Aktualisiert 18.12.2008 13:00

John Walker LindhBush soll «amerikanischen Taliban» begnadigen

Er ist Amerikaner und kämpfte auf Seiten der Taliban. Nach der US-Invasion in Afghanistan wurde John Walker Lindh verhaftet und zu 20 Jahren verurteilt. Seine Eltern hoffen nun, dass Präsident Bush ihn begnadigt.

Seine Geschichte sorgte für Aufsehen. Als die US-Streitkräfte nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan einmarschierten, entdeckten sie unter den Taliban-Kämpfern einen der Ihren, den damals 20-jährigen John Walker Lindh. Als «American Taliban» wurde er bekannt, der Rock- und Country-Sänger Steve Earle widmete ihm den Song «John Walker's Blues» und erntete dafür heftige Kritik.

Lindh wurde ursprünglich wegen Verschwörung zur Ermordung von US-Bürgern angeklagt, doch schon 2002 liess das Justizministerium alle Anschuldigungen in Zusammenhang mit Terrorismus fallen. Im Gegenzug bekannte sich Lindh schuldig, auf Seiten der Taliban gegen die mit den USA verbündete afghanische Nordallianz gekämpft zu haben. Er habe «einen Fehler gemacht», als er sich den Taliban anschloss, bekannte er vor Gericht. Dieses kannte trotzdem kein Pardon und verurteilte ihn zu 20 Jahren Haft.

Nie gegen Amerikaner gekämpft

Für seine Angehörigen und Anwälte ist klar: Ohne die Anschläge vom 11. September hätte es kein derart hartes Urteil gegeben, denn John Walker Lindh habe nie gegen Amerikaner gekämpft. An einer Medienkonferenz in San Francisco wandten sich seine Eltern Marilyn Walker und Frank Lindh an Präsident George W. Bush und baten ihn, ihrem heute 27-jährigen Sohn den Rest der Strafe zu erlassen.

Sein Sohn sei als Teenager zum Islam konvertiert, sagte Frank Lindh. Er habe sich in die Region begeben, um seine Studien zu vertiefen, und sich im afghanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Taliban wiedergefunden. Er habe aber nie die Absicht gehabt, Terrorismus zu unterstützen oder gegen seine Heimat zu kämpfen. «Er hat sich an keinerlei terroristischen Aktivitäten beteiligt», betonte seine Mutter.

Die Anwälte erklärten, die Regierung habe auf frühere Begnadigungsgesuche nicht einmal reagiert. Nun hofft die Familie, dass sie zum Ende von Bushs Amtszeit «zumindest eine Antwort bekommt», so Vater Frank Lindh. Der US-Präsident begnadigt traditionell diverse Leute, bevor er das Weisse Haus verlässt. Ob der «amerikanische Taliban» dazugehören wird, scheint eher fraglich.

(pbl)

«John Walker's Blues» von Steve Earle

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