Ägypten: Bus-Angriff – Armee schlägt zurück
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ÄgyptenBus-Angriff – Armee schlägt zurück

Unbekannte haben einen Bus mit koptischen Christen attackiert und 28 Menschen getötet. Die Regierung antwortet mit Luftangriffen in Libyen.

von
oli

Mindestens 26 Menschen wurden getötet, 25 verletzt: Der zerstörte Bus, auf den Unbekannte das Feuer eröffnet haben. (Video: Tamedia/AFP)

Bei einem Angriff auf einen Bus mit koptischen Christen in Ägypten sind heute mindestens 28 Menschen getötet worden. Mehr als 20 weitere Menschen wurden nach offiziellen Angaben bei der Attacke südlich der Hauptstadt Kairo verletzt. Der Bus wurde demnach in der Provinz Minja von Bewaffneten angegriffen.

Der Bus war in Minja auf dem Weg zu einem Kloster, als er von Angreifern mit automatischen Waffen beschossen wurde, wie Provinzgouverneur Essam al-Bedaui im Staatsfernsehen sagte. Die Angreifer konnten seinen Angaben zufolge fliehen. Die Polizei riegelte die Umgebung mit Kontrollpunkten ab.

Angriffe auf Extremisten in Libyen

Ägypten hat nach den Worten seines Präsidenten Ausbildungsstützpunkte von Extremisten angegriffen, die Stunden zuvor den tödlichen Anschlag südlich von Kairo verübt hatten. Nähere Einzelheiten nannte Präsident Abdel Fattah al-Sisi zunächst nicht.

Aus offiziellen Kreisen verlautete, Kampfflugzeuge hätten Stützpunkte von Extremisten im Osten Libyens angegriffen. Die Kampfjets hätten das Hauptquartier des Shura-Rats in der Stadt Darna ins Visier genommen. Örtliche Milizen dort sollen Verbindungen zu al-Qaida haben.

Ägypten werde jegliche Ausbildungsstützpunkte von Extremisten angreifen, die Anschläge in Ägypten verübten, wo immer sie seien, sagte Al-Sisi. In einer im Fernsehen übertragenen Rede appellierte er am Abend direkt an US-Präsident Donald Trump, den Kampf gegen den Terror anzuführen. Zugleich wiederholte er Forderungen nach einer Bestrafung von Ländern, die Extremisten finanzierten, ausbildeten oder bewaffneten.

Christliche Minderheit immer wieder Opfer von Gewalt

In den vergangenen Wochen wurden bei mehreren Anschlägen auf Kopten in Ägypten dutzende Menschen getötet. Anfang April wurden bei Anschlägen auf zwei Kirchen in Alexandria sowie in Tanta nördlich von Kairo insgesamt 45 Menschen getötet. Zu der Tat bekannte sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Staatschef Abdel Fattah al-Sisi rief daraufhin einen dreimonatigen Ausnahmezustand aus.

Zuvor hatte sich im Dezember 2016 ein Selbstmordattentäter während einer Sonntagsmesse in der koptischen Kirche St. Peter und Paul in Kairo in die Luft gesprengt. 29 Menschen wurden getötet und dutzende weitere verletzt. Auch diesen Anschlag reklamierte der IS für sich. Im Februar rief die Dschihadistenmiliz in einem Video zu Gewalt gegen Kopten auf, hunderte Angehörige der Minderheit flohen bereits von der Sinai-Halbinsel.

Die Kopten machen rund zehn Prozent der 92 Millionen Ägypter aus. Dschihadistengruppen werfen den Kopten vor, den Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Sommer 2013 unterstützt zu haben. Seitdem wurden nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als 40 koptische Kirchen in Brand gesetzt oder beschädigt. (oli/afp)

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