Aktualisiert 09.07.2019 08:51

Keine Zeit fürs WC

Bus-Chauffeure müssen in Flaschen pinkeln

Der öffentliche Verkehr läuft nach einem strikten Zeitplan. Toilettenbesuche sind dabei oft nicht mit eingeplant.

von
doz
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Chauffeure im öffentlichen Verkehr müssen sich an einen strikten Zeitplan halten.

Chauffeure im öffentlichen Verkehr müssen sich an einen strikten Zeitplan halten.

Keystone/Salvatore di Nolfi
Dabei bleibt oft keine Zeit für einen WC-Besuch.

Dabei bleibt oft keine Zeit für einen WC-Besuch.

Keystone/Martial Trezzini
Öffentliche Toiletten sind oft zu weit weg und deren Besuch würde zu Verspätungen führen.

Öffentliche Toiletten sind oft zu weit weg und deren Besuch würde zu Verspätungen führen.

Fabian Sommer

Die Gewerkschaft des Verkehrspersonals schlägt Alarm. In Genf sei die Situation für Chauffeure von rund 15 Buslinien untragbar. So sei es diesen nicht möglich, während der Arbeitszeiten angemessene sanitäre Anlagen aufzusuchen. Rund 50 Mitarbeiter seien gezwungen, selbst zu sehen, wo sie ihre Notdurft verrichten können.

Eric Marie ist selbst Chauffeur und bestätigt diesen Umstand. «Jeder tut, was er kann», sagt er. Das bedeutet, dass manche Kollegen sich im Gebüsch erleichtern oder in eine Flasche pinkeln, die sie dann in einem öffentlichen Abfalleimer entsorgen.

«Mussten für die Toiletten-Reinigung kämpfen»

Ein Beispiel für diese mangelnde Ausstattung ist die Endhaltestelle in Lancy, wo viele Bus- und Tramlinien enden. Früher waren hier mobile WC-Kabinen aufgestellt, diese wurden aber schon vor einiger Zeit entfernt. Die Mitarbeiter wurden daraufhin angewiesen, die Toiletten eines Einkaufszentrums zu benutzen. Diese sind aber weiter von der Station entfernt und nach Ladenschluss geschlossen.

Marie berichtet: «Am anderen Ende einer dieser Linien müssen wir die Toilette einer Bar benutzen. Das ist aber peinlich und ich kaufe mir jedes Mal extra einen Kaffee. Das wird mit der Zeit teuer.»

Andernorts wurden den Mitarbeitern Komposttoiletten zur Verfügung gestellt. «Diese waren aber nicht an den Strom angeschlossen und wir mussten dafür kämpfen, dass sie auch gereinigt wurden», erklärt Marie. Anfangs sei es gar nicht möglich gewesen, diese zu benutzen, da sie so verdreckt waren.

Gefährdung der Sicherheit der Passagiere

Dieser Mangel an Toiletten wirkt sich laut der Gewerkschaft auch negativ auf die Sicherheit der Passagiere des öffentlichen Verkehrs aus. So vermeiden es Mitarbeiter wenn möglich, während der Arbeitszeit zu essen oder zu trinken. Dies könne zu Dehydrierung und Konzentrationsverlust führen. Ausserdem haben es Frauen so grundsätzlich schwerer in dem Beruf.

20 Minutes hat versucht, das Verkehrsunternehmen Globe Limo auf diese Mängel anzusprechen. Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels wurde aber keine Stellung dazu genommen.

Auch in Basel ein Problem

Das Problem ist nicht nur in Genf bekannt. Im September 2018 reklamierten die Postauto-Chauffeure der Linie 50 von Basel zum Euro-Airport über unzulängliche Arbeitsbedingungen. Dort gäbe es zwar öffentliche Toiletten am Flughafen, diese seien für die Busfahrer aber zu weit entfernt und der Besuch würde zu Verspätungen im öffentlichen Verkehr führen. Daher werde am Flughafen oft ins Gebüsch gepinkelt.

Auch dies hat verheerende Auswirkungen. Ein Bus-Chauffeur berichtet, dass er bereits Schwindelanfälle hatte und ihm im Feierabendverkehr die Augen zugefallen seien, weil er zu wenig gegessen und getrunken hatte.

Bei Postauto glaubt man aber nicht, dass die Zustände so prekär sind, wie sie von den Chauffeuren beschrieben werden. «Es stehen mehrere Toiletten zur Verfügung, zum Beispiel 30 Sekunden entfernt in einer Confiserie. Wir akzeptieren ausnahmsweise sogar eine minimal verspätete Abfahrt wegen eines WC-Besuchs», sagte Postauto-Sprecherin Valérie Gerl damals.

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