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Bush: Irak ist einzige arabische Demokratie

US-Präsident George W. Bush hat an Silvester die Entwicklungen im Irak und in Afghanistan im zurückliegenden Jahr als wichtige Fortschritte gewürdigt.

Die Iraker hätten den Terroristen getrotzt und ihr Land in drei Wahlen zur einzigen Demokratie in der arabischen Welt gemacht, sagte Bush in einer Radioansprache. Die Gewalt in dem Golfstaat hielt unterdessen an: Über 20 Menschen wurden am Wochenende getötet, eine Serie von Autobombenanschlägen verbreitete Angst und Schrecken.

Acht Autobomben detonierten am Sonntagmorgen allein in der Hauptstadt Bagdad, eine neunte wurde von der Polizei rechtzeitig entdeckt und kontrolliert zur Explosion gebracht. Vier weitere Autobomben explodierten in den Städten Mukdadija, Tikrit und Kirkuk. Von den 13 Sprengsätzen wurden mindestens zwei von Selbstmordattentätern gezündet. Weitere Todesopfer gab es offenbar nicht, aber insgesamt 20 Verletzte.

Zudem wurden am Sonntag bei einem Angriff auf einen Polizeikontrollpunkt in Mossul ein Passant getötet und drei Polizisten verletzt. Bereits am Samstag waren bei Anschlägen und Überfällen mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen. Zudem wurden am späten Freitagabend in Bagdad neun am Flussufer sitzende Iraker aus einem vorbeifahrenden Auto heraus erschossen und weitere 16 verletzt. Die Motive für den Angriff waren zunächst unklar, die Polizei teilte allerdings mit, die Opfer hätten Alkohol konsumiert.

Sieben im Irak entführte Ausländer kamen am Wochenende frei - ein bereits vor vier Monaten verschleppter Zyprer und sechs seit einer Woche vermisste Sudanesen. In beiden Fällen wurden die Forderungen der Geiselnehmer erfüllt: Der Zyprer Garabet Jekerjian kam nach Angaben von Angehörigen gegen Zahlung eines Lösegelds von 200.000 Dollar (170.000 Euro) frei, der Sudan schloss seine Botschaft in Bagdad, um das Leben von sechs entführten Mitarbeitern zu retten. Nach Angaben des sudanesischen Geschäftsträgers Mohammed Ahmed Chalil wurden die sechs am Samstag freigelassen und zum Haus eines Bekannten gebracht.

Nach Angaben der US-Streitkräfte liessen im vergangenen Jahr 841 amerikanische Soldaten im Irak ihr Leben - nur fünf weniger als 2004. Im ersten Kriegsjahr 2003 lag die Zahl der getöteten Soldaten mit 485 deutlich niedriger.

Bush gelobte in seiner Rede, im kommenden Jahr würden die amerikanischen Truppen weiter gegen Aufständische vorgehen. Zugleich würden weitere Befugnisse auf die irakischen Sicherheitskräfte übertragen. Auch solle die Infrastruktur in politischer ebenso wie in wirtschaftlicher Hinsicht weiter ausgebaut werden. Hand in Hand mit dem Wiederaufbauprogramm würden die USA einen starken Verbündeten im Kampf gegen den internationalen Terrorismus gewinnen. Der Irak werde damit zur Inspiration für die Reformkräfte im Nahen und Mittleren Osten, prophezeite Bush.

Sunnitische Araber zu Gesprächen in Kurdistan

Vertreter des sunnitisch-arabischen Wahlbündnisses Irakische Eintracht reisten am Sonntag in den Landesnorden, um erstmals seit der Parlamentswahl Mitte Dezember mit kurdischen Politikern zusammenzutreffen. Die Kurden hatten bislang nur mit der schiitischen Vereinten Irakischen Allianz verhandelt, mit der sie in der noch amtierenden Regierung koalieren. Die sunnitischen Araber, die das Ergebnis der Wahl anfechten, hatten diese Gespräche mit Misstrauen beobachtet. Nun wurde die Irakische Eintracht nach Angaben eines Parteisprechers jedoch von dem Kurdenführer Massud Barsani eingeladen. Die säkulare Partei Irakische Liste des früheren Ministerpräsidenten Ajad Allawi erhielt hingegen keine Einladung. (dapd)

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