Bush gibt Karsai Rückendeckung

Aktualisiert

Bush gibt Karsai Rückendeckung

Zum Musterknaben für die islamische Welt ist Hamid Karsai von seinen Freunden in Washington aufgebaut worden. Und die Rolle als Held des demokratischen Wandels soll er auch behalten.

Zwar hatte es zuletzt in den afghanisch-amerikanischen Beziehungen geknirscht. Die Misshandlung afghanischer Häftlinge durch US-Soldaten auf der einen Seite, der Opiumanbau in Afghanistan auf der anderen Seite sorgten für Missstimmung zwischen den Verbündeten.

Dennoch wurde Karsai am Montag mit einem freundlichen Empfang im Weissen Haus geehrt - zu wichtig ist der Mann aus Kabul für George W. Bush. Karsai sei eine «grossartige Inspiration» für sein eigenes Land und für die Nachbarstaaten, schwärmte der US-Präsident. Bush und Karsai unterzeichneten ein Memorandum über die strategische Partnerschaft ihrer Länder.

In Karsais Sicht wiederum ist das langfristige US-Engagement unabkömmlich, um die fragile politische Neuordnung nach dem Sturz der Taliban vor dreieinhalb Jahren abzusichern: Auch nach der anstehenden Wahl seien die neuen Institutionen noch nicht stark genug, um ohne Hilfe von Aussen auskommen zu können, sagte er.

Mit 18 000 Soldaten stellen die USA in Afghanistan nach wie vor das mit Abstand stärkste ausländische Kontingent. Die amerikanischen Soldaten werden von der Karsai-Regierung dringend vor allem für den Kampf gegen die radikalislamischen Taliban gebraucht, die Teile des Landes erneut unter ihre Kontrolle gebracht haben.

Streitpunkt Gefangenen-Misshandlungen

Nicht zuletzt mit Blick auf die Parlamentswahlen versucht Karsai dennoch schon seit einiger Zeit, dem Eindruck allzu grosser Abhängigkeit von Washington entgegenzuwirken: «Kein Afghane ist eine Marionette», sagte er kurz vor seinem Besuch im Weissen Haus dem US-Sender Fox.

«Schockiert» hatte Karsai zudem schon vor seiner Reise auf einen Bericht der «New York Times» über mutmassliche Misshandlungen afghanischer Gefangener auf US-Stützpunkten reagiert. Die Zeitung berichtete über zwei Gefangene, die im Dezember 2002 als Folge der Quälereien gestorben sein sollen.

Abhängigkeit von den USA

Das Memorandum zeigt allerdings, wie stark Karsai weiter auf seine militärische Schutzmacht angewiesen ist. Die Vereinbarung sichert der US-Armee die langfristige Nutzung der Luftwaffenbasis Bagram sowie weitgehend unbeschränkte Operationsfreiheit auf afghanischem Territorium zu.

Nur vage werden «Konsultationen» mit Kabul vor jeder US-Militäroperation in Aussicht gestellt. Auch in der Gefangenen-Frage wollte sich Bush nicht zu sehr festlegen. Vage blieb seine Zusage, die afghanischen Häftlinge in Guantánamo auf Kuba «mit der Zeit» in afghanische Gefängnisse zu verlegen. Und über die Foltervorwürfe verlor Bush auf der Pressekonferenz kein Wort.

Karsai wiederum beeilte sich zu beteuern, dass «diese Dinge überall geschehen» und bemühte sich, Befürchtungen auf eine wachsende anti-amerikanische Stimmung in seinem Land zu zerstreuen. Das «afghanische Volk» verstehe, dass der Koran in den USA respektiert werde, beteuerte Karsai unter den wohlwollenden Blicken seines Gastgebers.

(sda)

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