Aktualisiert 04.05.2006 14:14

Bush schmiert Merkel Honig ums Maul

US-Präsident George W. Bush brannte gleich ein ganzes Feuerwerk von Komplimenten für seinen Gast aus Deutschland ab.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sei sehr gut mit internationalen Themen vertraut, sagte er am Mittwochabend bei einer gemeinsamen Pressekonferenz im Weissen Haus. Sie denke klar und äussere sich sehr deutlich. Er wisse die direkte Art Merkels zu schätzen.

Am meisten scheint Bush jedoch zu gefallen, dass Merkel den grössten Teil ihres Lebens in der DDR verbracht hat. «Ich finde, die Bundeskanzlerin ist eine faszinierende Person, die eine einzigartige Perspektive hat», sagte er. Sie wisse, «was es heisst, unter der eisernen Hand eines kommunistischen Herrschers zu leben».

Ähnlich hatte sich der US-Präsident schon im Januar beim ersten Besuch Merkels im Weissen Haus geäussert. Mitte Juli wird er Gelegenheit haben, sich selbst ein Bild davon zu machen, was aus der ehemaligen DDR geworden ist. Er nahm eine Einladung Merkels zu einem Besuch in ihrem Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern unmittelbar vor dem G-8-Gipfel in St. Petersburg an. Der US-Präsident könne dabei erfahren, was in den neuen Ländern seit der Wende geschafft worden sei, sagte die Kanzlerin.

Ein Besuch in Ostdeutschland war bereits im Gespräch, als Bush 2005 zum zweiten Mal nach Deutschland kam. Seine Treffen mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und der damaligen Oppositionsführerin Merkel fanden dann aber doch in Mainz statt.

«Partner im Frieden»

Dass es nun so schnell zum dritten Deutschland-Besuch kommt, kann als weiteres Zeichen für eine deutlich verbesserte Atmosphäre im deutsch-amerikanischen Verhältnis nach dem Regierungswechsel in Deutschland gewertet werden. Bush will zwar nicht von einem «neuen Kapitel» in den bilateralen Beziehungen sprechen. Er betonte am Donnerstag jedoch mehrfach das gute persönliche Verhältnis zu Merkel. Für das deutsch-amerikanische Verhältnis prägte er den Begriff «Partner im Frieden».

Merkel gibt sich zwar wortkarg, was das persönliche Verhältnis zu Bush angeht. «Ich glaube, dass wir in den vergangenen Monaten eine gute freundschaftliche Beziehung aufgebaut haben», sagt sie aber immerhin.

Seit ihrem ersten Treffen im Weissen Haus im Januar haben Merkel und Bush sechs Mal telefoniert. Etwa 30 Minuten dauerten die Gespräche, manchmal etwas länger. Die Dolmetscher sind auf beiden Seiten immer dabei, werden aber in der Regel nicht gebraucht - man verständigt sich auf Englisch.

Gemessen an den Kontakten, die Merkels Vorgänger ins Weisse Haus unterhielt, ist das eine deutliche Steigerung. Zwischen Schröder und Bush herrschte zu Zeiten der Irak-Krise monatelang Funkstille. In seiner zweiten Amtszeit war Schröder innerhalb von drei Jahren nur zwei Mal im Weissen Haus zu Gast. Auf die gleiche Anzahl von Besuchen kommt Merkel nun innerhalb von vier Monaten.

Bei ihrem zweiten Besuch verbrachte Merkel etwa dreieinhalb Stunden mit Bush im Weissen Haus. Nach einem Gespräch im Oval Office zeigte der Präsident der Kanzlerin den Garten und führte sie durch seine Privaträume. Im «Old Family Dining Room» wurde das Abendessen serviert.

Atomstreit mit dem Iran im Mittelpunkt der Gespräche

Hauptthema der Gespräche war der Atomstreit mit dem Iran. Dabei schlug Bush ungewohnt moderate Töne an. «Wir werden weiter mit unseren Partnern darüber sprechen, wie wir eine diplomatische Lösung erreichen können», zeigte er sich mit Merkel einig. Zu möglichen politischen und wirtschaftlichen Sanktionen wollte er sich nicht äussern. «Das ist eine Frage, die Verbündete vertraulich behandeln», sagte der US-Präsident. Vor zwei Wochen hatte er noch öffentlich gedroht, dass alle Optionen auf dem Tisch lägen.

Die Kanzlerin dürfte mit dem Verlauf des Gesprächs in Sachen Iran zufrieden sein. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Staatengemeinschaft zusammenzuhalten. In der vergangenen Woche sprach sie im sibirischen Tomsk eineinhalb Stunden mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über den Atomstreit. Russland bildet zusammen mit China im UN-Sicherheitsrat das Lager, das Sanktionen bisher strikt abgelehnt hat. In zwei Wochen wird der Atomstreit voraussichtlich auch ein Hauptthema bei der China-Reise der Kanzlerin sein.

In Washington gab sich Merkel zuversichtlich, dass der Verhandlungsweg im Atomstreit zum Erfolg führen wird. «Wir sind uns einig, dass wir diplomatische Lösungen finden müssen», sagte Merkel. «Ich sehe dafür auch eine gute Chance.» (dapd)

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