Aktualisiert 02.11.2011 22:35

Star Style

Bursche von Stand

Der britische Schauspieler Jamie Campbell Bower ist ein bisschen adlig und kann fast alles. Nur eines nicht: über sein Privatleben reden.

von
Lucien Esseiva

Tief entspannt hängt er im Stuhl auf der Sonnenterrasse vor dem Hotel, das Hemd bis zum Bauchnabel aufgeknöpft. In der einen Hand hält Jamie Campbell Bower, 23, ein kaltes Bier, in der anderen eine Zigarette. Während des ganzen Gesprächs nimmt er seine schwarze Ray-Ban nicht ab. Wenn er seine Zigarette im Aschenbecher ausdrückt, streicht er sich die ausgebleichten schulterlangen Haare aus dem Gesicht, um sich gleich darauf eine neue Fluppe anzuzünden.

Der Schauspieler aus London versprüht die Gelassenheit eines Jungen aus gutem Haus – von einem, der es geschafft hat. In «New Moon» spielte er einen Volturi-Vampir, in «Harry Potter» einen Zauberlehrling. Und jetzt in «Anonymous» von Blockbuster-Regisseur Roland Emmerich den jungen Earl of Oxford, der die Königin von England mit seinen Gedichten und seiner Sexyness um den Finger wickelt.

«Sehr einfühlsam»

Friday: Jamie, im Film hast du Sex mit einer älteren Frau, der Königin von England. Hast du persönlich Erfahrung damit?

Jamie Campbell Bower: Bisher nicht. Aber meine Schauspielpartnerin

Joely Richardson hat es mir leicht gemacht. Sie war sehr einfühlsam.

Was hat dich an der Rolle sonst noch gereizt?

Der Charakter des Earl of Oxford kommt dem meinen sehr nah.

Wie meinst du das?

Ich mag seine arrogante Intelligenz, seine Weit­gereistheit und dass er überzeugt ist von dem, was er tut.

Wer so auf die Welt kommt wie Jamie Campbell Bower, muss sich nicht viele Sorgen machen. Seine Mutter war die Managerin von Bob Marley, sein Vater ein hohes Tier bei Gibson-Gitarren (Slash hat nie auf einer anderen gespielt). Der Grossvater war ein adliger Gouverneur einer britischen Karibik-Kolonie. Jamie besuchte Englands teuerstes Internat Be­dales, nahm mit acht bereits Gesangs- und Schauspielunterricht und wurde mit 14 von der renommierten Modelagentur Select unter Vertrag genommen. Mit 19 castete ihn Tim Burton für «Sweeney Todd», den Musicalfilm mit Johnny Depp. Burton sei sein grösster Förderer, sagt Jamie. «Ohne ihn würde ich heute wohl Fish 'n'  Chips verkaufen.» Wohl kaum, aber die Koketterie gibt Sympa­thie­punkte.

Hinter der Sonnenbrille verbergen sich stahlblaue Augen, seine Sätze kommen klug und geschliffen daher, und er hat die Gestik eines Rockstars. Jamie ist Sänger und Gitarrist der Grunge-Band The Darling Buds. «Wir klingen wie eine Mischung aus Nirvana und Silverchair – also richtig dreckig.» Dass ihm die Girls ihre Höschen auf die Bühne werfen, beeindruckt ihn mässig: «Das ist doch eher Tom-Jones-Style. Obwohl: Bei ihm sind die Höschen wohl etwas grösser.» Krat­ziges Lachen.

«Kein Schwein interessierts»

Mit dem Spass ist es vorbei, als er auf sein Privatleben angesprochen wird. Seit kurzem ist er mit der englischen Schauspielerin Bonnie Wright, bekannt aus den Harry-Potter-Filmen, verlobt. Unübersehbar der klobige Ring an seinem Finger.

Wie fühlt es sich an, verlobt zu sein?

Darüber will ich nicht sprechen.

Wieso nicht?

Ich will keine öffentliche Person sein. Alles was ich mache, tue ich wegen der Herausforderung und weil ich mich verbessern will. Darum lebe ich in London und nicht in L. A. Hier kann ich mit meinen Jungs im Pub ein Bier trinken, und kein Schwein interessiert es.

Man wills ihm glauben. Zum guten Glück sagt er zum Schluss des Interviews noch dies: «Ich weiss, dass ich ein privilegiertes Leben führe. Und dafür bin ich dankbar.»

«Anonymous» Kino-Trailer.

Chefin liebt Untertan

Ob William Shakespeare wirklich Schöpfer der ihm zugeschriebenen Werke ist, darüber streiten Experten seit Jahrzehnten. Auch «Anonymous» greift dieses Thema auf. Im Zentrum steht aber die Liebesgeschichte zwischen Eli­za­beth I., der Königin von England (Joely Richardson), und dem Earl of Oxford (Jamie Campbell Bower.) Für die perfekte Kulisse hat Regisseur Roland Emmerich in Berlin das London des 16. Jahrhunderts nachbauen lassen. Der perfekte Blockbuster für Liebhaber von Geschichte, altem Theater, zarter Liebe und einer Menge Drama.

«Anonymous», jetzt im Kino

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.