Butt-Plugs wurden einst als Wundermittel der Medizin gepriesen
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Vielseitig einsetzbarButt-Plugs wurden einst als Wundermittel der Medizin gepriesen

Früher war alles besser – das hört man oft. Doch so pauschal lässt sich das nicht sagen. Ob man das im Hinblick auf dieses einst medizinische Instrument sagen würde, hängt wohl von den sexuellen Vorlieben ab.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Aber das ist doch …? Nein, was aussieht wie unterschiedlich grosse Butt-Plugs, wurde einst als Set von medizinischen Instrumenten angepriesen. 

Aber das ist doch …? Nein, was aussieht wie unterschiedlich grosse Butt-Plugs, wurde einst als Set von medizinischen Instrumenten angepriesen.

Wikimedia Commons/cometstarmoon/CC BY 2.0
Im Jahr 1892 wurde das aus heutiger Sicht verdächtig aussehende «Instrument» zum Patent angemeldet. 

Im Jahr 1892 wurde das aus heutiger Sicht verdächtig aussehende «Instrument» zum Patent angemeldet.

US Design Patent 21
Als Erfinder und Entwickler trat Frank E. Young aus dem US-Bundesstaat Ohio auf. 

Als Erfinder und Entwickler trat Frank E. Young aus dem US-Bundesstaat Ohio auf.

US Design Patent 21

Darum gehts

  • Sie sehen aus wie heutige Butt-Plugs, doch von sexueller Lust war bei ihrer Lancierung nicht die Rede.

  • Vielmehr hiess es, «Dr. Young’s Ideal Rectal Dilators» könnten eine Vielzahl medizinischer Probleme lindern und sogar beheben.

  • Doch statt sich als medizinisches Instrument durchzusetzen, wurden sie 1940 verboten.

Wenn es um Medizin geht, können wir von Glück reden, dass wir heute leben. Das nicht nur, weil wir heute dank mehr Kenntnissen und technischem Wissen Krankheiten besser heilen können. Auch einige der früher angewandten Methoden waren aus heutiger Sicht mehr als fragwürdig. So glaubte man noch Mitte des 20. Jahrhunderts, Depressionen mit Eispickel und Hammer bekämpfen zu können. Lobotomie wurde diese Technik genannt.

Nicht immer ging es derart brutal her, oft aber – zumindest aus unserer heutigen Perspektive – äusserst kurios (siehe Bildstrecke). So wurden etwa «Dr. Young’s Ideal Rectal Dilators», die im Jahr 1892 zum Patent angemeldet worden waren, nicht nur für das angepriesen, was der Name versprach – die Erweiterung des Anus zur Behandlung chronischer Verstopfungen – sondern nach und nach für eine Vielzahl von medizinischen Problemen.

«Sie brauchen keine Angst haben, sie zu oft zu nutzen»

Zu den Anwendungsbereichen zählten demnach – unter anderem – fauliger Atem, schlechter Geschmack im Mund, fahle Haut, Akne, Anämie, Abgeschlagenheit, geistige Trägheit, Schlaflosigkeit, Anorexie, Kopfschmerzen, Durchfall, Hämorrhoiden, Blähungen und Verdauungsstörungen. Ausserdem sollten sie auch bei Nervosität, Reizbarkeit und kalten Extremitäten Abhilfe schaffen sowie einen erholsamen Schlaf fördern.

Ihr Erfinder Frank E. Young aus dem US-Bundesstaat Ohio soll die rektale Dilatation zudem als Heilmittel für Geisteskrankheit gelobt haben. Konkret behauptete er in einer von ihm selbst herausgegebenen Zeitschrift, dass mindestens «drei Viertel aller heulenden Verrückten der Welt» innerhalb weniger Wochen geheilt werden könnten.

Voraussetzung für all das war natürlich, dass man die Dilatoren regelmässig anwendet: «Sie brauchen keine Angst haben, sie zu oft zu nutzen», hiess es in der Gebrauchsanleitung. Die seien sogar zur Vorbeugung geeignet. Allerdings sollten die Analstöpsel «von Personen unter 8 Jahren nicht ohne ärztliche Aufsicht verwendet werden.»

Erhältlich waren die Dilatoren in Sets mit vier «Torpedo-artigen Instrumenten» mit einem Durchmesser von 1,2 bis 2,5 Zentimetern und einer Länge von 7,6 bis 10,2 Zentimetern.

Gericht beschloss ihre Vernichtung

Unabhängige Stellen waren von der Glaubwürdigkeit dieser Versprechungen nicht überzeugt. Im Jahr 1940 beschlagnahmte der Staatsanwalt der Vereinigten Staaten für den südlichen Bezirk von New York eine Lieferung der Geräte als «misbranded».

In einem Gerichtsverfahren mit dem denkwürdigen Namen «U.S. v. 67 Sets Dr. Young's Rectal Dilators und 83 Packungen Dr. Young's Piloment» entschied die Food and Drug Administration (FDA), die Zulassungsstelle für Nahrungs- und Arzneimittel in den USA, schliesslich, dass die Behauptungen unbelegt und die Dilatoren gesundheitsgefährdend waren, «wenn sie mit der empfohlenen Häufigkeit und Dauer verwendet werden.»

Die FDA ordnete an, die Produkte zu vernichten. Gut angekommen sein dürfte der Entscheid damals nicht. So seien die Leute anfänglich ob der doch ordentlichen Ausmasse der Analstöpsel zwar oft in Panik geraten und hätten gezögert, wie Young laut Iflscience.com einmal verraten hat. Aber die meisten seien rasch so zufrieden gewesen, dass sie die für nur wenige Dollar erstanden Dilatoren nicht für weniger als 100 oder sogar 10’000 Dollar hergegeben hätten.

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