Krieg gegen Terror: Bush sucht letzten Knalleffekt gegen Al Kaida
Aktualisiert

Krieg gegen TerrorBush sucht letzten Knalleffekt gegen Al Kaida

George W. Bush will mit einem Erfolgserlebnis im «Krieg gegen den Terror» abtreten. Beim Raketenangriff in Pakistan am letzten Samstag soll ein hochrangiges Al-Kaida-Mitglied getötet worden sein – angeblich.

von
Peter Blunschi

Unter den Opfern jenes Angriffs in der Provinz Nord-Waziristan soll sich auch der britische Terrorist Rashid Rauf befunden haben. Er wird beschuldigt, im Sommer 2006 Anschläge mit Flüssigsprengstoff auf Passagierflugzeuge geplant zu haben. Die Meldung sorgte weltweit für Schlagzeilen. Gemäss der britischen Zeitung «The Times» aber war Rauf gar nicht das eigentliche Ziel der Rakete, sondern ein Ägypter namens Abu Zubair al-Masri.

Dieser habe sich «weit oben in der Al-Kaida-Hackordnung» befunden, berichtete die «Times» mit Berufung auf Geheimdienstquellen. Er sei ein Sprengstoffexperte und Vertrauter von Al-Kaida-Vize Ayman al-Zawahiri gewesen, der ebenfalls aus Ägypten stammt. Der TV-Sender NBC bezeichnete al-Masri als dessen Schwiegersohn. Er habe sich mit vier weiteren Schlüsselfiguren – darunter Rauf – beraten, als die drei Hellfire-Raketen von einer unbemannten Drohne abgefeuert wurden, so die «Times» weiter. Allerdings bestehen auch Zweifel am Bericht, Blogger im Internet kritisieren ihn als unglaubwürdig.

Anschlag zum Auftakt von Obamas Amtszeit?

Klar scheint allerdings der Hintergrund: Die verstärkten Luftangriffe auf vermeintliche Al-Kaida-Ziele in Pakistan sind ein Versuch von US-Präsident George W. Bush, vor seinem Abgang im Januar 2009 noch einen Erfolg im Kampf gegen Al Kaida zu erzielen. «Es geht um seine Hinterlassenschaft», sagte ein ungenannter, ehemaliger Geheimdienstler der «Times». Gleichzeitig bestehe die «ernsthafte Gefahr» eines spektakulären Terroranschlags zu Beginn der Amtszeit von Präsident Barack Obama. «So etwas würde als Versagen der gegenwärtigen Regierung beurteilt», so der Geheimdienstler weiter.

Bush gab im Sommer grünes Licht für verstärkte Raketenangriffe in Pakistan, und zwar auch dann, wenn nur eine Erfolgschance von 50 Prozent bestehe, schreibt die britische Zeitung weiter. So soll nach Angaben eines westlichen Diplomaten Ayman al-Zawahiri das Ziel des Angriffs vom letzten Donnerstag in der Stadt Bannu gewesen sein. Der Stellvertreter von Osama bin Laden soll sich in der Grenzregion von Afghanistan und Pakistan aufhalten. Dort wird auch bin Laden vermutet.

Die pakistanische Regierung verurteilt die US-Angriffe regelmässig scharf. Insgeheim aber soll sie gemäss diversen Medienberichten ihr Einverständnis dazu gegeben haben. Gemäss der Vereinbarung haben die USA «Carte blanche» für Attacken auf ausländische Al-Kaida-Kämpfer in den Stammesgebieten.

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