Aktualisiert 09.02.2015 07:58

Gestresste Primarschüler

Burnout-Patienten werden immer jünger

Die Managerkrankheit hat die Primarschule erreicht. Aktuelle Zahlen zeigen: 4,4 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in der Schweiz leiden unter Depressionen.

von
kko
Kinder, deren Agenda neben der Schule prall gefüllt ist, können unter massiven Leistungsdruck geraten.

Kinder, deren Agenda neben der Schule prall gefüllt ist, können unter massiven Leistungsdruck geraten.

Sie klagen über Bauchschmerzen und Schlafstörungen: Bei einer Befragung der WHO gab jeder dritte Schweizer Schüler an, sich gestresst zu fühlen. Das hat unter Umständen verheerende Folgen. Aktuell leiden 4,4 Prozent aller Kinder und Jugendlichen an einer depressiven Störung, zitiert der «Sonntagsblick» aus einem Bericht des Bundes zur psychischen Gesundheit.

Immer öfter werden schon bei Kindern Erschöpfungsdepressionen diagnostiziert. «Seit zwei Jahren erkranken immer mehr Grundschüler an Burnout», sagt der deutsche Kinderpsychiater Michael Schulte-Markwort im Interview zum «SonntagsBlick». Er schätzt, dass eines von 60 Kindern davon betroffen ist. Grund dafür sind oft übervolle Terminkalender. Nachhilfe, Sportverein und Musikunterricht gleichzeitig nachzukommen und darin auch gute Leistungen zu zeigen, überfordert so manches Kind.

«Kleine Kinder – grosse Erwartungshaltung»

«Die Gesellschaft hat an kleine Kinder eine grosse Erwartungshaltung», sagt der Zürcher Burnout-Coach Andreas Diethelm. Auch er hat immer mehr sehr junge Patienten. Schon Primarschüler lernten heute, sich auf ihre Zukunft zu fokussieren, setzten sich selbst unter Druck. «Deshalb fördern die Eltern sie in Fächern, die sie in der Schule noch gar nicht haben», sagt Diethelm.

Den Leistungsdruck bekommen auch die Lehrer zu spüren. «Private Nachhilfe und der Druck auf Lehrpersonen wegen Schulnoten hat deutlich zugenommen», sagt Jürg Brühlmann, der im Lehrerverband LCH die Pädagogische Arbeitsstelle leitet, der Zeitung. Lehrer, die Auffälligkeiten bemerkten, sollten mit den Eltern möglichst früh das Gespräch suchen.

Um den Kindern den Druck zu nehmen, plädiert Diethelm für «Qualität statt Quantität» – das gelte auch bei Hobbys.

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