht, und damit die Hoffnung einer ganzen Nation», schreibt Aung Zaw, der damals demonstrierte, später ins Ausland floh und das Exilmagazin «Irrawaddy» gründete.

23 weitere Jahre bleibt Burma unter der Knute des Militärs. Zwar wagen 2007 noch einmal Mönche den Protest. Sie führen Hunderttausende Demonstranten auf die Strassen. Aber auch dieser Protest wird vom Militär blutig niedergeschlagen. Mehr als 100 Menschen sterben.

Der Aufbruch

Dass es mit dem Antritt der Zivilregierung vor zwei Jahren so rasant vorangeht, hat mit der buddhistischen Bereitschaft zur Vergebung zu tun. «Ich hege keine Rachegefühle», sagt die 68-jährige Suu Kyi, obwohl sie fast 15 Jahre lang isoliert unter Hausarrest eingesperrt war. «Die Wahrheit über die damaligen Ereignisse muss ans Licht», meint sein Kollege Min Ko Naing im Interview mit «Irrawaddy». «Das heisst aber nicht: Rache.»

Die junge Generation blickt nach vorn. «Ich weiss nicht viel über die 88er Studentengeneration», sagt Yu Htwe Thu. Die 21-Jährige studiert Medizin in Rangun. «Meine Mutter hat sie bewundert.» «Sie haben viel für uns getan», sagt die 22-jährige Theint Darli, die Informationstechnologie studiert, vage. «Die Regierung wird keine Kehrtwende machen, sie hat die Fehler der Vergangenheit erkannt», glaubt Student Thura Tun.

«Irrawaddy»-Gründer Aung Zaw ist skeptischer: «Es gibt wieder Hoffnung in Burma, aber nicht so wie 1988. Jetzt muss erstmals ein halbes Jahrhundert Scherbenhaufen aufgeräumt werden, bevor der Wiederaufbau beginnen kann.»

(sda)

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